Dramatische Zahlen 50.000 Flüchtlinge erreichen Griechenland - allein im Juli

Griechenland haben im Juli so viele Flüchtlinge wie im ganzen Jahr 2014 erreicht. Die Hilfsorganisationen in dem Krisenland sind überfordert. Laut Uno-Flüchtlingshilfswerk ist die Lage dramatisch - und beschämend für Europa.

Junger Flüchtling bei Essensausgabe in Athen
AP/dpa

Junger Flüchtling bei Essensausgabe in Athen


Die Zahl der in Griechenland angekommenen Flüchtlinge hat im Juli einen neuen Rekordstand erreicht. Wie die EU-Grenzschutzagentur Frontex in Warschau mitteilte, kamen allein in diesem Monat knapp 50.000 Menschen in Griechenland an - so viele wie im gesamten Vorjahr.

Auf dem Weg über das Mittelmeer riskieren viele Flüchtlinge ihr Leben. Erst am Mittwoch war ein völlig überfülltes Holzboot auf dem Weg nach Italien rund 25 Kilometer vor der libyschen Küste gekentert - mit etwa 600 Menschen an Bord. Mehr als 200 Menschen werden noch vermisst.

Viele Flüchtlinge wählen jedoch einen anderen Weg: durch die Ägäis nach Griechenland. Auf kleinen Booten steuern sie laut Frontex über die Türkei die griechischen Inseln Lesbos, Chios, Kos und Samos an. Frontex appellierte an die EU-Staaten, die Grenzschutzmission insgesamt mit mehr Schiffen und Personal zu unterstützen.

In Griechenland ist die Lage laut Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR dramatisch. Die Behörden und die Hilfsorganisationen seien überfordert. Der für Europa zuständige UNHCR-Direktor sagte, die Lage sei beschämend für die Europäische Union.

Die Registrierung der Flüchtlinge ist angesichts der hohen Zahl der Ankömmlinge und der zum Teil chaotischen Bedingungen vor Ort laut Frontex äußerst schwierig. Ministerpräsident Alexis Tsipras forderte im Staatsfernsehen die Europäische Union zum Handeln auf.

Eine Sprecherin der EU-Kommission sagte, Griechenland habe bereits jetzt die Zusicherung, bis 2020 rund 260 Millionen Euro aus dem sogenannten Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) zu erhalten. Für die Auszahlung der ersten Tranche müsse das Land aber noch einige der vereinbarten Bedingungen erfüllen. Weitere 166 Millionen Euro für Griechenland sind nach Angaben aus Brüssel für den Fonds für die innere Sicherheit (ISF) eingeplant. Die ISF-Gelder sind dafür vorgesehen, den Grenzschutz der Mitgliedstaaten zu stärken.

apr/dpa/AP

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