15. Juli 2006, 16:41 Uhr

Bitten der Bush-Regierung

Deutschland soll im Nahost-Konflikt vermitteln

Nach dem Gewaltausbruch im Nahen Osten bemüht sich Berlin mit Hochdruck darum, die Konflikte einzudämmen. Gleich mehrere westliche Regierungen, darunter die der USA, ermunterten Kanzlerin Merkel, ihre guten Kontakte in die arabische Welt spielen zu lassen.

Hamburg - Die Kanzlerin versuchte nach Informationen des SPIEGEL vergangene Woche, auch auf Bitten der Bush-Regierung, auf Israel einzuwirken. Der Libanon befinde sich in einem fragilen Zustand und dürfe nicht destabilisiert werden, mahnte Angela Merkel ranghohe Vertreter der israelischen Regierung. Der Außenminister Frank-Walter Steinmeier kümmerte sich derweil um Syrien, dem nach seiner Auffassung eine Schlüsselrolle in der Auseinandersetzung zukommt.

Das Land beherbergt ein Hauptquartier der Hamas-Bewegung, die im Palästinensergebiet die Regierung stellt. Zudem hat sich Syrien mit Iran verbündet, der die Hisbollah im Libanon finanziert. Nach der Entführung israelischer Soldaten durch Hamas und Hisbollah hatte die Jerusalemer Regierung Großangriffe der Streitkräfte im Gaza-Streifen und auf den Libanon gestartet.

Steinmeier telefonierte noch während des Stralsunder Gipfels mit seinem ägyptischen Kollegen Ahmed Abu al-Gheit, um zu beraten, "auf wen der Beteiligten man weiter gemeinsam Druck ausüben muss" – gemeint waren die Syrer. Intern bewertet die Bundesregierung die israelischen Bombardements zwar als "überzogene Reaktion". Offiziell äußerten Merkel und US-Präsident George W. Bush indes Verständnis. Israel habe ein "Recht, sich zu verteidigen".

Bei der Befreiung von Israelis hat Berlin Erfahrung: Schon in der Regierungszeit Helmut Kohls vermittelte der Geheimdienstkoordinator Bernd Schmidbauer einen Deal zwischen Israelis und Hisbollah. Die letzte größere Aktion dieser Art handelte 2003 sein Nachfolger Ernst Uhrlau aus, unter Rot-Grün Geheimdienstkoordinator im Kanzleramt und heute Präsident des Bundesnachrichtendienstes.


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