Flugzeugträger USS "Enterprise" Letzte Fahrt des schwimmenden Giganten

Tausende US-Veteranen werden jubeln, wenn sie "Big E" noch einmal sehen: Die USS "Enterprise", erster Atom-Flugzeugträger der Welt, steuert am Samstag zum letzten Mal den Heimathafen Norfolk in Virginia an - dann wird der Koloss stillgelegt. Der Ausbau der Reaktoren dauert Jahre.

REUTERS/ U.S. Navy

Norfolk - Es wird der letzte große Auftritt des größten Flugzeugträgers der Welt sein: Am Samstag läuft die USS "Enterprise" in den Heimathafen Norfolk im US-Bundesstaat Virginia ein. Danach wird der Koloss wohl nie wieder die Weltmeere befahren. Zum Abschied werden Tausende Veteranen erwartet.

Mehr als 50 Jahre war die "Big E", wie das Schiff in der Navy genannt wird, im Einsatz. Und mit der letzten Fahrt endet auch eine wichtige Epoche in der US-Militärgeschichte. Denn die "Enterprise" war für viele Jahre nicht nur der größte, sondern auch der erste atombetriebene Flugzeugträger der Welt. Die acht Druckwasserreaktoren sorgten dafür, dass der schwimmende Koloss eine praktisch unbegrenzte Reichweite hatte.

Der Stapellauf des Riesenschiffs erfolgte 1961. Seitdem war es an allen großen Einsätzen der USA auf der Welt beteiligt: Kuba-Krise, Vietnam-Krieg, die Golfkriege. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 war die "Enterprise" auch für die Operation "Enduring Freedom" in Afghanistan für das US-Militär unverzichtbar.

Bis zu 110 Flugzeuge können auf "Big E" stationiert werden. Zur regulären Schiffs-Crew zählen rund 3300 Mann, dazu kommen noch einmal die mehr als 2500 Soldaten des "Carrier Air Wing" - also Piloten, Wartungs- und Flugdeckpersonal.

Zwei Jahre dauert der Ausbau der Reaktoren

Bei allen Einsätzen wird der Flugzeugträger von einer Kampfgruppe begleitet, die aus einem Kreuzer, mehreren Zerstörern und einem Versorgungsschiff besteht. Letzte Mission des 342 Meter langen Flugzeugträgers war der Einsatz im Persischen Golf.

Die "Enterprise" wurde aber nicht nur durch ihre Kriseneinsätze berühmt. Auch Hollywood machte das Schiff populär: Aufnahmen der "Enterprise" sind unter anderem im Film "Top Gun" mit Tom Cruise zu sehen. Und "Star Trek"-Schöpfer Gene Roddenberry ließ sich für das Raumschiff Enterprise von dem gigantischen Schiff inspirieren. Deshalb wird zum Empfang im Hafen von Norfolk auch der Schauspieler William Shatner alias Captain Kirk erwartet.

Es gab aber auch Negativschlagzeilen im Zusammenhang mit der "Enterprise": Anfang Januar 2011 wurde der damalige Kommandant Owen Honors gefeuert: Er hatte als Erster Offizier die Hauptrolle in schwulen- und frauenfeindlichen Videos gespielt, die im Bordfernsehen gezeigt wurden, um die Crew zu erheitern. Doch die peinlichen Aufnahmen gelangten auch ins Internet.

Wie der Ruhestand der "Enterprise" aussehen und wo sie zuletzt vor Anker gehen wird, ist noch unklar. Fest steht jedoch, dass es zwei Jahre dauern wird, um das Schiff stillzulegen und die Atomreaktoren auszubauen.

als/dpa



insgesamt 44 Beiträge
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Wagnerf 01.12.2012
1. Größter oder längster Carrier?
Die Träger der Nimitz-Klasse sind größer, d.h. sie haben eine grössere Verdrängung. Die Enterprise ist nur länger als die Träger der Nimitz-Klasse.
Battlemonk 01.12.2012
2.
das schiff ist nur 342 nicht 432 meter lang die amis sollten sich überlegen ob sie das schiff nicht lieber verkaufen gibt sicher staaten die dafür noch paar millarden zahlen anderseits falls es mal zu einem konflikt gegen diesen staat kommen würde wäre das sicher ein problem
Desconocido 2 01.12.2012
3. Ein tolles Schiff mit viel Geschichte,
aber seit der Indienststellung der USS Nimitz ist sie nicht mehr das größte Schiff der US Navy. Sie hat zwar eine etwas größere Länge (342 m zu 332,85m) aber die Verdrängung (93.284 ts zu 97.000 ts) macht klar das die Nimitz-Klasse deutlich größer ist. Trotzdem ist es ein unglaubliches Schiff und eine beeindruckende technische Leistung. Das Schiff lag vor einigen Jahren (vor der Zeit als die Amerikaner ihre Erfahrungen mit dem Terrorismus und den Sprengstoffattacken auf ankernde Schiffe gemacht haben) in der Bucht von Palma und ich bin damals nur wenige Meter entfernt vom Schiff in einem kleinem Boot vorbeigefahren. Es war ein höchst beeindruckendes Erlebnis wie sich das Flugdeck dieses Giganten in beeindruckender Höhe über uns befand.
daesh 01.12.2012
4. Verkauf?
Warum Stilllegen. Bestimmt könnte man das Ding samt den 8 Druckwasserreaktoren auch an die Chinesen verscherbeln. Die würden dafür bestimmt den US Haushalt für einen Tag finanzieren. Und im Fall eines Konflikts kennt man die Technik des Gegners dann sehr gut.
toledo 01.12.2012
5. ....
Schade, es es im Bericht nicht ein Wort über den jahrzehntelangen, sicheren und effektiven Betrieb der Atomreaktoren gibt. Passt wohl nicht..
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