Washington - Der US-Geheimdienst CIA will seine Präsenz in Afghanistan nach einem Bericht der "Los Angeles Times" erheblich ausbauen. Wie das Blatt am Samstag unter Berufung auf Regierungsbeamte schrieb, soll in Afghanistan einer der nach der Mitarbeiterzahl stärksten Stützpunkte der CIA in der Geschichte des Geheimdienstes aufgebaut werden. Genaue Zahlen unterlägen der Geheimhaltung.
Nach Angaben eines Regierungsbeamten seien jedoch bereits rund 700 Mitarbeiter in dem Land aktiv. Es würden weitere Agenten, Analysten und Paramilitärs entsandt. Der oberste US-Befehlshaber des Afghanistan-Einsatzes, General Stanley McChrystal, hat die US-Geheimdienste gedrängt, ihre Informationen über die radikalislamischen Taliban zu verbessern. Mit dieser Hilfe soll die Zahl der Anschläge verringert werden.
Nach einer Bedrohungsanalyse haben die radikalislamischen Taliban eine stärkere Position als je zuvor seit ihrer Entmachtung durch den US-Einmarsch in Kabul Ende 2001. "Sie scheinen niemals an Personalstärke zu verlieren", sagte ein Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums der "Los Angeles Times". "Und sie scheinen niemals an finanzieller Unterstützung zu verlieren." Nach offiziellen Schätzungen gibt es 15.000 bis 20.000 aufständische Kämpfer.
Auf die Agenten warteten viele Aufgaben. Sie sollten etwa zusammen mit Spezialeinheiten des Militärs hochrangige Zielpersonen jagen, die öffentliche Meinung in den Provinzen erkunden, die sich offensichtlich mehr und mehr den Taliban zuneige, sowie Informationen über Korruption in der afghanischen Regierung sammeln.
Die Geheimdienst-Offensive umfasst nicht nur die CIA. Auch andere Nachrichtendienste wie die National Security Agency (NSA), die Telefongespräche abhört und den E-Mail-Verkehr überwacht und der Militärgeheimdienst Defense Intelligence Agency (DIA) sollen personell aufgestockt werden.
Ebenso aufgestockt wird das Militär: Die USA wollen bis Ende des Jahres ihre Truppen auf 68.000 Mann erhöhen. Generalstabschef Mike Mullen und Verteidigungsminister Robert Gates haben bereits weitere Aufstockungen angedeutet. Dabei könnte es sich um 20.000 bis 40.000 zusätzliche Soldaten handeln. Vor allem müsse die Zahl der Kampfsoldaten, der Infanteristen, erheblich erhöht werden, heißt es im Pentagon.
Neben den erstarkenden Taliban könnten auch die offensichtlichen Fälschungen bei der Präsidentenwahl vom 20. August zu einer weiteren Verschlechterung der Lage beitragen. Der Herausforderer des bisherigen Präsidenten Hamid Karzai, Abdullah Abdullah, warnte in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vor "dramatischen Folgen". Er machte Karzai für die Fälschungen verantwortlich und bezichtigte ihn des "Hochverrats". Wenn eine "illegitime Regierung" unter Karzai weitere fünf Jahre an der Macht bliebe, würde "das die Taliban weiter stärken", betonte Abdullah.
ore/dpa/AFP/ddp
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