Küste vor Libyen Mehr als 6000 Bootsflüchtlinge gerettet

Drama auf dem Mittelmeer: Dutzende Boote und Tausende Menschen waren in Seenot. Staatliche Retter und Hilfsorganisationen brachten sie in Sicherheit. Doch für einige kam jede Hilfe zu spät.

AFP

Insgesamt 6055 Flüchtlinge sind an nur einem Tag auf dem Mittelmeer aus Seenot gerettet worden. Dies sei eine der höchsten Zahlen für einen einzigen Tag in diesem Jahr, teilte die italienische Küstenwache mit. Insgesamt hätten die Retter vor der libyschen Küste rund 40 Schlauchbooten und kleineren Fischerbooten zu Hilfe kommen müssen.

Von Libyen aus haben sich nach Angaben der EU-Grenzschutzbehörde Frontex in diesem Jahr allein bis Ende August bereits 116.000 Flüchtlinge auf den Weg Richtung Italien gemacht. Viele von ihnen mussten gerettet werden, weil sie von Schlepperbanden in kaum seetüchtigen Booten auf die Reise geschickt worden waren.

Hilfskräfte bergen neun Leichen

Immer fordern die Überfahrten Todesopfer. Erst Ende September waren beim Untergang eines Bootes vor der libyschen Küste mehr als 160 Menschen gestorben. Auch am Montag wurden nach Angaben der Küstenwache neun Leichen aus dem Meer geborgen, darunter eine 23-jährige Schwangere. Zwei Flüchtlinge wurden mit Rettungshubschraubern auf die Insel Lampedusa geflogen.

Die Internationale Organisation für Migration gibt die Zahl der Ertrunkenen im laufenden Jahr mit weit mehr als 3000 an. Rund 300.000 Migranten hätten in diesem Zeitraum in Booten die europäische Küste erreicht. An dem Einsatz am Montag waren drei Schiffe der Küstenwache, zwei der italienischen Marine, je eines der EU-Mission Eunavfor Med und der Grenzschutzagentur Frontex sowie Schiffe anderer Hilfsorganisationen beteiligt.

Seit zwischen der EU und der Türkei ein Flüchtlingsabkommen gilt, ist der Weg über Nordafrika für Flüchtlinge wieder bedeutender. Dem Abkommen zufolge können alle illegal in Griechenland eingereisten Schutzsuchenden in die Türkei abgeschoben werden. Die Gesamtzahl auf der zentralen Mittelmeerroute hat sich im Vergleich zu 2015 kaum geändert, während immer weniger Menschen über den Balkan kommen.

apr/AFP/AP/dpa

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