Uno-Studie Deutschland braucht
500.000 Zuwanderer pro Jahr

Eine neue Bevölkerungsstudie der Vereinten Nationen warnt, dass Europa ohne bedeutende Zuwanderung nicht zukunftsfähig sei.


New York - Die Uno-Studie, die im März veröffentlicht werden soll, kommt zu dem Ergebnis, dass Italien 300.000 Zuwanderer jedes Jahr bis 2025 benötigt, um die Zahl der Erwerbstätigen von 1995 zu halten. Deutschland müsste sogar 500.000 pro Jahr aufnehmen, um dieses Ziel zu erreichen.

Schuld an dem dramatischen Bevölkerungsschwund Europas sind niedrige Geburtsraten. Laut Uno-Statistiken wird die italienische Bevölkerung von derzeit 57 Millionen auf 41 Millionen im Jahr 2050 sinken. Deutschland würde sich im gleichen Zeitraum ohne Einwanderung um 9 Millionen Menschen leeren, von derzeit 82 Millionen auf 73 Millionen.

Joseph Chamie, Direktor der Uno-Bevölkerungsabteilung, erwartet, dass der Bericht eine heiße Debatte in Europa auslösen wird. Politiker und Wähler seien im Allgemeinen gegen Einwanderung. "Es ist eine Herausforderung", sagt er, "aber sie müssen jetzt beginnen. Je länger sie warten, desto ernster wird das Problem."

Chamie betont jedoch, dass die Studie keine Empfehlungen ausspreche, die Einwanderung anzukurbeln. Sie weise lediglich auf die Konsequenzen hin, die bei etwa gleich bleibenden Geburts- und Sterberaten vorherzusehen seien. "Wir sagen ihnen, wenn sie keine Einwanderer haben, dann machen sie sich für eine geringere und ältere Bevölkerung bereit."

Die Studie mit dem Titel "Replacement Migration: A solution to declining and aging populations?" untersucht die Bevölkerungssituation in acht Ländern: Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Russland, Südkorea, Großbritannien und den USA. Unter anderem wird das Verhältnis von Erwerbstätigen und Rentnern untersucht. Im Moment kommen in Europa auf jeden Rentner über 65 fünf Erwerbstätige. Im Jahr 2050 werden es nur noch zwei Erwerbstätige sein.

"Stellen sie sich vor, sie schauen sich um in ihrer Welt, und jeder Zweite ist über 65", sagt Chamie. "Das hat große Auswirkungen auf die Gesellschaft".



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