Abstimmung auf der Krim Tataren sprechen sich für Autonomie aus

Die Tataren auf der Krim fordern einen autonomen Status. Bei einer Abstimmung sprachen sich Vertreter des Turkvolkes dafür aus, die Selbstbestimmung voranzubringen. Allerdings bewies ihre Debatte, wie schwer sie sich mit einer gemeinsamen Haltung tun.

Abstimmung auf der Krim: "Nationale und territoriale Autonomie"
DPA

Abstimmung auf der Krim: "Nationale und territoriale Autonomie"


Bachtschyssaraj - Zwei Wochen nach dem Referendum über die Loslösung der Krim von der Ukraine haben sich die Tataren auf der Halbinsel für ihre Selbstbestimmung ausgesprochen. Vertreter der rund 300.000 Krim-Tataren votierten bei einer Versammlung in der Stadt Bachtschyssaraj am Samstag dafür, Schritte in Richtung einer Autonomie einzuleiten.

Grundlage für die Abstimmung war eine Resolution, die "politische und rechtliche Schritte" vorsieht, um "den Tataren auf ihrem historischen Gebiet, der Krim, nationale und territoriale Autonomie zu gewähren".

Die versammelten Tataren debattierten stundenlang, allerdings blieb auch danach unklar, wie die Selbstbestimmung umgesetzt werden soll und ob die angestrebte autonome Einheit innerhalb der Ukraine oder Russlands liegen soll.

Die Debatte förderte höchst unterschiedliche Sichtweisen zutage: Während einige Versammlungsteilnehmer in keinem Fall Teil Russlands sein wollen, weil dies an die Zeit der Sowjetunion erinnere, plädierten andere für Pragmatismus: "Wir sind nur daran interessiert, handfeste Garantien für unsere Sicherheit und die Entwicklung der Krim-Tataren zu bekommen", sagte Ali Chamsin aus der Volksvertretung der Krim-Tataren.

Das muslimisch geprägte Turkvolk hatte vor zwei Wochen das von der prorussischen Regionalführung organisierte Referendum über die Loslösung der Krim von der Ukraine boykottiert. Die Tataren machen zwölf Prozent der Bevölkerung der Schwarzmeerhalbinsel aus, deren meisten Einwohner Russen sind. Nach dem deutlichen Votum der Referendumsteilnehmer für eine Loslösung von der Ukraine hatte Russland die Krim in sein Staatsgebiet aufgenommen.

Die Tataren haben ein gespanntes Verhältnis zu Moskau, seit Diktator Josef Stalin sie am Ende des Zweiten Weltkriegs massenhaft von der Krim nach Zentralasien deportieren ließ. Die Hälfte der Betroffenen starb noch auf dem Weg dorthin. Erst Ende der achtziger Jahre durften die Tataren auf die Krim zurückkehren.

bim/AFP

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insgesamt 138 Beiträge
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SteigerF 30.03.2014
1.
Putin ist ein Verfechter des Selbstbestimmungsrechts, zumindest wenn es sich um ethnische Russen handelt oder um abtrünnige Provinzen ehermaliger Sowjetrepubliken, welche die Nähe zu Russland suchen - siehe Abchasien. Aber ein Volk nicht-ethnischer Russen innerhalb Russlands, welches auch noch eine Minderheit in dieser Region darstellt und viele Mitglieder dazu noch offen moskaukritisch sind? Ich weiss nicht, wie viel Autonomie man solch einer Volksgruppe geben wird. Man wird sehen.
pragmat 30.03.2014
2. Davotglu
Zitat von sysopDPADie Tataren auf der Krim fordern einen autonomen Status. Bei einer Abstimmung sprachen sich Vertreter des Turkvolks dafür aus, die Selbstbestimmung voranzubringen. Allerdings bewies ihre Debatte, wie schwer sie sich mit einer gemeinsamen Haltung tun. http://www.spiegel.de/politik/ausland/abstimmung-auf-der-krim-tartaren-wollen-autonomie-a-961529.html
Da haben Erdogan und sein Aussenminister, der häufiger auf der Krim war, ganze Arbeit geleistet. Erst beteiligen sich die Tataren nicht an der Abstimmung der ganzen Bevölkerung und jetzt wollen sie eine Abstimmung nur für sich. Kein Wunder, dass sie nicht wissen was sie wollen. Vereint sind nur in ihrem Hass auf die Russen.
augu1941 30.03.2014
3.
Nur logisch, dass die Tataren diesen Anspruch auf Autonomie haben, nachdem die Krimrussen sich für unabhängig von der Ukraine erklärt haben. Es ist glaube ich besser für sie, die Gunst der Stunde zu nutzen und möglichst viel Autonomie und Sonderrechte in Verhandlungen zu erreichen als die Abtrennung der Krim von der Ukraine zu ignorieren.
bernd.lind 30.03.2014
4. Ein gutes Signal
Die Krim-Tataren tun sich schwer mit der Autonomie. Ist verständlich, sie waren in den langen Jahren der russischen Herrschaft - und auch in der Ukraine - eine verächtlichgemachte Ethnie. Jetzt haben sie erstmals die Chance auf eine echte Autonomie. Es ist zu hoffen, dass die Russen das akzeptieren. Übrigens hat uns, die wir die Russen - wir Deutschen - nicht ablehnen, Herr Blome, der Tiefenanalytiker, des Stockholm-Syndroms bezichtigt. Wir sind also Geiseln Russlands, nur weil wir den Sermon der Eliten nicht wiederkäuen.
rbn 30.03.2014
5. gleiches Recht für alle Minderheiten in Russland, Herr Putin,
Zitat von sysopDPADie Tataren auf der Krim fordern einen autonomen Status. Bei einer Abstimmung sprachen sich Vertreter des Turkvolks dafür aus, die Selbstbestimmung voranzubringen. Allerdings bewies ihre Debatte, wie schwer sie sich mit einer gemeinsamen Haltung tun. http://www.spiegel.de/politik/ausland/abstimmung-auf-der-krim-tartaren-wollen-autonomie-a-961529.html
oder hat sich Sibirien freiwillig den Zaren unterworfen ? Wenn die Russen in der Ukraine über ihre Zugehörigkeit abstimmen durften, warum dann nicht die Japaner auf vier klitzekleinen Kurileninseln, die sich Stalin holte und auf die Russland garantiert nicht angewiesen ist. Aber es geht natürlich ums "Prinzip". Den Kantschen Imperativ haben die Russen trotz der Eingliederung der Kantschen Heimat immer noch nicht verstanden.
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