Abzugspläne: Irak will US-Soldaten im Land behalten

Auch nach dem offiziellen Abzug Ende des Jahres bleiben wohl US-Truppen im Irak: Der irakische Staatschef Talabani will die Stationierung von mehr als 5000 Soldaten - aber die wichtigste Bedingung der Amerikaner nicht erfüllen.

US-Soldat im Irak (Archivaufnahme): Tausende Amerikaner sollen bleiben Zur Großansicht
AFP

US-Soldat im Irak (Archivaufnahme): Tausende Amerikaner sollen bleiben

Bagdad - Die Regierung in Bagdad hat die USA gebeten, mehr als 5000 Soldaten auch nach dem offiziellen Abzugstermin für ihre Truppen im Irak zu belassen. Staatspräsident Dschalal Talabani sagte der regierungsamtlichen Zeitung "Al-Sabah", die Parteien stünden geschlossen hinter dieser Entscheidung.

Die Einheiten sollten helfen, den irakischen Truppen die Handhabung der von ihnen erworbenen modernen Waffen zu erklären. Den US-Soldaten solle aber keine Immunität gewährt werden.

Das war jedoch der zentrale Wunsch der Amerikaner. Die hatten in der Vergangenheit mehrfach ihre Bereitschaft erklärt, einen Teil der derzeit noch rund 43 000 Soldaten auch nach dem Abzugstermin Ende 2011 im Irak zu lassen. Seit Monaten verhandeln die USA und Iraker über den Verbleib von bis zu 10.000 Soldaten. Doch die US-Regierung in Washington hatte gefordert, dass ihre Soldaten in keinem Fall von der irakischen Justiz belangt werden dürften.

Von den einflussreichen irakischen Parteien fordert bislang nur die eng mit dem Iran kooperierende schiitische Sadr-Bewegung den vollständigen Abzug der Amerikaner zum Jahresende.

Die Vereinbarung über den schrittweisen Abzug der US-Truppen aus dem Irak war noch in der Ära von Präsident George W. Bush unterzeichnet worden. Der Vorgänger von Barack Obama hatte im Frühjahr 2003 die Invasion zum Sturz von Präsident Saddam Hussein angeordnet. Der Krieg hat mehr als 4400 US-Soldaten und mehr als 100.000 irakischen Zivilisten das Leben gekostet.

Doppelanschlag in Bagdad

Die Sicherheitslage ist immer noch extrem schlecht: Erst am Montagabend sind bei einem Doppel-Bombenanschlag in der Hauptstadt Bagdad mindestens 13 Menschen getötet worden. Weitere 22 Menschen wurden durch die Explosionen der Sprengsätze verletzt, berichtete der Nachrichtensender al-Arabija.

Nach diesen Angaben hatte zunächst eine Explosion im Bezirk Washash im Westen der Stadt erste Opfer gefordert. Als sich am Unglücksort Rettungskräfte und Helfer versammelt hatten, um den Verletzten zu helfen, detonierte in unmittelbarer Nähe ein zweiter Sprengsatz.

fab/dpa

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insgesamt 18 Beiträge
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1. Obama´s nächster Krieg
moliebste 11.10.2011
Der Shiiten-Führer Bani Sadr hat angekündigt, dass die shiitischen Milizen nach dem 1.1. 2012 alle US-Truppen sofort angreifen werden, die dann noch im Land seien. Das kann ja lustig werden.
2. ...
Crom 11.10.2011
Zitat von moliebsteDer Shiiten-Führer Bani Sadr hat angekündigt, dass die shiitischen Milizen nach dem 1.1. 2012 alle US-Truppen sofort angreifen werden, die dann noch im Land seien. Das kann ja lustig werden.
*Gähn* Was irgendwelche Milizen verkünden, ist doch uninteressant. Die reden viel, wenn der Tag lang ist.
3. Wie kommen Sie darauf, das ist überhaupt nicht lustig.
jan50 11.10.2011
Zitat von moliebsteDer Shiiten-Führer Bani Sadr hat angekündigt, dass die shiitischen Milizen nach dem 1.1. 2012 alle US-Truppen sofort angreifen werden, die dann noch im Land seien. Das kann ja lustig werden.
Wie kommen Sie darauf, das ist überhaupt nicht lustig.
4. ..
frank4979 11.10.2011
Um es mal genau zu nehmen, verlangt die USA vom Irak, das egal was die Soldaten dort anstellen ( sei es Mord, Vergewaltigung, Paedophilie etc.) von der irakischen Justiz nicht belangt werden duerfen. Genial ausgedacht. Freifahrtsschein fuer alle Verbrecher in Soldatenuniform. Typisch USA.
5. Ist üblich - Deutschland hat auch dieser Regelung zugestimmt.
jan50 11.10.2011
Zitat von frank4979Um es mal genau zu nehmen, verlangt die USA vom Irak, das egal was die Soldaten dort anstellen ( sei es Mord, Vergewaltigung, Paedophilie etc.) von der irakischen Justiz nicht belangt werden duerfen. Genial ausgedacht. Freifahrtsschein fuer alle Verbrecher in Soldatenuniform. Typisch USA.
Ist üblich - Deutschland hat auch dieser Regelung zugestimmt.
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