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Risikofaktor Spritversorgung: US-Armee testet Solarstrom und Biotreibstoff

Von und

Treibstofftransporte in Krisengebiete sind teuer und gefährlich: In Pakistan brennen Nato-Tanklaster, die Grenze nach Afghanistan dürfen die Transporter nicht passieren. Die US-Armee arbeitet laut "New York Times" jetzt mit Hochdruck an Alternativen - eine Öko-Revolution aus der Not heraus.

Pakistan: Attacke auf Nachschubkonvoi Fotos
AP

Hamburg - Die Grenzregion zwischen Pakistan und Afghanistan ist für Nato-Tanklaster derzeit gefährlicher als je zuvor: Seit vergangenem Donnerstag haben Aufständische fünf Anschläge auf die Sprit-Transporter verübt, fast 60 Lkw gingen in Flammen auf, sechs Menschen kamen dabei ums Leben.



Als Reaktion auf einen Angriff eines Nato-Hubschraubers auf pakistanischem Staatsgebiet hatten die Behörden in Islamabad verfügt, dass der Grenzübergang Torkham geschlossen wird.Die wichtigste Nachschubroute der Nato-Truppen nach Afghanistan ist damit gekappt, nach Informationen von SPIEGEL ONLINE stauen sich an der Grenze inzwischen mehr als 200 Tanklaster und Containertransporter mit Gütern, die für die internationale Schutztruppe gedacht sind.



Die US-Armee sucht einem Bericht der "New York Times" zufolge nun ihr Heil in alternativen Energien. Seit einigen Jahren werkeln die Experten demnach daran, die Truppen in Krisengebieten unabhängig zu machen von fossilen Brennstoffen - vor allem aus zwei Gründen: zu hohe Kosten, zu großes Risiko. "Es gab in Pakistan eine Reihe von kleineren Versorgungsrouten, die uns aber verdammt viel kosten, außerdem sind sie sehr gefährlich", zitiert die Zeitung General James Conway, Chef der Marine-Infanterie. Für eine Gallone Treibstoff (umgerechnet gut 3,7 Liter) zahlt das Militär demnach einen Dollar, für den Transport dieser Gallone zu abgelegenen Außenposten weitere 400 Dollar.



Laut dem Bericht arbeiten die Amerikaner nun "mit Nachdruck" daran, Alternativen zu präsentieren. Projekte aus dem Bereich erneuerbare Energien werden seit 2006 entwickelt, getestet und geliefert. Einige Beispiele:



  • In der vorigen Woche brachte eine kalifornische Einheit Material in die Provinz Helmand, eine Hochburg der radikalislamischen Taliban. Die Ausrüstung umfasste faltbare Solarmodule, Energiesparlampen, Sonnenschutzzelte, die gleichzeitig Energie liefern, und solarbetriebene Ladegeräte für Computer und Kommunikationsanlagen. Es ist nach Angaben der Zeitung das erste Mal, dass derartige Technologie in ein Kriegsgebiet gebracht wird.
  • 2009 stellte die US-Marine ihr erstes Hybridfahrzeug vor, die "USS Makin Island", einen Hubschrauberträger. Fährt das Schiff weniger als zehn Knoten schnell, nutzt es für den Antrieb den Elektromotor; bei höherer Geschwindigkeit kommen herkömmliche Gasturbinen zum Einsatz. Auf ihrer Jungfernfahrt hat die "USS Makin Island" nach offiziellen Angaben im Vergleich zu herkömmlichen Schiffen derselben Größe 900.000 Gallonen Sprit eingespart.
  • Die US-Luftwaffe plant, bis 2011 sämtliche Flugzeuge auf Biosprit umzurüsten. Erste Testflüge wurden bereits absolviert. Die Marine hat ihrerseits Treibstoff eingesetzt, der aus Algen gewonnen wird. Bio-Treibstoff könnte demnach überall dort produziert werden, wo die nötigen pflanzlichen Bestandteile vorhanden sind, also theoretisch auch direkt in Kriegsgebieten.



Sollten diese Versuche sich als massentauglich erweisen, könnte die US-Armee damit ein großes Problem lösen. Wie abhängig der Einsatz der Truppen von der Versorgung mit Treibstoff ist, zeigte sich schon 2006 im Irak. Der US-Kommandeur Richard Zilmer hatte damals nach Washington gekabelt, der Einsatz erneuerbarer Energien könne in Kriegsgebieten Leben retten. Daran hat sich auch in anderen Einsatzgebieten nicht viel geändert. Einer Armeestudie zufolge kommt bei jedem 24. Treibstofftransport ein Soldat oder ein Zivilist ums Leben. Im vorigen Vierteljahr wurden demnach sechs Marineinfanteristen verletzt, die solche Transporte bewachen sollten.



"Treibstoff ist unser wichtigstes Importgut in Afghanistan", sagte Marineminister Ray Mabus der "New York Times". Er hat das Ziel ausgegeben, bis 2020 die Hälfte des Energiebedarfs von Marine und Marineinfanterie aus erneuerbaren Energiequellen zu beziehen. "Die Überwachung von Treibstofftransporten hält unsere Soldaten davon ab, das zu tun, wofür sie eigentlich dort sind."



Aus der Not heraus hat die US-Armee so eine kleine Öko-Revolution in Gang gesetzt. Denn während im US-Kongress erbittert um Energie- und Umweltfragen gestritten wird, kann die Militärführung einfach beschließen, erneuerbare Energien zu fördern. "Der Armee steht genug Geld zur Verfügung, um neue Produkte und Märkte zu erschließen", schreibt die Zeitung. Und davon könnten nach Ansicht von Experten am Ende auch Durchschnittsverbraucher profitieren.



ffr/kaz

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Pakistan: Angriff auf Nato-Tanklaster
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Fakten über Pakistan
Staatsgründung
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Pakistan entstand 1947 aus den überwiegend muslimischen Teilen von Britisch-Indien. Zunächst bestand es aus den beiden Landesteilen West- und Ostpakistan, zwischen denen mehr als 1500 Kilometer Entfernung lagen. Beiden Teilen mangelte es jedoch an einer gemeinsamen nationalen Identität. Nach einem Krieg, bei dem Indien dem Osten half, entstand 1971 als neuer Staat Bangladesch .
Kaschmir-Konflikt
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Seit der Staatsgründung führte Pakistan zwei große Kriege mit dem Nachbarn Indien um die Grenzregion Kaschmir , 1947/48 und 1965. Der Fürstenstaat Kaschmir hatte sich zunächst zu Indien zugehörig erklärt. Der islamische Staat Pakistan beanspruchte das überwiegend von Muslimen bewohnte Kaschmir jedoch für sich und gewann die Herrschaft über den westlichen und nördlichen Teil der Region. Doch auch Indien betrachtete Kaschmir als sein Territorium. Die von der Uno 1948 vorgeschlagene und vom indischen Premierminister versprochene Volksabstimmung, in der die kaschmirische Bevölkerung selbst über ihre Zukunft entscheiden sollte, wurde nie durchgeführt.

Seit den achtziger Jahren kämpfen im indischen Teil Kaschmirs muslimische Rebellen für die Unabhängigkeit der Region oder einen Anschluss an Pakistan. 1999 kam es wieder zu größeren militärischen Auseinandersetzungen mit mehreren hundert Toten, und 2001 standen die Atommächte Indien und Pakistan erneut am Rande eines Krieges. 2004 wurde ein Friedensprozess zwischen Neu-Delhi und Islamabad eingeleitet.

Der pakistanische Geheimdienst ISI steht im Verdacht, Kontakte zu islamistischen Terroristen zu pflegen. Indien wirft Pakistan die Unterstützung muslimischer Terroristen vor. Auch hinter der Anschlagserie in Mumbai 2008 vermutet Neu-Delhi islamistische Terroristen aus Pakistan.

Islam
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Mit der Verfassung von 1956 wurde Pakistan die erste islamische Republik der Welt. Der Islam ist Staatsreligion, gleichzeitig garantiert die Verfassung jedoch Religionsfreiheit. 96 Prozent der Pakistaner sind Muslime, der Präsident muss ebenfalls Muslim sein. Seit der Staatsgründung haben Spannungen zwischen verschiedenen Gruppen über die Rolle des Islam im Staatsverständnis die Innenpolitik beherrscht.

Immer wieder gab es auch islamistische Tendenzen. So führte Diktator Zia ul-Haq die Scharia , die islamische Rechtsprechung, ein. 1997 erkannte Pakistan als erster Staat das extremistische Taliban -Regime in Afghanistan an und unterstützte es bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001 . Während die Zentralregierung in Islamabad zu einem der wichtigsten Verbündeten der USA im Anti-Terror-Krieg avancierte, erstarkte die islamistische Opposition im Land.

Macht der Taliban
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In den Stammesgebieten in der nordwestlichen Provinz an der Grenze zu Afghanistan hat die pakistanische Zentralregierung nur begrenzten Einfluss. Dort herrschen islamistische Extremisten und pakistanische Taliban , die sich teilweise auf die Hilfe der regionalen Stammesführer stützen. Die Enttäuschung über die korrupte staatliche Justiz und Verwaltung erhöhte die Attraktivität des Islamismus in der Bevölkerung.

Verstärkung erhielten die radikalen Islamisten von afghanischen Taliban aus den Reihen von Mullah Omar sowie Qaida -Kämpfern, die aus Afghanistan geflohen sind. Militante betreiben hier in Waziristan auch Ausbildungslager für international operierende Dschihadisten.

Kampf gegen die Extremisten
dpa
Die pakistanische Armee führte ab 2003 wiederholt Militäraktionen im Nordwesten gegen die Taliban - und Quaida -Terroristen durch. Als Reaktion verübten Terroristen verheerende Anschläge in pakistanischen Städten.

Die Amerikaner versuchen, die islamistischen Extremisten in ihren pakistanischen Verstecken mit ferngesteuerten Präzisionsraketen zu treffen. Doch diese Drohnen -Angriffe sind bei der Bevölkerung äußerst unpopulär und treiben die Menschen in die Arme der militanten Islamisten.

Das pakistanische Militär scheute zunächst die ernsthafte Konfrontation mit den Extremisten. Die Armee und der pakistanische Geheimdienst ISI haben diese Gruppierungen zum Teil Anfang der achtziger Jahre selbst aufgebaut, um im Kampf gegen die Sowjets in Afghanistan mitzumischen, und haben sie später im Kaschmir-Konflikt eingesetzt. Und noch immer betrachten viele Offiziere die Taliban nicht als ihren eigentlichen Gegner – der wahre Feind sei Indien .

Um die Aufständischen in den Stammesgebieten ruhigzustellen, versuchte schon Präsident Pervez Musharraf , Abkommen mit ihnen zu schließen, und versagte. Im April 2009 scheiterte ein Friedensabkommen, das sein Nachfolger, Staatschef Asif Ali Zardari , ausgehandelt hatte: Die Taliban sollten die Waffen niederlegen und im Gegenzug in der Region Malakand, zu der das Swat-Tal und fünf weitere Distrikte gehören, die Scharia anwenden dürfen. Mit Hilfe des islamischen Rechts können sich die Taliban die Bevölkerung legal gefügig machen - wer sich gegen ihre Herrschaft auflehnt, wird geköpft. Statt einer Feuerpause brachten sie vom Swat-Tal aus mehrere Distrikte unter ihre Kontrolle und rückten bedrohlich nahe an die Hauptstadt Islamabad heran, bis die Armee im Frühjahr 2009 eingriff und die Gebiete zurückeroberte. Im Oktober 2009 begann das Militär außerdem einen Krieg gegen die Taliban in der Region Südwaziristan.

Atomwaffen
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1985 wurde in Pakistan erstmals Uran angereichert, seit 1998 besitzt das Land nachweislich Atomwaffen : Nur Tage nach indischen Atomtests zündete Pakistan im Mai 1998 in der Nähe der unbewohnten Chagai-Berge erfolgreich Kernwaffen. Die genaue Zahl der atomaren Sprengköpfe ist nicht bekannt, aber es sollen 60 bis 100 sein, die an verschiedenen Stellen im Land gelagert und von rund 10.000 Soldaten bewacht werden.

Damit gehört Pakistan neben den fünf offiziellen Atommächten USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China sowie Indien, Israel und Nordkorea zum Kreis der neun Nuklearmächte, was die Bedeutung des verarmten Landes stark erhöht.

Militärbeobachter befürchten, Nuklearwaffen aus dem pakistanischen Waffenarsenal könnten aufgrund der Instabilität des Landes in die Hände von Extremisten fallen. Diese hätten damit ein Mittel in der Hand, dem Westen ihre Bedingungen zu diktieren. Geschürt wird die Angst vor diesem Horrorszenario dadurch, dass die Taliban in den vergangenen Monaten ihre Basis in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan ausgebaut haben. Im April 2010 rückten sie bis auf 100 Kilometer Entfernung auf die Hauptstadt Islamabad vor, bevor sie vom pakistanischen Militär zurückgedrängt wurden.


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