Bundeswehr-Helfer: 27 Afghanen beantragen Asyl in Deutschland

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Bundeswehrsoldaten in Afghanistan: Sorge um die einheimischen Helfer

Die Bundeswehr packt jeden Tag Kisten, der Abzug aus Afghanistan hat begonnen. Die Helfer der Soldaten, vom Dolmetscher bis zum Fahrer, bangen nun um ihr Leben. 27 von ihnen haben bereits um Ausreise nach Deutschland gebeten, bisher wurde nur ein Fall anerkannt.

Berlin - Die Bundesregierung hat in der Debatte über die mögliche Aufnahme von afghanischen Helfern der Bundeswehr und anderer am Hindukusch aktiver deutscher Stellen erstmals Zahlen über entsprechende Anträge der sogenannten Ortskräfte genannt.

Laut einer Auskunft des Innenstaatssekretärs Ole Schröder im Bundestag haben sich demnach 24 Ortskräfte der Bundeswehr und drei Helfer der deutschen Polizeiausbilder in Afghanistan gemeldet und wegen einer Gefährdung die Ausreise nach Deutschland beantragt. Bisher hatte die Regierung über die Zahlen stets geschwiegen. Erst auf mehrfache Nachfrage des Grünen-Angeordneten Volker Beck berichtete Schröder am Mittwoch schließlich über den Stand der Dinge.

Demnach seien 15 Einzelfälle bereits von einer Kommission der in Afghanistan engagierten Ministerien überprüft worden, dabei sei bisher nur einem Afghanen wegen einer akuten Gefährdung die Ausreise in Aussicht gestellt worden. Details über den Fall nannte Schröder nicht.

1700 lokale Mitarbeiter fürchten um ihr Leben

Im Bundestag regt sich wegen des deutschen Umgangs mit den Helfern der Bundeswehr und der Polizeiausbilder massive Kritik, da Berlin nach Ansicht vieler Parlamentarier zu restriktiv bei der Vergabe von Aufenthaltstiteln für die Afghanen umgeht.

Viele der rund 1700 lokalen Mitarbeiter deutscher Stellen fürchten nach dem Abzug der Nato-Truppen Ende 2014, dass sie als Helfer der Ausländer angegriffen oder gar getötet werden. Nachdem deutsche Medien in den letzten Wochen intensiv über das Thema berichtet hatten, entzündete sich in Berlin eine teils hitzig geführte Debatte über das Thema.

Die Bundeswehr betonte am Mittwoch erneut ihre besondere Verantwortung für die Mitarbeiter. Staatssekretär Christian Schmidt sagte im Bundestag, die Truppe prüfe die Anträge nach "pflichtgerechtem Ermessen und der Fürsorgepflicht" für die Dolmetscher, Fahrer und die anderen afghanischen Mitarbeiter der deutschen Soldaten und nehme die Frage der Sicherheit sehr ernst.

Die Prüfung der Einzelfälle wird derzeit in Afghanistan durch ein gemeinsames Gremium von Bundeswehr, dem Militärischen Abschirmdienstes (MAD), dem Auswärtigen Amt und dem Innenministerium durchgeführt. Basis ist ein Kriterienkatalog mit 14 Punkten, die eine Einstufung der möglichen Gefährdung ermöglichen soll.

Broschüren in der Landessprache

Im Verteidigungsausschuss des Bundestags kündigte das Innenministerium zudem an, die afghanischen Helfer in Zukunft besser informieren zu wollen. Eine Broschüre in den Landessprachen mit den wichtigsten Fragen und Ansprechpartnern für einen Ausreiseantrag sei bereits fertig und solle bald im Einsatzland verteilt werden, so Innenstaatssekretär Schröder.

Die Bundesregierung steht in der Frage in einem Interessenskonflikt. Auf der einen Seite erkennt man intern offen an, dass vor allem die Dolmetscher, die beispielsweise bei Kampfoperationen oder gar Missionen von Spezialkräften eingesetzt worden sind, grundsätzlich ein Ziel für Attacken der Taliban sind. Schon jetzt gab es ähnliche Racheaktionen gegen Mitarbeiter der britischen Armee.

Auf der anderen Seite jedoch will Berlin im bettelarmen Krisenland Afghanistan auch nicht das Signal aussenden, dass jeder Mitarbeiter inklusive Familie ohne Prüfung ein Visum für Deutschland erhalten kann. Als Argument wird dabei auch immer wieder angeführt, dass Afghanistan die gut ausgebildeten Kräfte für den weiteren Aufbau dringend benötige.

Aus Kabul kamen in den letzten Monaten ähnliche Töne. So verurteilte die afghanische Regierung Ende Januar in einer scharfen Verbalnote jegliche Asyl-Angebote für die afghanischen Helfer der Bundeswehr als "inakzeptabel". Deutschland wurde aufgefordert, seine Ideen für die Aufnahme "zu überdenken" und rasch eine Stellungnahme "zur Einstellung des Prozesses" abzugeben.

Kabul kritisiert nicht nur Berlin, sondern alle Nato-Nationen, die Asyl-Programme für ihre lokalen Mitarbeiter planen. Die Pläne, so Kabul, würden "die Moral des afghanischen Volkes" schwächen. In einer zweiten Note argumentierte die Regierung sogar, die Offerten würden "Angst, Unruhe und Bedenken" und eine "Demoralisierung der afghanischen Bevölkerung" schüren.

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Verantwortung
Held-der-Wahrheit 24.04.2013
Jeder Arbeitgeber trägt eine Verantwortung für seine Mitarbeiter. Wenn die einzelnen Bundeswehr-Angestellten wegen ihrer Arbeit gefährdet sind, dann müssen sie nach Deutschland dürfen. Nur hier kann für deren Sicherheit garantiert werden.
2.
csmart48 24.04.2013
Na los. Holt sie rein. Aber es will keiner dafür verantwortlich sein wenn einer von ihnen hier eine Bombe zündet. Aber im ernst ? Wie könnten diese Menschen hier uns nützlich sein ? Gar nicht. Aufgrund ihrer mangelhaften Bildung sind sie nicht vermittelbar und belasten nur zusätzlich die Sozialkassen.
3. Na klar
Apfelsaftkonzentrat 25.04.2013
Lebensgefährdete Helfer unserer Truppen werden abgelehnt, aber ne türkische großfamilie mit Hartz IV Garantie kriegt Asyl? Klar wir sind doch in Deutschland.
4.
jojoge 25.04.2013
Natürlich haben diese "Freiwilligen" Helfer aus reiner Nächsten- bzw. Deutschlandliebe für die Bundeswehr gearbeitet und nicht wegen der äußert überdurchschnittlichen Entlohnung. 12 Jahre sich eine Goldene Nase verdient und jetzt schnell ins gelobte Land wollen. Sehr gut.
5. Folgekosten
soli123 25.04.2013
Einem Zuzügling folgen 100 Familienmitglieder. Die hier lebenden Afghanen haben meist keine weitergehenden Interesen an ihrem Heimatland, als ihre Immobilien teuer an ausländische Organisationen zu vermieten. Es wäre wünschenswert, wenn die neuen Gäste mindestens für ihren Lebensunterhalt selbst sorgen würden. Aber das sind wohl fromme Wünsche
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Fläche: 652.225 km²

Bevölkerung: 31,412 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staatsoberhaupt:
Ashraf Ghani Ahmadsai

Regierungschef: Abdullah Abdullah

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