Abu Ghureib Chronologie eines Folter-Skandals

In Mannheim müssen sich seit Montag vier US-Soldaten einer Anhörung vor einem Militärgericht zu den Foltervorwürfen im berüchtigten Bagdader Abu Ghureib Gefängnis stellen. Der US-Soldat Jeremy Sivits wurde bereits im Mai schuldig gesprochen und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Eine Chronologie der Ereignisse.


13. Oktober 2003:

Generalmajor Donald Ryder leitet eine Untersuchung der Zustände in den irakischen Gefängnissen ein. Er kritisiert unter anderem, dass die als Aufseher eingesetzten Militärpolizisten für diese Aufgabe nicht hinreichend ausgebildet worden seien.

13. Januar 2004: Der Soldat Joseph Darby meldet als erster Angehöriger der Streitkräfte Fälle von Misshandlungen im Gefängnis Abu Ghureib bei Bagdad.

16. Januar: Generalleutnant Ricardo Sanchez ordnet strafrechtliche Ermittlungen an.

18. Januar: Zwei Offiziere im Gefängnis Abu Ghureib werden von ihren Aufgaben entbunden.

31. Januar: Generalmajor Antonio Taguba wird mit einer Sonderuntersuchung der Zustände in der 800. Brigade der Militärpolizei beauftragt, die auch für die Bewachung der Häftlinge in Abu Ghureib zuständig ist.

Ende Januar/Anfang Februar: Verteidigungsminister Donald Rumsfeld unterrichtet Präsident George W. Bush von den Ermittlungen.

12. März: Taguba legt der Führung der Streitkräfte seinen Bericht vor. Er stellt weit reichende Fälle von Misshandlungen fest.

Mitte April: Generalstabschef Richard Myers bittet den Fernsehsender CBS, wegen der anhaltenden Kämpfe im Irak die geplante Veröffentlichung von Fotos mit Misshandlungen zu verschieben.

28. April: CBS veröffentlicht die Fotos, was einen internationalen Aufschrei der Empörung auslöst.

30. April: Generalmajor Geoffrey Miller, bisher für das Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba zuständig, wird mit der Leitung der US-Gefängnisse im Irak beauftragt.

3. Mai: Bush fordert Rumsfeld auf, die strafrechtliche Verfolgung der Täter sicherzustellen.

6. Mai: Bush entschuldigt sich bei der arabischen Welt für die Misshandlungen und bekräftigt seinen Willen, Rumsfeld im Kabinett zu behalten.

9. Mai: Gegen den Soldaten Jeremy Sivits aus Abu Ghureib wird ein erster Militärgerichtsprozess angesetzt.

11. Mai: Eine extremistische Gruppe zeigt im Internet ein Video mit der Enthauptung des Amerikaners Nick Berg und bezeichnet diese als Rache für die Misshandlungen.

13. Mai: Rumsfeld besichtigt das Gefängnis Abu Ghureib.

19. Mai: Sivits wird nach einem Geständnis von einem Militärgericht in Bagdad schuldig gesprochen. Drei weitere Beschuldigte lehnen es ab, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Außerdem werden neue schockierende Bilder veröffentlicht, auf denen amerikanische Soldaten lachend und mit erhobenen Daumen neben einem toten und offenbar brutal misshandelten Iraker posieren.

20. Mai: Die US-Streitkräfte leiten Prozesse gegen zwei weitere Soldaten ein.

21. Mai: Aus Abu Ghureib freigelassene Iraker berichten über Erniedrigungen und Demütigungen.

25. Mai: Die US-Streitkräfte berufen zwei Generäle ab, darunter den Kommandeur der US-Truppen im Irak, Generalleutnant Ricardo Sanchez.

29. Mai: US-Soldaten berichten über Misshandlungen irakischer Gefangener auch in anderen Haftanstalten.

21. Juni: In einem zweiten Prozess weisen die US-Soldaten Javal Davis, Charles Graner und Ivan Frederick vor einem Militärgericht in Bagdad Vorwürfe der Misshandlung von Häftlingen zurück. Der Richter erklärt das Gefängnis Abu Ghureib zu einem Tatort und untersagt einen Abriss der Gebäude, wie ihn US-Präsident Bush vorgeschlagen hatte.

22. Juli: Ein Untersuchungsbericht der US-Streitkräfte zählt insgesamt 94 bestätigte oder angebliche Fälle von Misshandlung und Erniedrigung im Irak und in Afghanistan auf.

3. August: Ein Militärausschuss in den USA prüft einen möglichen Prozess gegen die Soldatin Lynndie England.

8. August: Englands Anhörung wird vorübergehend ausgesetzt.

22. August: In einem Mannheimer US-Stützpunkt wird die Anhörung von vier amerikanischen Soldaten fortgesetzt, die im Abu-Ghureib-Gefängnis irakische Gefangene misshandelt haben sollen. Unter ihnen ist auch Graner, Englands Freund.

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