Wahl in Schweden 2018 Ergebnisse im Überblick


Die wichtigsten Parteien
Sozialdemokratische Arbeiterpartei (S)
Keine politische Bewegung hat Schweden so geprägt wie die Sveriges socialdemokratiska arbetareparti. Sie stand traditionell für den umfassenden schwedischen Wohlfahrtsstaat mit hohen Steuern und Sozialabgaben. Zurzeit regiert sie zusammen mit den Grünen in einer Minderheitsregierung und stellt den Premierminister: Stefan Löfven. Dieser verschärfte Ende 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise radikal die schwedische Einwanderungspolitik und führte unter anderem Grenzkontrollen ein. Den meisten Umfragen zufolge könnte die Arbeiterpartei mit gut 25 Prozent wieder stärkste Kraft werden. Sie wird aber gegenüber 2014 Stimmen verlieren. Ob es noch mal für die Macht reicht, ist ungewiss.
Ergebnis 2014: 31,0 Prozent, 112 Sitze
Grüne (MP)
Ihr Gründungsziel, die Abschaltung aller schwedischen Kernkraftwerke, hat die „Miljöpartiet de gröna“ (Umweltpartei die Grünen) noch immer nicht erreicht. Seit 2014 ist sie aber Juniorpartner in der Minderheitsregierung mit den Sozialdemokraten, und ihre Sprecherin Isabella Lövin ist Vizepremierministerin. Obwohl den Grünen der Rechtsschwenk von Regierungschefs Löfven in der Flüchtlingspolitik missfallen hat, haben sie diesen nicht verhindert. Viele Wähler nehmen ihnen das übel. Ob die Grünen überhaupt noch einmal ins Parlament einziehen dürfen, ist nicht ganz sicher. Im Sommer lagen sie in einigen Umfragen unter der Vierprozent-Hürde. Zuletzt ging es aber wieder etwas aufwärts für sie.
Ergebnis 2014: 6,9 Prozent, 25 Sitze
Linkspartei (V)
Die „Vänsterpartiet“ unter ihrem Chef Jonas Sjöstedt war schon in den vergangenen Jahren ein wichtiger Partner für Premier Löfven. Auch wenn sie nicht der Regierung angehörte, trug sie viele Gesetzespläne mit. Vom Kommunismus hat sie sich längst distanziert. Die EU-skeptische Partei kämpfte in den letzten Jahren gegen Privatisierungen und Sozialabbau und hat enttäuschte Anhänger von Sozialdemokraten und Grünen angezogen. Mit rund 10 Prozent könnte sie bei dieser Wahl viertstärkste politische Kraft werden - und zum wichtigsten Verbündeten für Löfven werden. Vor allem dann, wenn die Grünen aus dem Parlament fliegen sollten.
Ergebnis 2014: 5,7 Prozent; 21 Sitze
Moderate Sammlungspartei (M)
Die konservative Mitte-rechts-Partei war in den vergangenen Jahren der große Gegenspieler der Sozialdemokraten. Zuletzt war sie von 2006 bis 2014 an der Macht. Damals setzte Premierminister Frederik Reinfeldt unter anderem umfassende Steuersenkungen und Privatisierungen von Staatsbetrieben durch. Der Wirtschaft gab das neue Impulse, zugleich aber wuchs die Ungleichheit in dieser Zeit stark an, am Ende wählten die Schweden Reinfeldt ab. Diesmal sind die EU-freundlichen Moderaten in den meisten Umfragen nur dritte Kraft mit etwa 17 bis 20 Prozent. Trotzdem könnte es ihrem Parteichef Ulf Kristersson gelingen, Premier Löfven zu stürzen. Vorausgesetzt, er verbündet sich dazu mit den rechten Schwedendemokraten.
