Abzug aus dem Irak US-Truppen überlassen den Söldnern das Feld

Die letzte Kampfbrigade hat das Land verlassen, jetzt will die US-Regierung im Irak die Zahl privater Sicherheitsleute verdoppeln. Was einheimische Kräfte nicht schaffen, sollen dann rund 7000 Söldner leisten: Diplomaten und Entwicklungshelfer beschützen - und womöglich noch weitaus mehr.

AP

Washington - Die US-Kampftruppen sind abgezogen aus dem Irak, doch selbst im amerikanischen Außenministerium scheinen massive Zweifel daran zu bestehen, dass das Land es aus eigener Kraft schaffen kann, für Sicherheit zu sorgen. Denn die Anzahl der privaten Sicherheitsleute soll nach dem Abzug der US-Soldaten auf rund 7000 verdoppelt werden.

Hintergrund sind Sorgen um die Sicherheit der eigenen Landsleute. Außenamtssprecher Philip Crowley sagte, irakische Streitkräfte könnten die US-Soldaten nur zum Teil ersetzen. Es müsse sichergestellt sein, dass etwa "unsere Diplomaten und Entwicklungshelfer gut geschützt sind", sagte er. Es gebe noch keine "präzise" Zahl der künftig angestellten Sicherheitsleute. Die von der "New York Times" ins Spiel gebrachten 7000 seien aber "in der richtigen Größenordnung". Die Zeitung nannte das "eine kleine Armee".

Die "New York Times" hatte berichtet, die Angestellten der Sicherheitsfirmen sollten unter anderem Radaranlagen bedienen und vor feindlichen Angriffen warnen, nach am Straßenrand versteckten Sprengsätzen suchen und Überwachungsdrohnen steuern. Vor allem gehe es auch darum, fünf schwerbewachte Stützpunkte der Sicherheitskräfte zu bewachen. Zu diesen Angaben äußerte sich Crowley nicht.

Am Donnerstag hatten die US-Streitkräfte mehr als sieben Jahre nach dem Einmarsch im Irak ihre letzte Kampfbrigade aus dem Land abgezogen. Nun sind noch rund 56.000 US-Soldaten im Irak stationiert. Bis zum 1. September sollen nach Armeeangaben noch 6000 Soldaten von Kampfeinheiten das Land verlassen, die im Irak verstreut im Einsatz sind. Die verbleibenden 50.000 US-Soldaten sollen beim Aufbau der irakischen Sicherheitskräfte helfen und US-Einrichtungen schützen. Bis Ende 2011 sollen alle US-Soldaten das Land verlassen haben.

Söldner nach Blackwater-Skandal 2007 im Zwielicht

Die Anwesenheit von privaten Sicherheitskräften im Irak hat in der Vergangenheit immer wieder zu Spannungen zwischen den USA und der irakischen Regierung geführt. Höhepunkt war ein Skandal aus dem Jahr 2007, als Angestellte der US-Firma Blackwater 2007 in Bagdad das Feuer eröffnet und 17 Zivilisten getötet hatten.

Von den USA angeführte Truppen waren 2003 in den Irak einmarschiert und hatten den damaligen Diktator Saddam Hussein gestürzt. Der Krieg dauert damit länger als der Zweite Weltkrieg oder der amerikanische Bürgerkrieg. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums vom Mittwoch sind bislang 4419 US-Soldaten im Irak getötet worden. Bei den Kämpfen und der nachfolgenden Gewalt zwischen verschiedenen Volksgruppen sind Schätzungen zufolge 106.000 Iraker ums Leben gekommen.

Im Vergleich zu früheren Jahren hat die Gewalt im Irak zwar deutlich abgenommen. Doch die Sicherheitslage im Land ist alles andere als stabil, immer wieder kommt es zu schweren Anschlägen. Hinzu kommt: Der Irak hat derzeit keine funktionierende Regierung. Nach den Parlamentswahlen vor fünf Monaten konnten sich der bisherige Regierungschef Nuri al-Maliki und sein Kontrahent Ijad Alawi nicht einigen.

ffr/AFP/dpa/Reuters



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Seite 1
dehnübung 20.08.2010
1. Irak/Afghanistan
Na, dann schauen wir uns mal an was im Irak passiert. Ein Vorgeschmack auf die Zukunft in Afghanistan.
dietmarberger 20.08.2010
2. Super, dann kann's wenigstens mal abgehen.......
Weniger Debatten, kein nachfolgender Zirkus, so als Parlamentsmandat o.Ä. Mensch, das ist wirklich mein Fall, sowas im Stil der Fremdenlegion. Glaubt bloss nicht dass ich einer von diesen armseligen A-Team Abkömmligen bin, nee, weit gefehlt, hab nur Spass am `Dreckaufkehren' von den Amis, da ich mal dazugehört hab. Also, mal sehen ob die einen Kurzwellen Funkspezialisten brauchen, der in Südamerika 'durch den Sumpf' gefunkt hat. Viel Lust hätte ich schon drauf!
Bre-Men, 20.08.2010
3. Kampftruppen
Zitat von sysopFast alle Kampftruppen sind schon abgezogen, jetzt will die US-Regierung im Irak die Anzahl der privaten Sicherheitsleute verdoppeln. Was einheimische Kräfte nicht schaffen, sollen dann rund 7000 Söldner leisten: Diplomaten und Entwicklungshelfer beschützen - und womöglich weitaus mehr. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,712797,00.html
Es bleiben also 50.000 Soldaten im Land. Wie definiert man einen Abzug? Den Leuten wird erzählt dies seien nur Beschützer und Entzwicklungshelfer, wers glaubt. Diese 7000 Söldner sind ausländische Bewaffnete, also eigentlich Terroristen. Stabiler kann man ein Land nicht hinterlassen. Für einen verlorerenen Krieg ist das aber noch sehr glimpflich.
Viva24 20.08.2010
4. Jede wusste es, keiner hat etwas gesagt.
Jeder wusste doch, dass eine Invasion sehr teuer wird (über 1.0000 Mrd US)und das die Besatzung nur zeitlich begrenzt sein kann, auch aus finaziellen Mitteln. Das danach das Land in einem Bürgerkrieg versinkt, da es keine einheitliche Nation ist, wusste man doch!. Wer hat also hier gewonnnen. Die Freunde von G.W.Bush, die im Irak Öl fördern haben doch hier einen schnellen Dollar gemacht, auf Kosten der US Steuerzahler. Nun sind Sie gierig nach den Rohstoffen des Iran.....
tristan1936 20.08.2010
5. genfer konvention -nicht für söldner(wikipeda)
die genfer konvention gilt nur für angehörige der beiden im krieg befindlichen nationen.söldner stehen daher bei gefangennahme außerhalb des schutzes der G.V. sie werden als bewaffnete zivilpersonen in fremdem land angesehen und können in zivilprozessen abgeurteilt werden,meist todesurteil,wenn sie nicht gleich umgelegt werden.das erklärt auch die brutale rücksichtslosigkeit dieser söldner. der vermeintliche abzug der usa ist wieder nur augenwischerei.unter den sog.ausbildern,diplomaten etc tummeln sich nichts anderes als mordkommandos,sabotagetrupps etc. man kann den irakern nur wünschen,diesen westlichen abschaum bald aus dem lande zu jagen.
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