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07. September 2012, 19:13 Uhr

Nach Clinton-Entscheidung

Haqqani-Netzwerk droht gefangenem US-Offizier

Nach mehreren tödlichen Anschlägen stufen die USA jetzt das in Pakistan ansässige extremistische Haqqani-Netzwerk als Terrororganisation ein. Aus Sorge um die Lage in Afghanistan hatte Washington bislang darauf verzichtet - die Drohung in Richtung der Truppen am Hindukusch kam postwendend.

Wladiwostok - Die USA betrachten das Haqqani-Netzwerk nach Regierungsangaben künftig offiziell als ausländische Terrororganisation. Die in Pakistan ansässige extremistische Gruppe erfülle dafür "alle gesetzlich vorgeschriebenen Kriterien", teilte ein Regierungsvertreter unter Berufung auf einen von Außenministerin Hillary Clinton unterschriebenen Bericht mit.

Vor dem Hintergrund einer Serie von Angriffen auf Truppen der USA und der Nato hatte der US-Kongress Clinton zuvor bis Sonntag Zeit gegeben, in einem Schreiben darzulegen, ob das Haqqani-Netzwerk künftig als terroristische Vereinigung eingestuft werden solle.

Washington hatte bisher davon abgesehen, aus Sorge, mit diesem Schritt die Friedensbemühungen in Afghanistan sowie die Beziehungen zu Pakistan zu belasten. Die USA hatten jedoch mehrere Führer der al-Qaida nahestehenden Gruppe mit Sanktionen belegt. Die USA verlangen seit Längerem von Pakistan eine stärkere Rolle und eine klarere Position im Anti-Terror-Kampf.

Ranghohe Mitglieder des Haqqani-Netzwerks reagierten mit Drohungen auf die Nachricht: "Die Entscheidung der USA, das Haqqani-Netzwerk als Terrorvereinigung zu bezeichnen, zeigt, dass sie die Friedensbemühungen in Afghanistan nicht ernst nehmen", sagten die Haqqani-Anhänger gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Der Beschluss bedeute demnach zudem harte Zeiten für den US-Offizier Bowe Bergdahl, der seit 2009 von Militanten festgehalten wird, hieß es seitens der Extremisten.

Die USA machen das Haqqani-Netzwerk für mehrere Aufsehen erregende Angriffe in Afghanistan verantwortlich, unter anderem die Attacke auf ein Hotel bei Kabul im Juni mit 18 Toten und die Belagerung der US-Botschaft in der afghanischen Hauptstadt im vergangenen Jahr. Pakistan werfen die USA vor, Haqqani-Kämpfern Unterschlupf zu gewähren. Das Netzwerk ist nach seinem Gründer Dschalaluddin Haqqani benannt. Er kämpfte in den 1980er Jahren gegen den Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan und schloss sich später den radikalislamischen Taliban an.

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