Islamabad - Der Einsatz der pakistanischen Sicherheitskräfte konzentrierte sich nach Angaben des Polizeichefs der Nordwestprovinz zunächst auf die Ortschaft Bara an der afghanischen Grenze. Über Peschawar wurde Sicherheitskreisen zufolge eine Ausgangssperre verhängt. Starke Truppenkontingente wurden in die Gegend verlegt. Die Krankenhäuser in Peshawar wurden nach Zeitungsberichten in Alarmbereitschaft versetzt.
Pakistanische Sicherheitskräfte in Peschawar: Kampf gegen die Taliban
Als wahrscheinliches Ziel der Offensive galt der Führer der Bewegung Laster und Tugend, Haji Namdar. Die Organisation wird verdächtigt, zahlreiche Anschläge auf die Koalitionstruppen in Afghanistan verübt zu haben. Namdar versucht, in der Region eine strenge Auslegung des Islams durchzusetzen. Er befindet sich allerdings im Konflikt mit Baitullah Mehsud, der als Taliban-Führer in Pakistan gilt.
"Regierung wendet fortwährend Gewalt an"
Weiteres mögliches Ziel der Soldaten ist Menghal Bagh, dessen Anhänger Anschläge in Peshawar verübten. Namdars Gruppe erklärte, eine militärische Operation werde nur neue Probleme schaffen. "Wir sind bereit zu Gesprächen mit der Regierung", sagte ein Sprecher.
Der pakistanische Taliban-Führer Baitullah Mehsud verkündete als Konsequenz aus der Offensive das Ende der Gespräche mit der Regierung. "Wir setzen die Friedensgespräche aus, weil die Regierung fortwährend Gewalt gegen uns anwendet", sagte Mehsud. Die pakistanische Regierung hatte Friedensverhandlungen mit Aufständischen in der von Stämmen kontrollierten Grenzregion zu Afghanistan aufgenommen. Trotz der Gespräche gab es in den vergangenen Wochen wiederholt Angriffe der Rebellen. Der jetzt eingeleitete Einsatz sei nur der Beginn mehrerer Militäroperationen gegen seine Bewegung, so der Taliban-Sprecher weiter. Mehsud drohte mit landesweiten Vergeltungsaktionen.
Ministerpräsident Jusuf Raza Gilani hielt sich am Samstag in Peschawar auf, der mit einer Million Einwohnern größten Stadt im Nordwesten von Pakistan. Sein Besuch hänge aber nicht mit der bevorstehenden Militäroperation zusammen, hieß es offiziell. Weiter verlautete, die Streitkräfte hätten einen Notfallplan erarbeitet, sollten die Extremisten versuchen, Peschawar anzugreifen.
als/sam/Reuters/AP/AFP
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH