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Abschluss des Millenniumsgipfels: Armutszeugnis für die Uno

Von , New York

Zum Finale des Uno-Gipfels verspricht Barack Obama in einer umjubelten Rede vor vollem Haus Wohlstand für alle - konkrete Zusagen macht er nicht. Die Staatschefs bedürftiger Länder fanden erheblich weniger Interesse. Sie können ihre Anliegen nicht durchsetzen.

Die Uno-Armutskonferenz wird zur Barack-Obama-Konferenz. Kurz bevor der US-Präsident spricht, füllt sich der Saal bis auf den letzten Platz. An der Treppe zur Tribüne stemmt sich eine Polizistin gegen Hunderte Zuspätgekommene. "Wer eine der 179 Karten hat, hat großes Glück", sagt sie. Auf der Empore warten manche seit Stunden auf den Auftritt des amerikanischen Präsidenten. "Ich bin nur wegen Obama hier", sagt ein Diplomat aus Nigeria. Obama spende Hoffnung, "obwohl er im Innersten ein Pragmatiker ist".

Als der Präsident die Bühne betritt, branden Applaus und Jubel auf. Obama stellt sich ans Rednerpult, den Rücken durchgedrückt. Hinter ihm, auf einer grünlich schimmernden Empore, sitzt Ban Ki Moon, der Generalsekretär der Uno, und lächelt.

In seiner Rede verwandelt Obama Menschenschicksale in Weltpolitik. "Wenn einer Mutter gleiche Rechte verwehrt werden, untergräbt das den Wohlstand einer ganzen Nation", sagt er. "Wenn eine Krankheit nicht behandelt wird, kann sie Millionen Leben auf der ganzen Welt bedrohen. Drum lasst uns den alten Mythos begraben, Entwicklungshilfe sei nur ein moralischer Imperativ. Sie ist auch ein wirtschaftlicher und strategischer Imperativ."

Obama bringt auch seine ganz persönlichen Erfahrungen ein. "Ich weiß, wie schwierig es ist, Gemeinden und Ländern zu helfen, sich eine bessere Zukunft zu erarbeiten", sagt er. Er habe das im eigenen Leben gespürt. Bei seiner Mutter, die im pakistanischen und indonesischen Niemandsland die Ärmsten der Armen betreute. Und bei sich selbst, als er in seiner Heimatstadt Chicago verrottete Viertel wieder mitaufzubauen versuchte. "Es ist hart", sagt Obama. "Doch ich weiß, es ist möglich."

Im Saal brandet wieder Applaus auf, für einen Moment scheinen die Millenniumsziele der Vereinten Nationen zum Greifen nah. Doch um sich zu erinnern, wie weit weg sie sind, muss man die Uhr nur ein paar Stunden zurückdrehen.

Warme Worte, kaum Zusagen

Da standen andere am Rednerpult: Staatschefs von Ländern wie dem Kongo, Gabun und Bangladesch, Empfänger von Entwicklungshilfe. Da waren auf der Tribüne viele Stühle leer, und wer doch im Saal saß, der wartete meist auf etwas oder jemanden. Menschen tuschelten miteinander, verteilten Visitenkarten, manche telefonierten auf der Tribüne mit dem Handy. Oft hörten nur die Journalisten und Delegierten des jeweiligen Landes den Reden ihres Präsidenten zu.

Die Staatschefs der Empfängerländer hatten eine gemeinsame Botschaft: Sie lobten die eigenen Erfolge - und forderten vom Westen mehr Hilfe. Die Reichen sollen endlich die Millenniumsversprechen einhalten, sagten sie.

Schon vor Jahren haben die Geberländer versprochen, ihre Entwicklungshilfen auf 0,7 Prozent ihres Bruttosozialprodukts aufzustocken. Die wenigsten haben das bis jetzt getan. Deutschland spendet derzeit gerade die Hälfte davon, andere Länder noch weniger. Der Kongo, Gabun und Bangladesch konnten noch so viel appellieren - neue Zusagen bewirkten sie nicht.

Auch Hoffnungsträger Obama drückt sich am Mittwoch. Er verspricht, die Mittel zur Bekämpfung von Aids und Polio aufzustocken. Wann und um wie viel? Sagt er nicht. Weitere Zusagen? Macht er nicht. Stattdessen präsentiert er der Welt wortreich eine neues Entwicklungspolitikkonzept, dessen Ansatz so neu nicht ist. Amerika setze jetzt noch stärker auf Hilfe zur Selbsthilfe, sagt Obama.

"Statt Aids nur zu behandeln, entwickeln wir Maßnahmen, durch die sich die Mütter gar nicht erst infizieren. Statt Essen nur zu liefern, helfen wir Ländern ihre Landwirtschaft zu verbessern. Statt Medizin nur auszuteilen, helfen wir Ländern beim Aufbau eines starken Gesundheitssystems." Dann wendet sich Obama direkt an den Kongo, Gabun und Bangladesch: "Die Tage, in denen ausländisches Kapital den Kurs eurer Entwicklungspolitik diktierte, sind gezählt."

