9/11-Ausschuss Regierungsdokument soll Rice widerlegen

Hatte das Weiße Haus vor dem 11. September 2001 doch schon konkrete Warnungen vor einem Anschlag der Qaida in den USA? Am Donnerstag hatte Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice das noch entschieden abgestritten - unter Eid. Doch ein Regierungsdokument aus dem August 2001 lässt nun Zweifel aufkommen.


Rice vor dem Untersuchungsausschuss
AP

Rice vor dem Untersuchungsausschuss

Washington - Die Kommission zur Untersuchung der Anschläge des 11. September fordert jetzt Einsicht in das Dokument. Das Weiße Haus erklärte gestern, man werde das Papier voraussichtlich Anfang der kommenden Woche herausgeben. Das am 6. August 2001 für US-Präsident George W. Bush erstellte Dokument trägt den Titel "Bin Laden zu Anschlag in den Vereinigten Staaten entschlossen".

Rice hatte bei ihrer Anhörung vor der Kommission am Donnerstag ausgesagt, die vor den Anschlägen auf das World Trade Center bekannt gewordenen Warnungen hätten sich überwiegend auf US-Einrichtungen im Ausland bezogen. Zu dem Papier vom 6. August 2001 erklärte sie, es habe sich um eine Zusammenstellung bereits bekannter Anschlagspläne des Terrornetzwerks al-Qaida gehandelt. Neue Informationen über eine akute Bedrohung seien darin nicht enthalten gewesen.

Mehrere Personen, die mit dem Dokument vertraut sind, widersprachen gegenüber der Nachrichtenagentur AP Rices Aussagen. In dem Papier würden Informationen vom Mai 2001 zitiert, wonach die Qaida einen Sprengstoffanschlag in den USA plante, erklärten die Quellen.

Auszüge des Dokuments waren bereits im Herbst 2002 von einem Untersuchungsausschuss des US-Kongresses bekannt gemacht worden. Demnach wurde in dem Papier gewarnt, dass Qaida-Chef Osama Bin Laden Flugzeuge entführen wolle, um in den USA inhaftierte Islamisten freizupressen. Der Kongress-Ausschuss hatte damals festgestellt, dass verschiedene Geheimdienste insgesamt zwölf Mal auf die Gefahr hinwiesen, dass Terroristen bei Anschlägen Flugzeuge als Waffen benutzen wollten.

Rice konnte Amerikaner nicht überzeugen

Der Auftritt von Rice konnte auch die öffentliche Meinung in den USA kaum beeinflussen. Das geht aus einer gestern veröffentlichten Umfrage hervor, die der Sender CBS unmittelbar nach der im Fernsehen übertragenen Anhörung am Donnerstagabend durchführte.

66 Prozent der Befragten zeigten sich überzeugt, dass die US-Regierung mit Blick auf die vor den Anschlägen eingeschlagene Sicherheitspolitik etwas zu verbergen habe. Dieses Ergebnis entsprach dem einer in der vergangenen Woche durchgeführten Erhebung. Allerdings hatten auch nur 56 Prozent der 471 Befragten die Anhörung verfolgt.



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