11. September 2001 Videos dokumentieren Anschlag auf das Pentagon

Das US-Verteidigungsministerium hat zwei Videos vom Anschlag auf das Pentagon am 11. September 2001 veröffentlicht. Es sind die ersten Filmaufnahmen, auf denen der Absturz des entführten Flugzeuges der American Airlines zu sehen ist.


Washington - Es handelt sich um die Aufzeichnungen zweier Überwachungskameras außerhalb des Gebäudes. Sie zeigen, wie das American-Airlines-Flugzeug mit der Flugnummer 77 mit einer geschätzten Geschwindigkeit von rund 850 Kilometern pro Stunde in den Südwestflügel des Ministeriums rast. Auf den rund zwei Minuten langen Aufnahmen ist das Flugzeug aber nur für den Bruchteil einer Sekunde zu sehen, bevor die Maschine explodiert und ein Feuerball über dem Pentagon aufsteigt. Auf dem Video erscheint die Maschine als dünner weißer Strich, der am oberen Ende der Grasfläche von rechts nach links durch das Bild huscht.

Bei dem Anschlag wurden 125 Menschen in dem Gebäude, die 59 Passagiere und Besatzungsmitglieder sowie die fünf Terroristen getötet. Insgesamt kamen bei den Terroranschlägen vom 11. September knapp 3000 Menschen ums Leben. Die Organisation Judical Watch hatte im Jahr 2004 die Veröffentlichung der Bilder nach dem Gesetz zur Informationsfreiheit beantragt. Die Videos sind auf der Internetseite des Verteidigungsministeriums und der Organisation abrufbar.

"Wir haben hart dafür gekämpft, dieses Video zu bekommen", erklärte der Vorsitzende der Organisation Judicial Watch, Tom Fitton, die gegen Bestechlichkeit in der Regierung kämpft. Es sei "sehr wichtig", der Öffentlichkeit auch diese Aufnahmen zugänglich zu machen.

Bush weist Abhör-Vorwurf erneut zurück

Unterdessen hat US-Präsident George W. Bush abermals den Vorwurf zurückgewiesen, dass in den USA die privaten Telefongespräche unbescholtener Bürger abgehört würden. Er äußerte sich gestern vor Journalisten aber nicht zu Vermutungen, die Regierung könnte eine Datenbank aller Telefonate innerhalb des Landes anlegen. Der Präsident betonte lediglich, Inlandsgespräche könnten nur mit richterlicher Genehmigung abgehört werden.

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem australischen Ministerpräsidenten John Howard bekräftigte Bush, die Regierung werde alles tun, um die amerikanische Bevölkerung vor neuen Terrorangriffen von al-Qaida zu schützen. Das Weiße Haus hat stets betont, dass sich das in der Öffentlichkeit umstrittene Abhörprogramm des Militärgeheimdienstes NSA lediglich auf die Überseegespräche sowie die E-Mails von Terrorverdächtigen beziehe. Dies sei für die Sicherheit des Landes unabdingbar.

Laut einem Bericht der Zeitung "USA Today" von vergangener Woche zeichneten Telefongesellschaften nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 jedoch auch die Inlandsgespräche von Millionen US-Bürgern auf und leiteten sie an die Nationale Sicherheitsbehörde (NSA) weiter. Ziel war es demnach, eine nationale Datenbank aller Telefongespräche innerhalb der USA anzulegen und darin auch viele unbescholtene und unverdächtige Bürger zu erfassen. Auf eine Anfrage zu diesem Komplex gab Bush jedoch keine eindeutige Antwort.

Bushs neuer Pressesprecher Tom Snow betonte später, das Überwachungsprogramm der NSA sei keinesfalls umfangreicher gewesen als ursprünglich bekannt gegeben. Die Abhöraffäre hat den früheren NSA-Chef Michael Hayden unter Druck gebracht, den Bush für den Posten des CIA-Chefs nominiert hat.

lan/AFP/AP



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