"Die Welt will Zusagen"

Beim diesem Wort saust der Zeigefinger des US-Präsidenten aufs Rednerpult herab, und auf der Tribüne applaudieren manche. Andere sind skeptisch. "Die Delegierten sind nicht aus der ganzen Welt angereist, um warme Worte zu hören", moniert ein Journalist aus Bangladesch. "Schon gar nicht wollen sie von 192 Ländern neue entwicklungspolitische Konzepte hören. Die Welt will Zusagen, dass die Armut endlich bekämpft wird."

Doch mit den Zusagen ist es auf diesem Gipfel nicht weit her. Nicht nur Obama, auch andere Staatschefs machten bloß wolkige Versprechen. Zum Beispiel Angela Merkel: Sie wolle Hilfen stärker an Ergebnisse koppeln, beteuerte die Kanzlerin. Wann Deutschland seine Entwicklungshilfe auf 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufstockt, sagte sie nicht. Trotzdem will Merkel in der Uno mehr Verantwortung übernehmen: Sie kämpft für einen Sitz im Weltsicherheitsrat.

Zum Abschluss des Gipfels präsentierte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon eine Liste mit neuen Spendenzusagen. "Diese Woche haben wir einen Katalog des Erfolgs gehört", sagte er. Tatsächlich aber ist die Liste kurz.

Die Weltbank will ihre Armuts- und Hungerhilfen bis 2014 verdoppeln - auf bis zu acht Milliarden Dollar pro Jahr. Die Firma Dell spendet zehn Millionen für Technologie an Grundschulen, Exxon eine Million für eine bessere Ausbildung von Frauen. Hinzu kommen noch einige weitere Spenden.

Die größte Hilfsaktion verkündete die Uno selbst. Bis 2015 sollen Regierungen, Hilfsorganisationen und Privatpersonen insgesamt rund 40 Milliarden Dollar spenden. 16 Millionen Frauen und Kinder sollen damit vor dem Tod durch Krankheiten, Geburtsfehler oder schlechter Versorgung gerettet werden. Laut Berechnungen von Unicef starben 2009 insgesamt rund 8,1 Millionen Kinder vor dem fünften Lebensjahr - das sind gut 24.000 jeden Tag. 200 Millionen Kinder leiden unter chronischem Nahrungsmangel.

Angesichts solch gewaltiger Probleme sind die Bemühungen der Uno nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Experten schätzen, dass allein bis 2015 Hilfen in Höhe von 169 Milliarden Dollar erforderlich wären, um die Kinder- und Müttersterblichkeit signifikant zu senken.

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Forum - Milleniumsziele - was haben die Vereinten Nationen erreicht?
insgesamt 318 Beiträge
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1. Zwischenbilanz gar nicht so schlecht
SaT 20.09.2010
Die Menschheit wächst rapide – die Zahl der in absoluten Armut lebenden ist dagegen stabil oder sinkt – so schlecht sieht es also gar nicht aus. Ansonsten finde ich es absurd wenn die „Welt“ (gemeint ist hier ja die so genannte erste Welt) beschließt Armut und Hunger bis irgendwann zu halbieren. Als hätten die, die dies beschlossen haben, in der Hand. Wenn die Bevölkerung in Entwicklungsländer weiterhin so wächst und die der Industrieländer so rapide abnimmt, werden wir die Karre gegen die Wand fahren – egal wie gut oder schlecht die Zwischenbilanzen aussehen.
2.
Interessierter0815 20.09.2010
Zitat von SaTDie Menschheit wächst rapide – die Zahl der in absoluten Armut lebenden ist dagegen stabil oder sinkt – so schlecht sieht es also gar nicht aus. Ansonsten finde ich es absurd wenn die „Welt“ (gemeint ist hier ja die so genannte erste Welt) beschließt Armut und Hunger bis irgendwann zu halbieren. Als hätten die, die dies beschlossen haben, in der Hand. Wenn die Bevölkerung in Entwicklungsländer weiterhin so wächst und die der Industrieländer so rapide abnimmt, werden wir die Karre gegen die Wand fahren – egal wie gut oder schlecht die Zwischenbilanzen aussehen.
Die Arbeitslosenstatistik sieht auch nicht so schlecht aus... Tagträumer!
3. ?
elektro-ing 20.09.2010
Vergleicht man die Summen für die Rüstung mit den Summen für die Armutsbekämpfung wird klar welche Ziele wirklich verfolgt werden. Das die Armut beseitigt werden soll ist doch nicht mehr als ein Lippenbekenntnis!
4. Grafik verwirrend
ein schäfchen 20.09.2010
Die zum Artikel gehörende Grafik mit dem tendenziösen Titel:"Lähmende Hilfe?" zeigt angeblich den Anteil von Entwicklungshilfe am BSP des jeweiligen Landes. In Liberia beträgt dieser Anteil 185%. Das ist wirklich sehr erstaunlich.
5. Milleniumsziele - was haben die VereintenNationen erreicht?
chirin 20.09.2010
Zitat von sysopVor zehn Jahren hat sich die Uno acht "Milleniumsziele" gesetzt: Armut und Hunger sollen unter anderem bis 2015 bekämpft, die Gleichstellung der Frau vorangetrieben und die Gesundheit von Kindern und Müttern verbessert werden. Auf einem Gipfel in New York ziehen mehr als 100 Staats- und Regierungschefs nun Bilanz. Was ist Ihre Meinung? Können diese Ziele erreicht werden? Haben die Industrieländer genug getan?
Übergenug haben die Industrieländer getan, allerdings kommt doch kaum etwas bei den Betroffenen an. Statt Geld sollte lieber Hilfe zur Selbsthilfe geleistet werden, wobei in den verschiednen moslemisch geprägten Länder wie Sudan, Soamlia etc., verheerende Zustände herrschen. Da kann man dann nichts tun!
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Kinderarmut: Wenn die Jüngsten leiden

Uno-Millenniumsziele

Im Jahr 2000 haben sich 189 Staaten auf der Vollversammlung der Vereinten Nationen auf acht "Millenniumsziele" geeinigt. Ihre Umsetzung erweist sich allerdings als schwierig:

Armut

Der Anteil der unter Hunger und Armut leidenden Menschen in der Welt soll - ausgehend vom Niveau von 1990 - bis 2015 halbiert werden. 1990 mussten 1,25 Milliarden Menschen mit weniger als einem US-Dollar pro Tag auskommen, 14 Jahre später waren es noch 980 Millionen Menschen. Laut Weltbank hat immer noch mehr als eine Milliarde Menschen nicht genug zu essen.

Grundbildung

Bis 2015 sollen alle Kinder eine Grundschulbildung vollständig abschließen können. 2007 konnten nach einem Bericht des Kinderhilfswerks Unicef 93 Millionen Kinder keine Schule besuchen. Das sind 20 Prozent weniger als fünf Jahre zuvor. Besonders Mädchen sind noch immer benachteiligt.

Gleichberechtigung

Die Diskriminierung der Frauen soll weltweit überwunden werden. Bisher änderte sich in vielen Ländern aber nur wenig. Das Ziel, geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Grundschulbildung bis 2005 zu beseitigen, wurde verfehlt. Laut Bildungsorganisation Unesco hatten 2007 von den 171 Ländern, für die Daten vorlagen, nur 53 die Geschlechterparität erreicht.

Kindersterblichkeit

Die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren soll bis 2015 um zwei Drittel sinken. Weltweit erleben laut Unicef 9,2 Millionen Kinder ihren fünften Geburtstag nicht. Vor acht Jahren waren es 12,7 Millionen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kritisiert die Fortschritte als unzureichend und fordert, dass den mehr als hundert Millionen Kindern dringend geholfen wird, die an den Folgen von Unterernährung leiden.

Müttergesundheit

Die Müttersterblichkeit soll bis 2015 um drei Viertel sinken. Eine halbe Million Frauen stirbt jährlich nach Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt, 99 Prozent von ihnen in Entwicklungsländern. Seit 1995 hat die Zahl medizinischer Helfer bei Entbindungen zugenommen, aber nur leicht. 1990 wurden 53 Prozent der Geburten von Fachpersonal betreut, bis 2007 stieg die Zahl auf 63 Prozent.

Gesundheit

Die Ausbreitung von Aids, Malaria und anderen schweren Krankheiten soll bis 2015 zum Stillstand gebracht und allmählich umgekehrt werden. Die Zahl der HIV-Ansteckungen ging laut WHO zwischen 2001 und 2008 um 16 Prozent zurück. Aber nur ein Drittel der 33,2 Millionen bedürftigen Aidskranken könne derzeit behandelt werden, sagte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) 2008. Die Behandlung von Malaria und Tuberkulose ist heute laut WHO sehr wirksam, die Ergebnisse in einzelnen Regionen seien aber sehr unterschiedlich.

Ökologische Nachhaltigkeit

Ziel ist es, weltweit ökologisch effizient zu wirtschaften und Naturressourcen und Energie umweltschonend zu nutzen. Die Zahl derer, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, soll halbiert werden. Nach WHO-Angaben haben 2010 weltweit 87 Prozent Zugang zu Trinkwasser. Damit könnte ein Millenniumsziel erreicht werden. Allerdings sagen Experten voraus, dass bis 2015 noch immer 2,1 Milliarden Menschen ohne sanitäre Grundversorgung sein werden.

Entwicklungspartnerschaft

Durch allgemeine Allianzen von Staat, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft sollen wirksame Beiträge zur Erreichung der Millenniumsziele geleistet und das hohe Kooperationspotential optimal genutzt werden. Die Uno registrierte 2009 vor dem Hintergrund der weltweiten Wirtschaftskrise, dass die von reichen Staaten für Entwicklungsziele versprochenen Gelder weit zurückhaltender eingehen als zuvor.

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