Abu Dhabi Empörung über Folter-Video

Der Mann wird mit einem Elektroschocker gefoltert, beschimpft und schließlich überfahren: Ein Video aus Abu Dhabi sorgt in Internet-Foren für Empörung. Einer der Folterer soll Mitglied der Herrscherfamilie des Emirats sein.


Abu Dhabi/Istanbul - Das zuerst vom US-Sender ABC ausgestrahlte Video zeigt die brutale Misshandlung eines Mannes aus Afghanistan, der angeblich von einem Mitglied der Herrscherfamilie von Abu Dhabi gefoltert wird. Doch ein Sprecher des Innenministeriums der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wollte sich dazu am Montag in Abu Dhabi nicht äußern: "Wir haben dazu keinen Kommentar abzugeben."

ABC-Video: Scheich unter Verdacht

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Das Video, das aus dem Jahr 2004 stammen soll, zeigt, wie der gefesselte Mann in der Wüste von zwei Männern unter anderem mit einem Elektroschocker gefoltert wird. Die Männer beschimpfen ihn in arabischer Sprache und stopfen ihm Sand in Mund und Nase. Schließlich wird er mit einem Wagen überfahren.

Einer der beiden Männer trägt eine Polizeiuniform. Bei dem zweiten Mann soll es sich nach US-Medienberichten um Scheich Issa Bin Said al-Nahjan, einen Bruder des Kronprinzen von Abu Dhabi, Scheich Mohammed Bin Said al-Nahjan, handeln. Das Opfer ist offenbar ein Getreidehändler, von dem sich Issa Bin Said al-Nahjan betrogen fühlte. Der Afghane überlebte die Tortur, musste aber für mehrere Wochen ins Krankenhaus.

ABC hatte vergangene Woche gemeldet, das Innenministerium in Abu Dhabi habe eingeräumt, dass der zweite Mann Scheich Issa sei. Ein Sprecher des Ministeriums sagte jedoch am Montag, das Innenministerium habe zu dem Fall bislang keinerlei Erklärungen abgegeben.

Das Video soll von Bassam Nabulsi aus Houston (Texas) aus dem Land geschmuggelt worden sein. Er war ein ehemaliger Geschäftspartner des Scheichs. Nabulsi klagte Issa Bin Said al-Nahjan vor einem US-Bundesgericht an. Denn bevor er Abu Dhabi verließ, soll der Prinz ihn für mehrere Wochen inhaftiert haben, um die Videoaufnahmen zu bekommen.

In Internet-Foren und bei Menschenrechtsorganisationen sorgt das Video für Empörung. Die auf dem Video zu sehenden Szenen seien eine "große Schande", sagte zum Beispiel Sarah Leah, Sprecherin von Human Rights Watch.

als/dpa



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