Berlin - Der Abzug der britischen Truppen aus dem Irak hat offenbar eine Welle von Klagen irakischer Ex-Gefangener ausgelöst, die angeben, von britischen Soldaten gefoltert, erniedrigt und sexuell missbraucht worden zu sein. Insgesamt würden 33 neue Fälle vom Verteidigungsministerium untersucht, berichtet der britische "Independent".
Der schwerste der geschilderten Fälle betrifft einen zum Tatzeitpunkt im Mai 2003 16 Jahre alten Iraker, der angibt, von zwei britischen Soldaten vergewaltigt worden zu sein. Er sei damals mit anderen irakischen Gefangenen zum Füllen von Sandsäcken abgestellt worden, berichtet er. Dann wurde er von einem Soldaten in einen Raum bugsiert, wo er seinen Angaben zufolge zwei männliche Soldaten beim Oralsex beobachtete. Als sie ihn wahrnahmen, so das mutmaßliche Opfer, das laut "Independent" anonym bleiben möchte, hätten diese ihn zunächst getreten und geschlagen und dann ausgezogen und nacheinander vergewaltigt.
Praktiken wie in Abu Ghuraib?
Andere Kläger berichten, dass Soldaten vor den Gefangenen Geschlechtsverkehr hatten, um diese zu provozieren. Auch Soldatinnen sind den Anschuldigungen zufolge in den Skandal involviert: "Wenn ich auf der Toilette hockte oder duschte, entblößte eine Soldatin ihre Brüste oder andere Teile ihres Körpers auf sexuell anzügliche Weise", gab Hussain Hashim Khinyab zu Protokoll. Er sei zudem von einer Krankenpflegerin sexuell missbraucht worden.
In einigen Fällen kam es den Klagen zufolge zum Verabreichen von Elektroschocks, zu Scheinhinrichtungen und Angriffen durch Hunde. Auch wurden Gefangene angeblich gestapelt, ähnlich, wie es auf den 2004 öffentlich gewordenen Fotos aus dem US-Gefängnis Abu Ghuraib im Irak zu sehen war.
Die britische Regierung bestätigte, dass die Fälle untersucht werden. Der für die Streitkräfte zuständige Minister Bill Rammell sagte der BBC: "Anschuldigungen dieser Art werden sehr ernst genommen. Aber die Anschuldigungen sollten nicht wie Fakten behandelt werden."
Nicht die ersten Foltervorwürfe gegen britische Soldaten
Die Anschuldigungen sind Gegenstand eines Schreibens des Anwalts der Opfer, Phil Shiner, an das britische Verteidigungsministerium. Laut "Independent" spricht Shiner in dem Schreiben von einer "großen Ähnlichkeit" zwischen den mutmaßlichen Missbrauchspraktiken der britischen Soldaten und jenen, die von Soldaten der US-Armee angewandt wurden; dies sei "verstörend".
Laut Shiner seien die neuen Fälle bekanntgeworden, nachdem die britische Armee aus dem Irak abgezogen sei. "Viele dieser Iraker fürchteten sich, an die Öffentlichkeit zu gehen, und erst jetzt haben sie den Mut gefunden, das zu tun."
Die neuen Fälle werden zu einer Zeit bekannt, da in London gerade der Tod des 26-jährigen Irakers Baha Moussa untersucht wird, der 2003 von britischen Soldaten zu Tode geprügelt wurde.
yas
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