14. Mai 2009, 07:46 Uhr

Besuch von US-Bürger

Burma stellt Oppositionsführerin vor Gericht

Sie steht seit Jahren unter Hausarrest, jetzt droht der burmesischen Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi ein Prozess - weil die Friedensnobelpreisträgerin von einem US-Bürger besucht wurde. Die Behörden haben die 63-Jährige bereits verhaftet.

Rangun - Die Militärjunta in Burma geht hart gegen die Opposition des Landes vor: Der unter Hausarrest stehenden Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi droht jetzt ein Prozess - obwohl der Arrest der Oppositionsführerin eigentlich Ende Mai enden sollte. Sie wurde ins berüchtigte Insein-Gefängnis bei Rangun gebracht.

Aung Suu Kyi (Archivbild): Von der burmesischen Militärjunta verhaftet
AP

Aung Suu Kyi (Archivbild): Von der burmesischen Militärjunta verhaftet

Grund der Verhaftung: Die Friedensnobelpreisträgerin ist in der vergangenen Woche trotz ihres Hausarrests heimlich von einem Amerikaner besucht worden. Der US-Bürger John William Yettaw wurde am Mittwoch vergangener Woche verhaftet, nachdem er über einen See geschwommen war, um in das Haus von Suu Kyi zu gelangen. Yettaw blieb nach Darstellung der staatlichen Presse in Burma zwei Tage im Haus der Oppositionsführerin, ehe er zurückschwamm und danach verhaftet wurde. Er wurde am Mittwoch von einem US-Diplomaten besucht.

Der Anwalt der Oppositionsführerin, Kyi Win, sagte vor Journalisten, Suu Kyi habe den Amerikaner nicht eingeladen und ihn aufgefordert, ihr Haus wieder zu verlassen. "Alle sind sehr aufgebracht über diesen jämmerlichen Amerikaner", sagte der Anwalt.

Er sei die Ursache aller jetzt aufgetretenen Probleme. Den Angaben des Anwalts zufolge sollte noch am Donnerstag Anklage gegen seine Mandantin erhoben werden.

Bei dem festgenommenen Mann handelt es sich nach den Worten des Anwalts um einen "abenteuerlustigen" US-Bürger, der auf eigene Faust gehandelt habe. Nach Angaben des US-Außenministeriums erhielt ein US-Diplomat am Mittwoch die Genehmigung, den Mann zu besuchen. Gegen ihn sei bislang keine Anklage erhoben worden.

Der Anwalt sagte, seine Mandantin solle noch am Donnerstag vor Gericht erscheinen. Welche Vorwürfe gegen sie erhoben werden, sei noch unklar. Offenbar wollten die Behörden sie nicht in ihr Haus zurückkehren lassen. Die Nationale Liga für Demokratie (NLD), die Partei von Suu Kyi, hatte vergangene Woche berichtet, dass die 63-Jährige sich in schlechtem Gesundheitszustand befinde.

Suu Kyi hatte 1990 die letzten freien Wahlen in Burma gewonnen. Die Militärjunta, die das Land seit Jahrzehnten regiert, ignorierte das Ergebnis und ließ Suu Kyi verhaften. Die Politikerin verbrachte daraufhin die meiste Zeit der vergangenen 19 Jahre immer wieder in Haft. Ihre jüngste Haftstrafe begann 2003, der Hausarrest sollte am 27. Mai enden.

hen/Reuters/AFP/AP


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