CBS-Gespräch Ägypten will Ausstrahlung eines Interviews mit Staatschef Sisi verhindern

Ägyptens Staatschef Abdel Fattah el-Sisi hat dem US-Sender CBS ein ausführliches Interview gegeben. Nun will Kairo aber nicht mehr, dass es ausgestrahlt wird - offenbar wegen brisanter Äußerungen zu Israel.

Abdel Fattah el-Sisi
MICHAEL GRUBER/EPA-EFE/REX

Abdel Fattah el-Sisi


Ägypten und Israel arbeiten enger zusammen als je zuvor. Das hat der ägyptische Staatschef Abdel Fattah el-Sisi in einem Interview mit dem US-Fernsehsender CBS erklärt. "Es stimmt. Wir haben eine weitreichende Kooperation mit den Israelis", sagte Sisi.

Auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel, die an Israel grenzt, ist seit Jahren ein Ableger der Terrororganisation "Islamischer Staat" aktiv. Im Februar 2018 hatte die "New York Times" enthüllt, dass die israelische Armee seit 2016 mehr als hundert Mal Stellungen der Dschihadisten in Ägypten bombardiert hat - mit Billigung der Regierung in Kairo. Das ägyptische Regime hatte diese Angaben damals noch entschieden dementiert.

Ägypten und Israel hatten 1979 einen Friedensvertrag geschlossen. Abgesehen von der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit gelten die Beziehungen zwischen beiden Staaten als unterkühlt. Das Abkommen mit dem jüdischen Staat ist in der ägyptischen Bevölkerung äußerst unpopulär.

Politische Gefangene gibt es laut Sisi nicht

Wohl auch deshalb hat der ägyptische Botschafter in den USA kurz nach Aufzeichnung des CBS-Interviews mit Sisi in New York darauf gedrängt, auf die Ausstrahlung zu verzichten. Laut dem Sender soll der Diplomat gesagt haben, das Gespräch mit dem Journalisten Scott Pelley könne nicht ausgestrahlt werden. CBS will das Interview dennoch am Sonntagabend senden.

In dem Gespräch bestreitet Sisi auch, dass es politische Gefangene in Ägypten gebe. "Wenn immer eine Minderheit versucht, anderen ihre extremistische Ideologie aufzuzwingen, müssen wir einschreiten", sagt der Präsident in dem Interview auch. Allen Verdächtigen würde "ein fairer Prozess gemacht" - der aber Jahre dauern könne.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sitzen etwa 60.000 politische Häftlinge in ägyptischen Gefängnissen. Auch nach Einschätzung des US-Außenministeriums, das selbst eng mit Kairo zusammenarbeitet, sind Folter und außergerichtliche Tötungen in ägyptischen Gefängnissen an der Tagesordnung.

syd



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