Absturz von Smolensk Polen fordern Neufassung des Crash-Berichts

Warschau begehrt gegen den russischen Abschlussbericht zur Flugzeugtragödie von Smolensk auf, der die Hauptschuld am Absturz einem beschwipsten polnischen Offizier gibt. Im Visier der Kritiker: die russischen Fluglotsen. Die Regierung verlangt nun eine neue Version.


Warschau/Moskau - Mit massiven Zweifeln und Vorwürfen gegen russische Fluglotsen hat Polen auf Moskaus Untersuchungsbericht zum Flugzeugabsturz von Präsident Lech Kaczynski reagiert. Der polnische Regierungschef Donald Tusk kritisierte die Ergebnisse als "unvollständig". "Nur einige polnische Bemerkungen wurden berücksichtigt", sagte Tusk am Donnerstag in Warschau. Zuvor hatte schon Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski, der Bruder des getöteten Lech, scharfe Kritik am russischen Bericht geübt.

Der polnische Ministerpräsident warf den russischen Ermittlern Verfahrensfehler vor. Um eine "gemeinsame Version" zu erarbeiten, müsse es weitere Gespräche mit der russischen Seite geben, sagte Tusk. Sein Land stelle die russischen Schlussfolgerungen nicht in Frage, sondern weise nur auf Mängel hin. Russland sollte den Mut haben, die ganze Wahrheit zu zeigen, meinte Tusk. Er selbst will nun mit der russischen Regierung über eine Endfassung des Berichtes verhandeln. Sollten die Gespräche scheitern, könnten auch internationale Spezialisten beauftragt werden

Die russische Untersuchungskommission hatte am Mittwoch in Moskau ihren Bericht zum Absturz vom April 2010, bei dem alle 96 Insassen starben, vorgelegt. Darin wird die gesamte Schuld an der Katastrophe der polnischen Seite zugewiesen, unter anderem den Piloten.

Polens Innenminister Jerzy Miller gab dagegen den Fluglotsen im westrussischen Smolensk Mitschuld. Sie seien beim Anflug der Präsidentenmaschine am 10. April 2010 abgelenkt gewesen. Russlands Transportminister Igor Lewitin wies dies zurück. Es gebe auf dem Stimmenrekorder eindeutige Beweise für den Druck des polnischen Luftwaffenchefs Andrzej Blasik auf die Piloten, trotz schlechten Wetters zu landen, sagte Lewitin nach Angaben der Agentur Interfax.

Moskaus Außenminister Sergej Lawrow wies die polnische Kritik als verleumderisch zurück. "Ich hoffe, dass es keine Spekulationen geben wird, und dass niemand versuchen wird, aus dieser Tragödie politisch Kapital zu schlagen", warnte Lawrow. Die Kommission sei "unabhängig". In ihrem rund 200 Seiten starken Bericht hatte das mit russischen Experten besetzte Gremium am Vortag die Hauptschuld der polnischen Seite zugewiesen.

Im Parlament in Warschau wies die Witwe des Luftwaffenchefs Blasik den Vorwurf zurück, ihr Mann habe mit 0,6 Promille Alkohol im Blut die Piloten trotz Warnung der russischen Flugüberwachung zur Landung gezwungen. Ewa Blasik sprach von einem "schändlichen Versuch, das Andenken an meinen Mann zu verleumden".

In Polen wurde mehrfach kritisiert, Hinweise auf Fehler der Fluglotsen sowie auf den schlechten Zustand des Flughafens seien in dem Moskauer Papier als unwichtig eingestuft worden. Warschaus Innenminister Miller kündigte für die kommende Woche die Veröffentlichung der internen Gespräche der russischen Fluglotsen an.

Moskau habe nichts gegen die Initiative Polens, sagte Transportminister Minister Lewitin. "Diese Dialoge sind nicht geheim." Der Tower in Smolensk habe der Maschine die Landung nicht verbieten können, sagte er. Internationales Recht gebe Fluglotsen grundsätzlich kein Mandat für solche Anweisungen.

Der Zwillingsbruder des gestorbenen Präsidenten, der Oppositionspolitiker Jaroslaw Kaczynski, hatte den Bericht als "Hohn für Polen" kritisiert. Die Präsidentendelegation war auf dem Weg zu einer Gedenkfeier im westrussischen Katyn, dem Ort eines sowjetischen Massakers an Tausenden Polen im Frühjahr 1940. In der Trauer um die Opfer der Flugzeugkatastrophe hatten Polen und Russland erstmals nach Jahren der Spannungen zueinandergefunden. Wegen des Streits um den Untersuchungsbericht zu dem Unglück mit der TU-154 stellen viele Polen die Versöhnung nun aber in Frage.

ffr/dpa/Reuters/AFP



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insgesamt 46 Beiträge
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Seite 1
marant 13.01.2011
1. ttt
Zitat von sysopWarschau begehrt gegen den russischen Abschlussbericht zur Flugzeugtragödie von Smolensk auf, der die Hauptschuld am Absturz einem beschwipsten polnischen Offizier gibt. Im Visier der Kritiker: die russischen Fluglotsen. Die Regierung verlangt nun eine neue Version. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,739425,00.html
Wie wärs wenn beide beschwipst wären: sowohl der polnische Offizier wie auch die russischen Fluglotsen ? könnten die beiden Seiten mit so einem Abschlußabschlussbericht leben ? diplomatisch ausgedrückt.
OvErDrIvE, 13.01.2011
2. omg
Oh noes, not this shit again...
Gandhi, 13.01.2011
3. Dann fragt sich,
Zitat von marantWie wärs wenn beide beschwipst wären: sowohl der polnische Offizier wie auch die russischen Fluglotsen ? könnten die beiden Seiten mit so einem Abschlußabschlussbericht leben ? diplomatisch ausgedrückt.
welcher Wodka besser ist, Wyborowa oder Stolichnaya?
marant 13.01.2011
4. ttt
Zitat von Gandhiwelcher Wodka besser ist, Wyborowa oder Stolichnaya?
wie wärs mit Zobrowka mit einem echten Büffelgras, wächst an beiden Grenzen ? wäre das nicht Anfang einer wunderbaren Freundschaft ?
Michael KaiRo 13.01.2011
5. Besser ist ...
Zitat von Gandhiwelcher Wodka besser ist, Wyborowa oder Stolichnaya?
Wodka Wyborowa, denn der ist dreifach gebrannt :-)
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