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Abgefangener Waffentransport: Irans Revolutionsgarde liefert Raketen an Taliban

48 Kurzstreckenraketen für die Taliban, Absender Iran. Wie Isaf und US-Geheimdienst jetzt bestätigen, stammt die Waffenlieferung, die im Süden Afghanistans abgefangen wurde, aus Beständen der Revolutionsgarden. Es sei nicht das erste Mal, dass Teheran die Nachbarn mit Kriegsgerät versorge.

Taliban präsentieren im November 2010 ihren Waffen: "Vollkommen inakzeptabel" Zur Großansicht
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Taliban präsentieren im November 2010 ihren Waffen: "Vollkommen inakzeptabel"

Kabul/London - Isaf-Truppen haben schon manchen Waffenschmuggel nach Afghanistan abgefangen, aber so einen Fund hatten sie noch nie gemacht: Auf den drei Lastwagen, die sie im Süden des Landes stoppten, entdeckten britische Soldaten 48 Kurzstreckenraketen - hochmodernes Gerät, wie es später heißt - und außerdem 1200 Schuss Munition für Sturmgewehre.

Den Absender der Lieferung hatte die Nato schnell identifiziert. Die Waffen stammten aus Iran.

Der Transport wurde bereits am 5. Februar abgefangen, am Mittwochabend ging der britische Außenminister William Hague mit der Nachricht an die Öffentlichkeit.

"Verantwortungslos" nannte er das Verhalten Irans, "vollkommen inakzeptabel".Aber wer steckt hinter dem Waffenschmuggel? Welche Rolle spielt Teheran in dem Konflikt bei den Nachbarn?

Wie SPIEGEL ONLINE aus US-Geheimdienstkreisen erfuhr, wurden die Raketen von den iranischen Revolutionsgarden ins Land geschmuggelt, genauer: von den zu den Garden gehörenden Al-Kuds-Einheiten, die für die Unterstützung ausländischer Kräfte zuständig sind. Eine Isaf-Sprecherin in Kabul bestätigte diese Information auf Anfrage. "Wir wissen, dass die Al-Kuds-Einheiten hinter der Lieferung stecken."

Allerdings sorgt diese Erkenntnis innerhalb der Nato für Verwunderung, denn das mehrheitlich schiitische Iran steht den sunnitischen Taliban kritisch gegenüber und befürchtet, der Nachbar Afghanistan könnte im Falle eines Erstarkens der Taliban erneut ins Chaos stürzen. Die Revolutionsgarden haben daher in der Vergangenheit die Gegner der Taliban in Afghanistan unterstützt. So erhielt die Nordallianz regelmäßig Waffen aus Iran.

"Es ist gut möglich, dass man in Teheran inzwischen vermutet, dass die Taliban sich auf lange Sicht in Afghanistan durchsetzen werden", sagte ein britischer Nato-Offizier. Und da versucht man, Einfluss zu nehmen auf jene Kräfte, die man für pro-iranisch hält, und Netzwerke aufzubauen." Ein weiteres mögliches Motiv sei, dass man die ungeliebten Taliban unterstütze, um auf diese Weise den noch mehr verhassten USA zu schaden. Die genauen Motive seien aber noch unklar, räumte er ein.

Nachschub für die Frühlingsoffensive der Taliban

Nach Informationen der Nato handelt es sich bei den 48 Raketen, die britische Nato-Streitkräfte Anfang Februar im Süden Afghanistans sicherten, nicht um die erste Waffenlieferung von Iran nach Afghanistan. "Allerdings sind es erstmals 122-Millimeter-Raketen, die eine Reichweite von etwa 20 Kilometern haben", sagte der britische Offizier. "Wir haben aber auch schon kleinere Waffen, Gewehre, Munition, Bauteile für Sprengfallen, 107-Millimeter-Raketen und Granaten sichergestellt, die aus Iran nach Afghanistan kamen."

Es sei außerdem bekannt, dass Al-Kuds-Einheiten afghanische Taliban in der Nutzung von Waffen ausgebildet hätten.

Die Raketen waren offenbar für die Frühlingsoffensive der Taliban bestimmt. Die Waffenlieferung sei der Beweis, dass Iran eine Gefahr darstelle, die über das Nuklearprogramm hinausgehe, sagte der britische Außenminister Hague. Dieses Verhalten stehe im Widerspruch zu der Behauptung des Regimes, es unterstütze die Stabilität und Sicherheit in Afghanistan. Der britische Botschafter in Iran habe das Thema bereits mit dem iranischen Außenminister besprochen. Die Waffen seien geschickt worden, um es den Taliban zu ermöglichen, eine hohe Zahl an afghanischen und Isaf-Soldaten zu töten, sagte Hague.

