Bürgerkrieg: 120 Dschihadisten aus Deutschland sind nach Syrien gezogen

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Islamistische Kämpfer in Syrien: "Zentrales Ausreiseland für Dschihadisten aus Deutschland" Zur Großansicht
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Islamistische Kämpfer in Syrien: "Zentrales Ausreiseland für Dschihadisten aus Deutschland"

Die Zahl der Islamisten aus Deutschland, die im syrischen Bürgerkrieg kämpfen wollen, nimmt stetig zu: Die Sicherheitsbehörden gehen von 120 Dschihadisten auf Seiten der Aufständischen aus. Einige sind bereits zurückgekehrt, andere wurden bei den Kämpfen getötet.

Berlin - Der syrische Bürgerkrieg zieht immer mehr deutsche Dschihadisten an. Bundesverfassungsschutz und Bundeskriminalamt gehen inzwischen davon aus, dass mehr als 120 Islamisten aus Deutschland in Richtung Syrien aufgebrochen sind - Tendenz steigend.

Eine "einstellige Personenanzahl" soll nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes mittlerweile aus dem Bürgerkriegsland in die Bundesrepublik zurückgekehrt sein. Mehrere Kämpfer sollen bei den Gefechten mit der syrischen Armee getötet worden sein.

Zuletzt kam offenbar ein Islamist aus Deutschland mit dem Kampfnamen Abu Ahmad al-Almani ums Leben. Am Sonntag meldete die mit al-Qaida verbündete Nusra-Front den Tod des Mannes. Er sei bei Gefechten in Ost-Ghuta nahe der Hauptstadt Damaskus getötet worden.

Almani, Arabisch für "der Deutsche", soll im Libanon geboren worden und im Alter von fünf Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland gekommen sein. In seiner Jugend habe er sich kriminellen Gruppierungen angeschlossen und sei von der Polizei gesucht worden. Dann habe er jedoch zum Islam gefunden, schreiben die Islamisten in einem Nachruf. Über die Türkei sei der zweifache Familienvater schließlich nach Syrien gelangt, wo er auf Seiten der militanten Islamisten kämpfte.

"Es ist wichtig, Ausreisen zu verhindern"

Die deutschen Sicherheitsbehörden seien bestrebt, möglichst viele dieser Ausreiseplanungen frühzeitig zu unterbinden, so das Bundesamt für Verfassungsschutz. Etwa ein Dutzend Möchtegern-Dschihadisten sei bislang an der Ausreise in Richtung Syrien gehindert worden.

"Syrien ist weiterhin das zentrale Ausreiseziel für Dschihadisten aus Deutschland", erklärte der Chef des Verfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen. "Die in Syrien gewonnenen Eindrücke können emotionalisierend wirken und mögliche Radikalisierungstendenzen verstärken. Daher ist es wichtig, Ausreisen zu verhindern." Bislang waren die Behörden von 50 Islamisten aus Deutschland im Bürgerkriegsgebiet ausgegangen.

In der vergangenen Woche war in islamistischen Internetforen ein neues Propagandavideo des deutschen Salafisten Denis Cuspert aufgetaucht, der sich ebenfalls in Syrien aufhalten soll. Darin rief er zu Selbstmordattentaten gegen Zivilisten auf - auch in Deutschland.

Nach Angaben von Verfassungsschutzchef Maaßen haben die Geheimdienstler derzeit jedoch keine konkreten Hinweise darauf, dass Rückkehrer aus Syrien terroristische Anschläge in Deutschland planen oder vorbereiten. Hassvideos, wie das von Cuspert, können jedoch auch für gewaltbereite Islamisten, die in Deutschland geblieben sind, radikalisierend wirken.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 15 Beiträge
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1. Es ist wichtig, Ausreisen zu verhindern - FASLCH
aramcoy 07.08.2013
Es ware wichtig keinen mehr rein zu lassen, und die die zurück kommen, gehören sofort verhaftet und entweder hier als Terroristen angeklagt, oder noch besser direkt an die syrischen Behörden übergeben.
2.
gog-magog 07.08.2013
Zitat von sysopAFPDie Zahl der Islamisten aus Deutschland, die im syrischen Bürgerkrieg kämpfen, nimmt stetig zu: Die deutschen Sicherheitsbehörden gehen von 120 Dschihadisten auf Seiten der Aufständischen aus. Einige sind inzwischen zurückgekehrt, andere wurden bei den Kämpfen getötet. 120 Dschihadisten aus Deutschland sind nach Syrien gezogen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/120-dschihadisten-aus-deutschland-sind-nach-syrien-gezogen-a-915306.html)
Reisende soll man nicht aufhalten. Ob jetzt jemand den Assad macht, oder mit Y-Tours nach Afghanistan reist, spielt doch keine Rolle. Der Mensch ist den Menschen Himmelreich.
3. Och Joh!
Dr.Fuzzi 07.08.2013
Na wie wunderbar, da haben die toten Islamisten doch ihr gelobtes Ziel erreicht und wir wenigstens vor denen Ruhe! Die anderen - bei Rückkehr, wegen Terrorismus, ab in den Knast! Ausserdem muß endlich ein Gesetz geschaffen werden, das es ermöglicht, Migranten die unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, als reale Feinde der Verfassung Deutschlands, die deutsche Staatsbürgerschaft erlangt haben, diese wieder zu entziehen. Es reicht schon, sich mit dem hier geborenen Kroppzeug rumzuplagen!
4. Was ist mit dem Kompass los?
TiloS 07.08.2013
Mir scheint als hat das Bundesamt für Verfassungsschutz komplett seinen Kompass verloren. Islamisten an der Ausreise zu hindern ist wichtiger als sie an der Einreise zu hindern? Bin ich im falschen Film, werden wir unterwandert oder ist das nur ein schlechter Witz? Bei der Tatsache, dass Dschihadisten überhaupt nach Deutschland zurückkommen dürfen, sowie bei solchen Aussagen "...haben die Geheimdienstler derzeit jedoch keine konkreten Hinweise darauf, dass Rückkehrer aus Syrien terroristische Anschläge in Deutschland planen oder vorbereiten." dreht sich bei mir der Magen um.
5. stolz
mattin666 07.08.2013
Deutschland ist und bleibt ein Exportland!
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