Abzug aus Afghanistan: Obama beordert Tausende Soldaten in die Heimat
In Afghanistan steht ein spürbarer Abzug der US-Streitkräfte bevor. Präsident Obama will am Mittwoch bekannt geben, wann die 30.000 Soldaten abgezogen werden, die er 2009 zusätzlich an den Hindukusch entsandt hat. Tausende Soldaten dürfen wohl schon im Juli zurückkehren.
Washington - Am Mittwoch stellt Barack Obama seine Pläne für den Truppenabzug aus Afghanistan vor. Vor der mit Spannung erwarteten Rede (Donnerstag, 2 Uhr deutscher Zeit) sind die Spekulationen über die Details der Exit-Strategie in vollem Gange. Wie viele US-Soldaten verlassen das Einsatzgebiet am Hindukusch? In welchen Etappen wird der Abzug ablaufen?
Ein Szenario zeichnet der US-Sender CNN unter Berufung auf Regierungskreise. Danach sollen
- bis Ende 2012 insgesamt 30.000 Soldaten aus Afghanistan abgezogen werden. Ende 2009 hatte Obama die bisherige Zahl der Truppen um 30.000 auf insgesamt 100.000 aufgestockt, um die zunehmende Gewalt in Afghanistan zu stoppen. Um die gleiche Anzahl soll der Truppenumfang dem Sender zufolge nun stufenweise ab Juli 2011 bis Ende des kommenden Jahres schrumpfen. Ein Teil der heimkehrenden Soldaten solle nicht mehr ersetzt werden. Auf eine bisher erwogene Neustationierungen würde verzichtet, hieß es weiter.
Auf eine genaue Gesamtzahl legt sich die Nachrichtenagentur AP nicht fest, meldet jedoch, dass
- noch in diesem Jahr 10.000 Soldaten abgezogen werden sollen. 5000 würden nach diesem Szenario schon im Sommer 2011 das Land verlassen, weitere 5000 sollten zum Jahresende folgen.
Nach Darstellung der "New York Times" könnte Obama
- den Abzug von 30.000 Soldaten binnen zwölf Monaten anordnen und die Truppe damit auf die Stärke von 2009 reduzieren. Den genauen Ablauf der Aktion würde er aber den Kommandeuren der Streitkräfte überlassen. Eine ähnliche Lösung hatte es beim Abzug aus dem Irak gegeben.
Obamas Sprecher Jay Carney hatte am Montag erklärt, dass der Präsident noch keine endgültige Entscheidung über die Reduzierungen getroffen habe, sich aber im Endstadium seiner Überlegungen befinde.
Bisher hatte Obama lediglich von einer "bedeutenden" Zahl von US-Soldaten gesprochen, die schon bald aus Afghanistan in ihre Heimat zurückkehren soll. Die jüngsten Erfolge im Kampf gegen das Terrornetzwerk al-Qaida könnten nach Ansicht der "New York Times" Obama zu einer entsprechenden Entscheidung bewegen.
Das Terrornetz sei nach Ansicht der Regierung in der Region vor allem seit dem Tod Osama Bin Ladens so geschwächt, dass viele Soldaten früher heimgeholt werden könnten. Al-Qaida gab zwar nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington die Begründung für den Einmarsch am Hindukusch. Der Hauptgegner sind aber die Taliban und paschtunische Rebellen. Mit den Taliban hat Washington Gespräche aufgenommen.
Die Entscheidung über den US-Abzug kann Konsequenzen für die anderen beteiligten Nato-Staaten wie Deutschland nach sich ziehen. Zudem wären geringere Militärkosten für Afghanistan ein willkommener Beitrag zum Abbau der rekordhohen US-Schulden, über den Regierung und Kongress bis Ende der Woche wenigstens eine Grundsatz-Einigung erreichen wollen.
Schätzungen reichten von 3000 bis 30.000 Soldaten
Die Schätzungen für die erste Phase des Abzugs der US-Soldaten aus Afghanistan beliefen sich bisher auf 3000 bis 5000 Einsatzkräfte. Der oberste Kommandeur der USA, General David Petraeus, hatte dagegen Berichten zufolge eine Heimkehr der 30.000 zusätzlichen Soldaten bis Ende kommenden Jahres gefordert. Verteidigungsminister Robert Gates befürwortet dagegen ein langsameres Vorgehen.
Bis 2014 wollen USA und Nato die Verantwortung für die Sicherheitslage am Hindukusch an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben.
jok/dpa/dapd/AP
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- Dienstag, 21.06.2011 – 18:39 Uhr
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Deutschland übernahm 2006 das Isaf-Kommando für den Norden Afghanistans. 2007 bestellte die Bundeswehr sechs Aufklärungsflugzeuge vom Typ Tornado ab, die Luftbilder aus ganz Afghanistan für Isaf liefern. Die Bundesrepublik stellt derzeit mit mehr als 4000 Soldaten die drittgrößte Truppe nach den USA und Großbritannien.



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