Demokraten-Duell Obama siegt in Mississippi - Clinton fällt zurück

Sieg für Barack Obama: Der Senator aus Illinois hat die Vorwahlen in seiner Hochburg Mississippi für sich entschieden. Sein Vorsprung auf Rivalin Hillary Clinton im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten wird größer - aber entschieden ist es noch lange nicht.


Jackson - Er musste siegen - und er tat es: Favorit Barack Obama hat die Vorwahlen der Demokraten im Südstaat Mississippi gewonnen. Seine Rivalin Hillary Clinton musste sich wie erwartet deutlich geschlagen geben.

Nach Auszählung von 99 Prozent der Wahlkreise kam Obama dem Fernsehsender CNN zufolge auf 61 Prozent, Clinton schaffte 37 Prozent. Weil in Mississippi viele Afroamerikaner leben, waren beide Wahlkampfteams und alle Wahlforscher von einem deutlichen Sieg für den Senator aus Illinois ausgegangen. Ersten Befragungen zufolge gewann Obama rund 90 Prozent der Stimmen von schwarzen Wählern und lag auch unter den Jüngeren deutlich vorn. Clinton konnte sich wie schon in der Vergangenheit bei älteren Wählern durchsetzen.

Wahlkämpfer Obama: Jubel in Mississippi
AP

Wahlkämpfer Obama: Jubel in Mississippi

"Was wir versucht haben, war stetig klarzumachen, dass wir in jedem Staat die Notwendigkeit für den Wechsel in diesem Land sehen - und offensichtlich sind die Menschen in Mississippi darauf eingegangen", sagte Obama in einer ersten Reaktion gegenüber CNN. Verliererin Clinton äußerte sich zunächst nicht. Ihre Wahlkampfchefin Maggie Williams veröffentlichte allerdings eine Erklärung, in der Clinton ihren Wählern in Mississippi dankte. "Nun schauen wir voraus nach Pennsylvania und in den Rest des Landes, wo der Wahlkampf weitergeht", hieß es aus dem Clinton-Lager.

Die New Yorker Senatorin war zuvor bei mehreren Vorwahlen im Süden der USA weitgehend erfolglos geblieben. Clinton hofft nun auf die nächste Vorwahl in Pennsylvania, die aber erst am 22. April stattfindet. Bei der Vorwahl in Mississippi ging es nur um 33 Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag im August - weitaus größer ist das Kontingent in Pennsylvania: 158 Delegierte sind dort zu gewinnen.

Bisher hat Obama je nach Schätzung bis zu rund hundert Delegierte mehr auf seiner Seite als Clinton. Nach neuen Berechnungen von CNN hat der Senator nun auch die Mehrheit der Delegierten aus Texas hinter sich: Zwar hatte Clinton vergangene Woche die Vorwahl in dem Südstaat mit 51 zu 47 Prozent gewonnen, was ihr 65 und Obama 61 Delegierte beschert. Doch den zeitgleich stattfindenden Caucus in Texas gewann CNN-Prognosen zufolge Obama: Demnach gewann er hier 38 Delegierte, Clinton nur 29. Damit käme Obama zurzeit auf 99 Delegierte aus Texas gegenüber 94 für seine Rivalin.

Für die Präsidentschaftsnominierung sind bei den Demokraten mindestens 2025 Stimmen erforderlich - davon sind beide noch weit entfernt. Laut Berechnungen von CNN kommt Obama zurzeit auf 1608 Delegierte, Clinton auf 1478.

Clinton hatte sich in der vergangenen Woche mit ihren Wahlsiegen in Ohio und Rhode Island sowie ihrem guten Abschneiden in Texas erholen können. Zuvor war sie elfmal in Folge geschlagen worden. Bereits am Samstag gewann Obama die Wahl in Wyoming.

Obama hatte sich zum Abschluss seines Wahlkampfs in Mississippi auf Veranstaltungen in Columbus und Jackson feiern lassen. Er habe mehr Delegierte, Staaten und Wählerstimmen als Clinton gewonnen, sagte Obama in Jackson. Deshalb komme die von Clinton ins Gespräch gebrachte Kandidatur für das Amt des Vizepräsidenten für ihn nicht in Frage.

Gegenüber CNN sagte der Senator auf die Frage, ob er sich Clinton als seine Vizepräsidentin vorstellen könne, dass eine solche Entscheidung verfrüht sei. Erst wenn er die Nominierung gewonnen habe, werde er seine Wahl treffen. Die Senatorin aus New York sei aber eine "fähige Person, die jeder auf der Liste hätte".

Einmal mehr wies Obama Angriffe aus dem Clinton-Lager zurück - und sprach sich für einen fairen Umgang miteinander aus. "Wir sind sehr gemäßigt im Ton gewesen, wenn wir über Senator Clinton sprechen", sagte er. "Ich bin nicht sicher, dass wir den gleichen Ansatz aus dem Clinton-Lager sehen." Seine Rivalin und ihre Unterstützer hatten Obama zuletzt immer wieder scharf angegriffen. Die jüngste Attacke stammt von Geraldine Ferraro, einer Clinton-Beraterin: Ferraro hatte in einem Interview mit der kalifornischen Zeitung "Daily Breeze" gesagt, Obama sei nur wegen seiner Hautfarbe so erfolgreich im Wahlkampf.

In der Debatte um die Wiederholung der Abstimmungen in Michigan und Florida sprach sich Obama für Neuwahlen in den beiden Staaten aus. Es müsse sichergestellt werden, dass die mehr als 300 Delegierten auf dem Nominierungsparteitag abstimmen können, sagte der Senator aus Illinois. Er werde in dieser Frage allem folgen, was die Parteiführung entscheide. Nachgezogene Vorwahlen in den beiden Staaten könnten angesichts des Kopf-an-Kopf-Rennens entscheidend sein.

Florida und Michigan hatten ihre Abstimmungen gegen den Willen der Partei auf Januar vorgezogen. Als Strafe hatte der Parteivorstand entschieden, die Delegierten auf dem Nominierungskongress Ende August in Denver nicht mit stimmen zu lassen. Clinton und Obama hatten in Absprache auf Wahlkampfauftritte in den Staaten verzichtet, und der Name des schwarzen Senators tauchte in Michigan nicht auf den Wahlzetteln auf. Dennoch gingen viele Wähler zu den Urnen und bescherten Clinton in beiden Staaten einen Sieg.

In der Republikanischen Partei steht John McCain schon als Kandidat fest - er hat genug Delegierte hinter sich. Der Senator aus Arizona entschied die Vorwahlen in Mississippi gegen die verbliebenen Konkurrenten klar für sich.

flo/ffr/AP/dpa/Reuters/AFP

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