Erste Hinweise auf iranischen Waffenschmuggel schon 2010

Die Geheimdienste werten die aktuelle Lieferung als ernste Eskalation der Rebellenunterstützung durch die iranische Regierung. Er werde ebenfalls als Eskalation des "Stellvertreterkriegs" interpretiert, den Iran gegen die USA und andere westliche Truppen in Afghanistan führe. Ein hochrangiger Taliban-Führer sei demnach in den vergangenen Wochen nach Iran gereist, um dort einen Führer der iranischen Revolutionsgarden zu treffen und ihn um bessere Waffen im Kampf gegen die Nato-Truppen zu bitten.

Bislang gibt es noch keine Hinweise darauf, dass die 122-Millimeter-Raketen in Afghanistan benutzt wurden, es wurden allerdings bereits ähnliche Raketen aus China und Russland verwendet - Überreste aus den jahrzehntelangen Bürgerkriegen in Afghanistan.

Der Vorwurf, Iran beliefere die Taliban mit Waffen, ist nicht neu. Der frühere Kommandeur der Nato-geführten Internationalen Schutztruppe Isaf, US-General Stanley McChrystal, hatte vor knapp einem Jahr gesagt, es gebe Beweise dafür. Die iranische Regierung hat die Vorwürfe bisher stets zurückgewiesen.

oka/kaz/dpa/Reuters

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insgesamt 55 Beiträge
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1. und wer
Andreas58 10.03.2011
rüstete z.B. unseren "Freund" Ghadaffi und andere Schurken auf ?
2. Aha
leser_81 10.03.2011
"1200 Schuss Munition für Sturmgewehre" Was sind bitte schön 1200 Schuss für ein Sturmgewehr? => praktisch gar nix. Das sind mal grade 40 Magazine für ne Kalschnikow. Diese Anzahl Munition hat man als Sportschütze ja schon als Grundbedarf zuhause lagern (große Bestellmengen sind halt wesentlich billiger) Ach das Zeugs kommt aus dem Iran ! - Sagt der US Geheimdienst - ist das der gleiche Geheimdienst, der einen Angriffskrieg gestartet hat weil er sagte der Irak hat chemische Waffen ?
3. Auslegungssache
rabka_uhalla 10.03.2011
Wenn Iran Waffen nach Afghanistan schickt ist es Waffenschmuggel und alle sind auf den Iran böse. Als USA damals Waffen ins Land gebracht hatte wurde es als Geniestreich verkauft. Fragt euch doch mal bitte von wem die Afghanen ihre Kalashniovs (Herstellungsland Rußland) und Zubehör bekommen ?
4. ?
Sungur, 10.03.2011
Und woher stammen all die anderen Waffen der Taliban ?
5. Wer's glauben mag
kwifte 10.03.2011
Ich jedenfalls glaube solche Räuberpistolen schon lange nicht mehr. Zu oft schon haben sich derartige Berichte, in denen "amerikanische Geheimdienstquellen" ihre Finger im Spiel haben, als erstunken und erlogen herausgestellt. Man erinnere sich nur an die mediale Vorbereitung des Einmarsches in den Irak. Ich stelle mir dann gern 2 Fragen: Wem nützt es? Warum wird es erst jetzt oder gerade jetzt veröffentlicht?
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Karzai und Afghanistan
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Hamid Karzai
AFP
Hamid Karzai ist der derzeit amtierende Präsident Afghanistans. Nach der ersten Phase des Afghanistan-Kriegs hatten ihn die USA und die Uno auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 als Regierungschef einer afghanischen Interimsregierung durchgesetzt. Die Loya Jirga wählte Karzai 2002 zum Präsidenten einer Übergangsregierung, und nach Verabschiedung einer neuen Verfassung bestimmten ihn die Afghanen 2005 in direkter Wahl zu ihrem Präsidenten. Durch den Einfluss der Warlords blieb Karzais Macht jedoch beschränkt. Zuletzt verlor er auch die Unterstützung der USA.

