20-Punkte-Programm der Uno-Konferenz Die Wunsch-Welt im Jahr 2020

20 Ziele hat die Naturschutzkonferenz der Vereinten Nationen in Nagoya verabschiedet. Dabei handelt es sich um eine Beschreibung des erwünschten Zustandes der Welt im Jahr 2020.


Nagoya - Mit ehrgeizigen Zielen zum Schutz gefährdeter Pflanzen, Wälder und Tiere soll dem Artensterben ein Riegel vorgeschoben werden. Die Uno-Artenschutzkonfernz in Nagoya einigte sich am Freitag auf ein 20-Punkte-Programm, das bis 2020 umgesetzt werden soll. SPIEGEL ONLINE dokumentiert den Beschluss: Folgende Bedingungen sollen in zehn Jahren erfüllt sein.

1. Die Menschen sind sich des Wertes der Lebensvielfalt bewusst und wissen, wie sie zu erhalten ist.

2. Der Schutz von Natur und Lebensvielfalt ist in alle nationalen und lokalen Entwicklungspläne integriert.

3. Anreize und Subventionen, die der Biodiversität schaden, sind beseitigt, positive Anreize für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der Natur entwickelt.

4. Regierungen und Wirtschaft setzen Pläne in Kraft, Produktion und Konsum nachhaltig zu gestalten und die Nutzung natürlicher Ressourcen innerhalb ökologisch sicherer Grenzen zu halten.

5. Die Verlustrate für natürliche Lebensräume, einschließlich Wäldern, ist mindestens halbiert und wo möglich auf Null reduziert.

6. Alle Bestände von Fischen werden gezielt bewirtschaftet, um Überfischung zu vermeiden.

7. Landwirtschaft, Aquakultur und Forstwirtschaft werden nachhaltig durchgeführt.

8. Umweltverschmutzung, inklusive Überdüngung, ist auf ein Niveau reduziert, das Ökosystemen und der Biodiversität nicht schadet.

9. Bestände invasiver Arten sind erfasst und werden kontrolliert oder beseitigt.

10. Der Druck des Menschen auf Korallenriffe und andere Ökosysteme, die von Klimawandel und Übersauerung betroffen sind, ist minimiert.

11. Mindestens 17 Prozent der globalen Landfläche und 10 Prozent der Meeresfläche sind unter Schutz gestellt.

12. Das Aussterben von Arten, deren Bedrohung bekannt ist, ist verhindert.

13. Die Vielfalt von Kulturpflanzen und Zuchttieren sowie ihrer wilden Verwandten wird erhalten.

14. Ökosysteme, die essentielle Dienstleistungen für Gesundheit, Einkommen und Wohlstand erbringen, werden erhalten oder restauriert.

15. Ökosysteme behalten ihre Kraft, trotz menschlicher Eingriffe zu funktionieren und werden bei Bedarf restauriert.