Ergebnis 2014: 23,3 Prozent, 84 Sitze
Zentrumspartei (C)
Einst erkannte man die Vertreter der Centerpartiet an der Erde unter den Fingernägeln. Als Bauernpartei wurde sie gegründet; bis heute hat sie ihre Hochburgen in ländlichen Regionen. Traditionell steht die Zentrumspartei für eine freiheitliche Marktwirtschaft, sie setzt sich aber auch für Umweltschutz ein. Von 2006 bis 2014 gehörte sie der Mitte-rechts-Allianz an, die Schweden regierte. Unter ihrer erst 35-jährigen Chefin Annie Lööf schert sie aber immer mal aus dem bürgerlichen Block aus – gerade in der Flüchtlingspolitik, wo sie für ein Bleiberecht minderjähriger Asylbewerber stimmte. Lööf, zurzeit eine der beliebtesten Politikerinnen Schwedens, hat sich mit harten Attacken auf die Rechtspopulisten profiliert und jede Art der Zusammenarbeit mit den Schwedendemokraten ausgeschlossen. Sie könnte das größte Hindernis für die anderen Mitte-rechts-Parteien werden, wenn diese versuchen sollten, zusammen mit der SD Premierminister Löfven zu stürzen.
Ergebnis 2014: 6,1 Prozent; 22 Sitze
Liberale (L)
Eher wirtschafts- als linksliberal sind die Liberalerna. Sie treten für ein freiheitliches, markwirtschaftlich orientiertes Wirtschaftssystem ein, befürworten Steuersenkungen und sind gegen das Abschalten der schwedischen Atomkraftwerke. Ihre Hauptanhängerschaft sind vor allem Unternehmer und Freiberufler; ihre Hochburgen hat die Partei in und um großen Städten wie Stockhokm. Unter ihrem Parteichef Jan Björklund waren die Liberalen von 2006 bis 2014 ein Juniorpartner in der Mitte-rechts-Koalition. Seit dem letzten größeren Wahlerfolg von 2002, als sie 13,4 Prozent holten, ist ihr Stimmenanteil stetig zurückgegangen. In den neuen Reichstag sollten sie es gerade noch schaffen: laut Umfragen liegen sie zurzeit zwischen 5 und 6 Prozent.
Ergebnis 2014: 5,4 Prozent; 19 Sitze
Christdemokraten (KD)
Nomen est omen: Die Kristdemokraterna sind die religiöseste politische Bewegung im sakulären Schweden. Gegründet wurde die Partei in den Sechzigerjahren: im Protest gegen die Streichung des christlichen Religionsunterrichts aus Lehrplänen von Schulen. Seit 1991 sind sie immer im Reichstag vertreten. Heute setzen sich die Christdemokraten unter ihrer 31-jährigen Parteichefin Ebba Busch Thor für ein strengeres Abtreibungsrecht, Familien und ältere Menschen ein. Sie sind enge Verbündete der Moderaten in der Mitte-rechts-Allianz. Im Sommer lagen die Christdemokraten in manchen Umfragen unter der Vierprozenthürde. Weil sie aber oft Leihstimmen von Moderaten-Wählern bekommen, ähnlich wie die FDP von Unions-Anhängern, haben sie gute Chancen, wieder ins Parlament einziehen.
Ergebnis 2014: 4,5 Prozent; 16 Sitze
Schwedendemokraten (SD)
Ihre Wurzeln hat die rechtspopulistische Partei in der Neonazi- und rechtsextremen Szene. Spätestens seit der heute 39-jährige Jimmie Åkesson 2005 die Führung übernahm, versucht sie, sich von Rechtsaußen zu distanzieren und bürgerlich zu geben. Zugleich macht sie weiterhin Stimmung gegen Migranten. Bei manchen Wählern kommt das an. 2010 schaffte die SD erstmals den Einzug ins Parlament, 2014 wurde sie schon drittstärkste Kraft. Am Sonntag könnte sie erneut der große Wahlgewinner werden. In den meisten Umfragen des Sommers lagen sie auf Platz zwei hinter den Sozialdemokraten; einige sahen sie sogar ganz vorne. Was nach dem Wahltag geschieht, ist offen. Alle anderen im Parlament vertretenen Parteien haben angekündigt, nicht mit ihr in eine Koalition zu gehen. Aber das heißt nicht unbedingt, dass sie sich nicht von ihr an die Macht hieven lassen. Und da vermutlich weder der Mitte-links-Block noch die Mitte-rechts-Allianz auf eine Mehrheit kommt, könnte die SD das Zünglein an der Waage werden.
Ergebnis 2014: 12,9 Prozent; 49 Sitze


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