Hamid Karzai wurde 1957 in Kandahar geboren. Er gehört dem mächtigen Paschtunen-Stamm der Popalzai an, der mehrere afghanische Könige hervorbrachte. Karzai studierte in Indien und hielt sich immer wieder in den USA auf. Zusammen mit den Mudschahidin kämpfte er in den achtziger Jahren gegen die sowjetische Besetzung Afghanistans . Aus dem Exil in Pakistan unterstützte Karzai die Taliban zunächst, wandte sich dann aber gegen das Regime, dem auch die Ermordung seines Vaters zugeschrieben wird. Nach Beginn der amerikanischen Militäraktion in Afghanistan kehrte Karazi 2001 in seine Heimat zurück und stellte sich an die Spitze der Anti-Taliban-Bewegung in der Region Kandahar.

Präsidentschaftswahlen
dpa
Am 30. August 2009 wählten die Afghanen ihren neuen Präsidenten. Doch es kam zu massiven Fälschungen, insbesondere zugunsten Karzais. Die Auszählungsergebnisse in 210 Wahllokalen wurden anschließend für ungültig erklärt. Karzai, der sich zuvor als Sieger gesehen hatte, verfehlte nach dem um manipulierte Stimmen bereinigten Endergebnis die absolute Mehrheit: Er erreichte nur 49,67 Prozent der Stimmen.

Eine Stichwahl zwischen Karzai und Ex-Außenminister Abdullah Abdullah sollte die Entscheidung bringen. Doch der Herausforderer zog seine Kandidatur zurück mit der Begründung, es könne wie im ersten Durchgang erneut zu Unregelmäßigkeiten kommen. Die afghanische Wahlkommission rief Karzai daraufhin erneut zum Präsidenten aus.

Isaf-Einsatz
DDP
Nach Beginn des Afghanistan-Kriegs 2001 und dem Sturz der radikal-islamischen Taliban beschloss der Uno-Sicherheitsrat , eine internationale Schutztruppe im Land ( Isaf ) einzusetzen. Sie soll den Wiederaufbau Afghanistans zu einer Demokratie absichern, auch indem sie zivile Wiederaufbauteams (PRTs) schützt, von denen derzeit 26 tätig sind.

Der Einsatz war zunächst auf die Hauptstadt Kabul und deren Umgebung beschränkt und wurde bis 2006 auf das ganze Land ausgeweitet. Seit 2003 führt die Nato die Isaf. Derzeit gehören ihr mehr als 119.000 Soldaten aus 46 Nationen an, darunter auch aus Nicht-Nato-Staaten wie Australien und Neuseeland.
Deutschland übernahm 2006 das Isaf-Kommando für den Norden Afghanistans. 2007 bestellte die Bundeswehr sechs Aufklärungsflugzeuge vom Typ Tornado ab, die Luftbilder aus ganz Afghanistan für Isaf liefern. Die Bundesrepublik stellt derzeit mit mehr als 4000 Soldaten die drittgrößte Truppe nach den USA und Großbritannien.

Probleme in Afghanistan
AFP
Da die Taliban inzwischen wieder an Stärke gewonnen haben, nehmen die militärischen Auseinandersetzungen zu. Besonders hart umkämpft ist der Osten des Landes, wo die meisten US-Soldaten stationiert sind. Die schwer kontrollierbaren Stammesgebiete Pakistans gelten als Rückzugsgebiet und Nachschubbasis der Taliban.

Die Stabilisierung Afghanistans wird durch Korruption, die bis in höchste Regierungskreise verbreitet ist, sowie durch Drogenproduktion und -schmuggel erschwert.

Opium-Wirtschaft
REUTERS
Obgleich die afghanische Übergangsregierung unter Karzai im Januar 2002 den Schlafmohnanbau verboten hat, ist der Drogenanbau rasch wieder zum dominierenden Wirtschaftszweig Afghanistans geworden. Das Land ist der weltweit größte Produzent von Rohopium .

Mit Einnahmen aus dem Drogenschmuggel finanzieren die Taliban ihren Kampf gegen Karzais Regierung und die ausländischen Truppen. Die Bekämpfung ist problematisch, weil viele Menschen von dem Handel leben. Isaf -Soldaten sind inzwischen befugt, gegen Drogenhändler vorzugehen und Laboratorien zu zerstören, in denen Schlafmohn zu Opium verarbeitet wird.

Afghanistan-Krieg
REUTERS
Der Afghanistan-Krieg der USA und ihrer Verbündeten war die erste große militärische Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 . Er richtete sich sowohl gegen das Terrornetzwerk al-Qaida , das für die Anschläge verantwortlich gemacht wird, als auch gegen das seit Mitte der neunziger Jahre in Afghanistan herrschende islamisch-fundamentalistische Taliban -Regime.