16. Regeln zur fairen und gerechten Nutzung genetischer Ressourcen sind bereits seit dem Jahr 2015 in Kraft getreten.

17. Jedes Land hat einen effektiven Aktionsplan zum Schutz der Biodiversität entwickelt.

18. Wissen, Innovationen und Praktiken von Ureinwohnern, die für den Naturschutz relevant sind, werden respektiert

19. Das Wissen um die Vielfalt des Lebens und seine technologische Nutzung wird vertieft, geteilt und angewandt.

20. Die finanziellen Mittel, die nötig sind, um diese Ziele zu erreichen, stehen zur Verfügung.

hen/AFP

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insgesamt 7 Beiträge
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kochbox 30.10.2010
1. Umsetzung?
Gut, um überhaupt einen Kompromiss finden zu können, den wirklich alle Staaten unterzeichnen, MUSS so ein Pamphlet derart schwammig formuliert sein. Nur ist genau das auch das Problem. Eine völkerrechtliche Bindung an die 20 Punkte wird es - vergleichbar mit den Ergebnissen von Rio de Janiero im Jahre 1992 (Agenda 21 & Co.) - erneut nicht geben. Ergo müssten diese 20 Punkte jeweils in nationales Recht gefasst werden. Spätestens hier wird so einer Erklärung die eigene Schwammigkeit aber zum Verhängnis, denn es ist fraglich, welcher Staat sich selbst die wirtschaftlich betrachtet vermeintlich stärksten Fußfesseln via Gesetz anlegen wird.
shokaku 30.10.2010
2. Hier könnte ein Titel stehen
Zitat von kochboxGut, um überhaupt einen Kompromiss finden zu können, den wirklich alle Staaten unterzeichnen, MUSS so ein Pamphlet derart schwammig formuliert sein. Nur ist genau das auch das Problem. Eine völkerrechtliche Bindung an die 20 Punkte wird es - vergleichbar mit den Ergebnissen von Rio de Janiero im Jahre 1992 (Agenda 21 & Co.) - erneut nicht geben. Ergo müssten diese 20 Punkte jeweils in nationales Recht gefasst werden. Spätestens hier wird so einer Erklärung die eigene Schwammigkeit aber zum Verhängnis, denn es ist fraglich, welcher Staat sich selbst die wirtschaftlich betrachtet vermeintlich stärksten Fußfesseln via Gesetz anlegen wird.
lol Wir wissen ja wohl alle, welcher Staat das sein wird.
Oliver Rauhut, 31.10.2010
3. Hm, mal sehen...
Nun, die Botschaft hör ich schon, allein mir fehlt der Glaube... Was bedeuten denn die einzelnen Punkte konkret? Mal sehen... ---Zitat--- 1. Die Menschen sind sich des Wertes der Lebensvielfalt bewusst und wissen, wie sie zu erhalten ist. ---Zitatende--- Das heisst, dass wir die Schul-Lehrpläne und auch Universitäts-Studiengänge massiv verändern müssen. Wir bräuchten also Naturwissenschaften noch zentraler in der Schulausbildung, mit einem mächtigen Einschlag volks- und betriebswirtschaftlicher Sichtweise, wie die Natur nachhaltig nutzbar ist. Das bedeutet gleichzeitig gewaltige neue Anstrengungen in der Forschung, und nicht nur in der angewandten Biotechnologie-usw.-Forschung (wie sich das viele Politiker sicher direkt wieder vorstellen werden...), sondern ganz besonders in der Grundlagenforschung - man kann nur erhalten, was bekannt ist, und das "Froschzählen" (wie der andere Spiegeltitel es nennt) ist nun mal die Grundlage für alles weitere. Wie sollen wir Biodiversität verstehen und schützen, wenn wir nicht mal wissen, woraus sie besteht? In den basalen Zusammenhängen der Biodiversität ist noch so viel zu tun, dass das allein eine gewaltige Forschungsaufgabe darstellt... Das alles wird viel Geld kosten und so problematische Bereiche betreffen, wie den Förderalismus in der Bildung und Wissenschaft. Ob selbst unsere eigene Regierung (geschweige denn jene von wirtschaftlich weniger potenten Staaten) dafür den nötigen Willen aufbringt? ---Zitat--- 2. Der Schutz von Natur und Lebensvielfalt ist in alle nationalen und lokalen Entwicklungspläne integriert. ---Zitatende--- Auch das erfordert viel politischen Willen! Zudem müssten diese Pläne häufig aufgrund neuer Erkenntnisse verändert werden. Wenn wir sehen, wie lange es gedauert hat, bis wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete politische Massnahmen in anderen Bereichen umgewandelt wurden (Klimawandel, etc.), so wird bis 2020 vermutlich der Zustan der wissenschaftlichen Forschung bis 1995 in diese Pläne einfließen...
merapi22 31.10.2010
4. Traeume, die Realitaet werden?
Zitat von sysop20 Ziele hat die Naturschutzkonferenz der Vereinten Nationen in Nagoya verabschiedet. Dabei handelt es sich um eine Beschreibung des erwünschten Zustandes der Welt im Jahr 2020. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,726242,00.html
Was ist mit Wirtschaftswachstum, der Saulus wird weltweit zum Paulus? Die Ökonomie, die Werbung drängt doch alle zu noch mehr Konsum, wird von jetzt an weniger ist mehr propagiert? Können die Menschen in den reichen Ländern, die daran gewöhnt sind alles zu besitzen und Energie zu verschwenden, wirklich bremsen, Fahrrad - statt PKW? Ja, hat man wirklich beschlossen, weltweit die Rüstungsausgaben zu halbieren, das würde die hunderten von Milliarden bringen, die für die Umsetzung der 20 Punkte nötig wären? Ja, in zwei Jahren wird das bedingungslose Grundeinkommen in Deutschland eingeführt, damit könnte man das schaffen, aber selbst da habe ich merapi22 der seit 20 Jahren als Aussteiger lebt und mit wirklich sehr wenig auskommt, echt starken Zweifel!
tuwat, 12.11.2010
5. Müssen wir uns gleich beseitigen ?.
Zitat von sysop20 Ziele hat die Naturschutzkonferenz der Vereinten Nationen in Nagoya verabschiedet. Dabei handelt es sich um eine Beschreibung des erwünschten Zustandes der Welt im Jahr 2020. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,726242,00.html
[QUOTE=sysop;6524243]20 Ziele hat die Naturschutzkonferenz der Vereinten Nationen in Nagoya verabschiedet. Dabei handelt es sich um eine Beschreibung des erwünschten Zustandes der Welt im Jahr 2020. Eine schöne neue Welt. Selbstverständlich würde ich den Forderungskatalog unterschreiben. Der hat allerdings einen gewissen Schönheitsfehler, weil die Verfasser mir den Punkt 9, wenn ich ihn klarer ausdrücken würde, um die Ohren schlagen würden. 9. Bestände invasiver Arten sind erfasst und werden kontrolliert oder beseitigt. Beläuft sich nicht der Bestand der invasivsten und und für die Natur gefährlichsten Art auf etwa 6,9 Miliarden Exemplare? http://de.wikipedia.org/wiki/Weltbevölkerung Wann immer jemand in verantwortlicher Position auch nur in seinem Lande die Geburtenrate durch aktives, zielgerichtetes Handeln vermindern wollte, gab es einen Aufschrei unter den Gutmenschen der westlichen Welt, die gleiche Sorte Menschen, die sich solche heren 20-Punkte-Pläne ausdenken. Eine Begrenzung der Bevölkerungsexplosion wäre der wirksamste Weg, das 20-Punkte-Programm wahr werden zu lassen. Einen solchen Weg ernsthaft zu verfolgen macht auch Sinn, da kein Land dieser Erde dadurch wirtschaftlich geschädigt oder benachteiligt werden würde, fast alle hätten einen spürbaren Nutzen davon. Der zu erwartende Widerstand käme überwiegend aus den Reihen der religiösen Wahnatiker.
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