Nach Clinton-Entscheidung: Haqqani-Netzwerk droht gefangenem US-Offizier

Nach mehreren tödlichen Anschlägen stufen die USA jetzt das in Pakistan ansässige extremistische Haqqani-Netzwerk als Terrororganisation ein. Aus Sorge um die Lage in Afghanistan hatte Washington bislang darauf verzichtet - die Drohung in Richtung der Truppen am Hindukusch kam postwendend.

Wladiwostok - Die USA betrachten das Haqqani-Netzwerk nach Regierungsangaben künftig offiziell als ausländische Terrororganisation. Die in Pakistan ansässige extremistische Gruppe erfülle dafür "alle gesetzlich vorgeschriebenen Kriterien", teilte ein Regierungsvertreter unter Berufung auf einen von Außenministerin Hillary Clinton unterschriebenen Bericht mit.

Vor dem Hintergrund einer Serie von Angriffen auf Truppen der USA und der Nato hatte der US-Kongress Clinton zuvor bis Sonntag Zeit gegeben, in einem Schreiben darzulegen, ob das Haqqani-Netzwerk künftig als terroristische Vereinigung eingestuft werden solle.

Washington hatte bisher davon abgesehen, aus Sorge, mit diesem Schritt die Friedensbemühungen in Afghanistan sowie die Beziehungen zu Pakistan zu belasten. Die USA hatten jedoch mehrere Führer der al-Qaida nahestehenden Gruppe mit Sanktionen belegt. Die USA verlangen seit Längerem von Pakistan eine stärkere Rolle und eine klarere Position im Anti-Terror-Kampf.

Ranghohe Mitglieder des Haqqani-Netzwerks reagierten mit Drohungen auf die Nachricht: "Die Entscheidung der USA, das Haqqani-Netzwerk als Terrorvereinigung zu bezeichnen, zeigt, dass sie die Friedensbemühungen in Afghanistan nicht ernst nehmen", sagten die Haqqani-Anhänger gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Der Beschluss bedeute demnach zudem harte Zeiten für den US-Offizier Bowe Bergdahl, der seit 2009 von Militanten festgehalten wird, hieß es seitens der Extremisten.

Die USA machen das Haqqani-Netzwerk für mehrere Aufsehen erregende Angriffe in Afghanistan verantwortlich, unter anderem die Attacke auf ein Hotel bei Kabul im Juni mit 18 Toten und die Belagerung der US-Botschaft in der afghanischen Hauptstadt im vergangenen Jahr. Pakistan werfen die USA vor, Haqqani-Kämpfern Unterschlupf zu gewähren. Das Netzwerk ist nach seinem Gründer Dschalaluddin Haqqani benannt. Er kämpfte in den 1980er Jahren gegen den Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan und schloss sich später den radikalislamischen Taliban an.

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1.
Baader 07.09.2012
Zitat von sysopNach mehreren tödlichen Anschlägen stufen die USA jetzt das in Pakistan ansässige extremistische Haqqani-Netzwerk als Terrororganisation ein. Aus Sorge um die Lage in Afghanistan hatte Washington bislang darauf verzichtet - die Drohung in Richtung der Truppen am Hindukusch kam postwendend. Nach Clinton-Entscheidung: Haqqani-Netzwerk droht gefangenem US-Offizier - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,854623,00.html)
Der Mann ist Sergeant, und als er als Geisel genommen wurde war er noch PFC Bowe Bergdahl - Wikipedia, the free encyclopedia (http://en.wikipedia.org/wiki/Bowe_Bergdahl)
2. Menschlich tragischen,aber....
sniffydog1 07.09.2012
Es ist schlimm,dass Einzelschicksale unter der großen Politik meistens leiden müssen.Da werden die lieben deutschen Gutmenschen wieder was zum Polemisieren haben.
3. Spannende Zeiten
Ursprung 07.09.2012
Zitat von sysopNach mehreren tödlichen Anschlägen stufen die USA jetzt das in Pakistan ansässige extremistische Haqqani-Netzwerk als Terrororganisation ein. Aus Sorge um die Lage in Afghanistan hatte Washington bislang darauf verzichtet - die Drohung in Richtung der Truppen am Hindukusch kam postwendend. Nach Clinton-Entscheidung: Haqqani-Netzwerk droht gefangenem US-Offizier - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,854623,00.html)
Es scheint immer plausibler zu werden, dass die Evolution bei uns eine Art Feldversuch hervorgebracht hat: Gewaltaffine und Soziovertraegliche liefern sich ein Rennen. Die Gewaltaffinen nutzen dabei die Gewaltphobie der Soziovertraeglichen rigoros fuer ihre Zwecke und camouflieren oft glaubhaft die anderen. Nach statistischen Erhebungen stellen die Gewaltaffinen derzeit bis 43 % aller Menschen, heisst, die echt Soziovertraeglichen sind in leichter Mehrheit. Diese Dualitaet in den eigentlich entgegengesetzten evolutionaeren Neigungen zieht sich offenbar durch saemtliche Gruppierungen: Politikrichtungen, Parteien, Religionsangehoerige, innerhalb von Familien, quer durch Clans. Ein biologischer Entwicklungssprung aehnlich wie einst die erfolgreiche Wohlwollensvermutung koennte trotzdem bevorstehen, getrieben durch den inzwischen global wahrgenommenen mainstream per Medien. Gewinnen die Gewaltaffinen, wird unser Speziesende eingelaeutet. Schaffen es die Soziovertraeglichen, besteht die Chance auf weiterreichende Zukunft. Das "Moralgen" scheints ja schon zu geben. Aussichtslos ist die Hoffnung also nicht. Solche wie diese Haqqani-Leute, Taliban, Bushkrieger in den USA aber auch die Zahn-um Zahn-Mentalitaet aus dem Nahen Osten, Beispiel Syrien, Irak, Iran, Israel oder das geteiltes Korea, geteilte Mentalitaeten in Pakistan behindern noch diesen Entwicklungssprung. Der Kampf jedenfalls wird bereits vor dem Auditorium einer inzwischen global wertenden zivilisatorischen Oeffentlichkeit ausgetragen. Die Zeiten sind schon spannend, nicht nur angespannt...
4. Viel interessanter ist
WernerT 08.09.2012
Der angegeben Ort der Meldung, Wladiwostok liegt im äußersten Osten Russlands und hat eigentlich gar keinen Bezug zur Meldung - oder wollte der Autor Washington nehmen und ist in der Zeile verruscht?
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