Die Taliban wurden bezichtigt, Osama Bin Laden und andere hochrangige Mitglieder von al-Qaida zu unterstützen und zu beherbergen.

Die erste Kriegsphase endete mit dem Fall der Hauptstadt Kabul und der Provinzhauptstädte Kandahar und Kunduz im November und Dezember 2001. Auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 wurde eine Interimsregierung unter Präsident Hamid Karzai eingesetzt und die Einberufung einer verfassunggebenden Loya Jirga beschlossen. Gleichzeitig erteilte der Uno-Sicherheitsrat den Nato-Staaten und mehreren Partnerländern das Isaf -Mandat zur Unterstützung des Wiederaufbaus.

Fotostrecke
Präsident Karzai: "Härtester Job der Welt"

Die Sanktionen der Uno gegen Iran im Wortlaut
The resolution imposes a series of new sanctions that will increase the cost to Iran's leaders of their current irresponsible policies. These measures include:
1. Ban on Iranian certain nuclear and missile investment abroad
Iran is prohibited from investing in sensitive nuclear activities abroad, like uranium enrichment and reprocessing activities, where it could acquire nuclear technology and know-how, as well as activities involving ballistic missiles capable of delivering nuclear weapons. The ban also applies to investment in uranium mining.
2. Conventional arms ban
States are prohibited from selling or in any way transferring to Iran eight broad categories of heavy weapons (battle tanks, armored combat vehicles, large caliber artillery systems, combat aircraft, attack helicopters, warships, missiles or missile systems). States are similarly prohibited from providing technical or financial assistance for such systems, or spare parts. States are also to exercise vigilance and restraint in supplying any other arms or related materiel to Iran.
3. Ban on ballistic missile activities
Iran is prohibited from undertaking any activity related to ballistic missiles capable of carrying nuclear weapons and States are required to take all necessary measure to prevent the transfer of related technology or technical assistance.
4. Additional items banned for transfer
The resolution updates and adds to the list of technical items related to nuclear and missile proliferation that are banned for transfer to and from Iran.
5. New cargo inspection framework
Iran is subject to a new regime for inspection of suspicious cargo to detect and stop Iran's smuggling. States should inspect any vessel on their territory suspected of carrying prohibited cargo, including banned conventional arms or sensitive nuclear or missile items. States are also expected to cooperate in such inspections on the high seas.
6. New procedures to deal with contraband items
Once prohibited items are found, States are now obligated to seize and dispose of the items.
7. Ban on bunkering services
States are required not to provide critical support services (e.g., fuel, water) to ships suspected of carrying prohibited cargo.
8. Measures to restrict the Islamic Republic of Iran Shipping Lines (IRISL) and Iran Air's cargo division
States must require their nationals to exercise vigilance over IRISL, a known sanctions violator. Three IRISL-related companies will have their assets frozen. States are requested to report any information on activities by IRISL and Iran's Air's cargo division to evade sanctions, including by renaming vessels.
9. New tools to block proliferation finance
States are called upon to prevent any financial service -- including insurance or reinsurance -- and freeze any asset that could contribute to Iran's proliferation. This broad language will help states take action when there are suspected financial links to Iran's banned nuclear activities.
10. Vigilance over all Iran's companies
States are required to ensure their nationals exercise vigilance when doing business with any Iranian firm, including IRGC and IRISL, to make sure such business does not contribute to Iran's proliferation.
11. New banking measures
States are called upon to prohibit on their territories new banking relationships with Iran, including the opening of any new branches of Iranian banks, joint ventures and correspondent banking relationships, if there is a suspected link to proliferation. States also should prohibit their own financial institutions from opening branches in Iran if there is a suspected link to proliferation.
12. New measures to limit the role of the Islamic Revolutionary Guard Corps (IRGC)
The resolution highlights the IRGC's role in proliferation and requires states to mandate that businesses exercise vigilance over all transactions involving the IRGC. Fifteen IRGC-related companies linked to proliferation will have their assets frozen.
13. Targeted sanctions on specific individuals and entities
Forty Iranian companies and one individual will be subject to an asset freeze. The individual -- the head of a critical nuclear research program -- will also be subject to a travel ban. Thirty-five additional individuals previously subject to "travel vigilance" will now be subject to a travel ban.
14. Appointment of a UN sanctions monitoring panel
A UN "Panel of Experts" will be established to monitor states' implementation of the sanctions, report on sanctions violations and recommend ways to continually improve enforcement.

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