Gewalt in Syrien: 2000 Syrer fliehen über türkische Grenze

Die Gewalt in Syrien hat eine neue Massenflucht über die türkische Grenze ausgelöst: Binnen 48 Stunden setzten sich 2000 Menschen ins Nachbarland ab. Zuvor hatten sich die Rebellen aus dem seit Tagen heftig umkämpften Haffa zurückgezogen - das Regime gab bekannt, es habe die Ortschaft "gesäubert".

Syrische Flüchtlinge nach dem Grenzübertritt in der Provinz Hatay: Neue Massenflucht Zur Großansicht
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Syrische Flüchtlinge nach dem Grenzübertritt in der Provinz Hatay: Neue Massenflucht

Damaskus - Die anhaltende Gewalt in Syrien hat offenbar eine neue Fluchtwelle ausgelöst. Ein Vertreter des türkischen Außenministeriums teilte am Mittwoch mit, in den vergangenen zwei Tagen hätten etwa 2000 Flüchtlinge aus dem Nachbarland die Grenze passiert.

Die neue Fluchtwelle könnte in Zusammenhang mit der Lage in der heftig umkämpften Ortschaft Haffa stehen. Syrische Rebellen haben sich nach eigenen Angaben aus dem seit mehr als einer Woche umkämpften Haffa zurückgezogen. Eine größere Gruppe von Zivilisten, darunter auch Verletzte, habe sich mit den Kämpfern in der Nacht aus dem Ort in der Provinz Latakia abgesetzt, sagten Vertreter der syrischen Opposition aus dem Gebiet der Nachrichtenagentur dpa.

Das syrische Staatsfernsehen berichtete am Mittag, Sicherheitskräfte hätten Haffa "von terroristischen Gruppen gesäubert" sowie "Ruhe und Sicherheit wiederhergestellt".

Haffa liegt knapp 50 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt im Hinterland der syrischen Hafenstadt Latakia. Uno-Beobachter sind nach eigenen Angaben daran gehindert worden, die Ortschaft zu besuchen. Sie seien von Unbekannten mit Steinen und Stangen angegriffen worden, teilten die Vereinten Nationen mit.

Das syrische Staatsfernsehen berichtete, Fahrzeuge der Uno-Beobachter hätten drei Zivilisten überfahren, die sie stoppen und erzählen wollten, wie sie von "bewaffneten Banden terrorisiert" würden. Menschenrechtsbeobachter befürchten unterdessen neue Massaker in Haffa.

Russland: Keine Hubschrauberverkäufe an Assad

Regierungstruppen hatten den etwa 30.000 Einwohner zählenden Ort seit dem vergangenen Dienstag heftig beschossen und eingekreist. Dabei waren nach Angaben der Opposition auch Hubschrauber, Panzer und Raketen eingesetzt worden. "Wir haben uns zu einem taktischen Rückzug entschlossen, um Opfer unter den Zivilisten zu vermeiden", sagte der syrische Rebellenführer Riad al-Asaad.

Russland hat Vorwürfe aus den USA strikt zurückgewiesen, Moskau verkaufe Kampfhubschrauber an das Regime in Syrien. Alle gelieferten Waffen könnten nur zur Verteidigung und nicht gegen friedliche Demonstranten eingesetzt werden, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Mittwoch in Teheran nach Angaben der Agentur Interfax. US-Außenministerin Hillary Clinton hatte die Vorwürfe am Dienstag erhoben.

Die Waffenverkäufe an Syrien verletzten kein internationales Recht, sagte Lawrow. Russland hat sich einem entsprechenden Boykott des Westens nicht angeschlossen. Im Gegenzug warf Lawrow den USA vor, Angriffswaffen an Regierungen in der Region zu verkaufen.

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius wiederholte am Nachmittag allerdings die Vorwürfe gegen Moskau. Er sprach von Hinweisen, dass Russland Waffen an das Assad-Regime liefere.

Aus Sicht eines ranghohen Vertreters der Uno haben die Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Opposition das Ausmaß eines Bürgerkriegs angenommen. Das Außenministerium in Damaskus widersprach am Mittwoch der Einschätzung des Chefs der Uno-Friedenstruppen, Herve Ladsous. Sie entspreche nicht der Realität, erklärte das Ministerium.

fab/dpa/Reuters

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