Saudi-arabischer Außenminister Al-Jubeir "Trump ist kein Verrückter"

Bei der Sicherheitskonferenz in München wird viel über die Angst vor Donald Trump gesprochen. Doch Saudi-Arabien freut sich auf eine enge Kooperation, sagt Außenminister Al-Jubeir - und erklärt, was das mit Nena zu tun hat.

Saudi-Arabiens Außenminister Adel al-Jubeir
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Saudi-Arabiens Außenminister Adel al-Jubeir

Ein Interview von , München


SPIEGEL ONLINE: Minister Al-Jubeir, zwei Tage lang wurde in München über die Zukunft der internationalen Sicherheitspolitik unter dem neuen US-Präsidenten Donald Trump diskutiert, dabei wurde eine breite Unsicherheit sichtbar. Wie sehen Sie die Zukunft?

Al-Jubeir: Ich teile die Angst nicht. Ganz im Gegenteil: Wir sind sehr optimistisch, wir erwarten eine sehr viel engere Kooperation als bisher. Donald Trump ist ein sehr pragmatischer Mann, er ist kein Verrückter, er ist kein Ideologe. Schauen Sie sich sein Kabinett an, vom Außenminister bis zum CIA-Chef, alles fähige Persönlichkeiten mit viel Erfahrung. Trump selbst hat klargemacht, dass die USA unter ihm eine starke Rolle in der Welt spielen werden, dass er den "Islamischen Staat" bekämpfen will, dass er Iran stärker kontrollieren will. Alle diese Ziele teilen wir.

SPIEGEL ONLINE: Aber Sie haben hier auch die vielen Befürchtungen gehört, dass das Risiko von militärischen Auseinandersetzungen, von neuen US-Interventionen unter Trump steigen wird.

Al-Jubeir: Erinnern Sie sich an die Zeit als Ronald Reagan 1980 gewählt wurde. Die Welt, allen voran in Europa, fürchtete einen Atomkrieg. Nena sang in ihrem Popsong "99 Luftballons" vom Ende der Welt, vom Weltkrieg. Was ist dann passiert? Reagan hat die Ausweitung der Sowjetunion verhindert, aber er hat immer gemeinsam mit der Welt gehandelt. Am Ende unterzeichnete er einen Waffenkontrollvertrag mit Moskau. Die düsteren Erwartungen erwiesen sich als falsch. Ganz ähnlich wird es auch bei Trump sein.

SPIEGEL ONLINE: Donald Trump macht offen Stimmung gegen alle Muslime. Seine erste Amtshandlung war ein Einreiseverbot für Menschen aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern. Kein Grund zur Sorge für Saudi-Arabien?

Al-Jubeir: Der Travel Ban richtete sich ausdrücklich nicht gegen Saudi-Arabien, zudem sind die Maßnahmen ja umgehend eingeschränkt worden, sie sind zeitlich limitiert. Saudi-Arabien respektiert das Interesse, die USA sicher zu machen und besser zu kontrollieren, wer ins Land kommt.

SPIEGEL ONLINE: Die Maßnahme wurde als krasse Vorverurteilung von Muslimen verstanden, auch weil Trump im Wahlkampf Ressentiments gegen Muslime benutzte.

Al-Jubeir: Der Präsident hat gesagt, dass sich die Einreisebestimmungen nicht gegen Muslime richteten, sondern gegen Länder, die schlechte Kontrollen haben. Natürlich sind wir besorgt, wenn der Islam generell als Quelle für den Terror weltweit dargestellt wird. Der Islam ist eine friedliche Religion, aber natürlich gibt es auch schwarze Schafe, die sie für Gewalt nutzen. Deswegen aber darf es keine allgemeine Verurteilung geben.

SPIEGEL ONLINE: Die betroffenen Länder sehen das anders.

Al-Jubeir: Ich habe Donald Trump nicht so verstanden, dass er muslimische Länder abstrafen wollte. Schauen wir uns die Beispiele an: Länder wie Libyen oder Somalia haben schlicht keine Regierung, keine Verwaltung. Deswegen trauen ihnen die USA nicht zu, dass sie Reisende in Richtung Amerika vernünftig kontrollieren können. Iran ist weltweit der größte Sponsor von Terrorismus. Da ist es doch nur verständlich, dass die USA mehr Kontrollen einführen wollen.

SPIEGEL ONLINE: Wenn es um Ihren Rivalen Iran geht, redet Trump gern von einer härteren Gangart, vom Ende des Kuschelkurses. Das muss Ihnen gut gefallen.

Al-Jubeir: Die ganze Welt sollte froh darüber sein. Iran ist seit der Revolution 1979 immer davon gekommen, bis heute. Unter Trump wird Teheran lernen müssen, dass seine Aktionen einen Preis haben, dass sie sich nicht ungestraft in Konflikte in ihrer Nachbarschaft einmischen dürfen, dass sie das internationale Recht achten müssen. Wenn Iran wie ein normales Land behandelt werden will, muss es sich auch wie ein solches verhalten.

SPIEGEL ONLINE: Eine dieser Einmischungen ist die Rolle Irans in Syrien. Kurz gesagt ist dort der Diktator Baschar al-Assad durch die iranische und russische Hilfe stabiler denn je. Müssen wir uns damit abfinden, dass er doch eine Zukunft hat?

Al-Jubeir: Ich kann und ich will mir das nicht vorstellen, wir dürfen es auch nicht akzeptieren. Assad ist verantwortlich für den Tod von 600.000 Menschen. Natürlich brauchen wir einen politischen Prozess, einen Übergangsprozess, aber er darf nicht von Assad geführt werden.

SPIEGEL ONLINE: Aber militärisch sieht es düster aus. Die Opposition verliert an Boden, ihre Hochburg Aleppo musste sie aufgeben.

Al-Jubeir: Assad ist nicht stärker geworden. Die nichtsyrischen Kräfte, allen voran Iran und die Hisbollah, kämpfen für ihn. Kein Präsident aber kann seine Macht auf ausländische Kräfte abstützen, um auf seinem Posten zu bleiben. Er ist abhängig von Iran und Russland, doch deren Unterstützung wird nicht endlos sein.

SPIEGEL ONLINE: Saudi-Arabien selbst hat sich auch in einen Konflikt in seiner Nachbarschaft eingemischt und kämpft einen blutigen Krieg im Jemen. Wie lange soll das Blutvergießen noch weitergehen?

Al-Jubeir: Wir haben uns diesen Krieg nicht ausgesucht oder ihn begonnen. Wir haben dem Jemen geholfen, einen politischen Übergang zu organisieren, dann haben die Huthis, eine klare Minderheit im Land, mit der Unterstützung aus Iran ihren Vormarsch auf die Hauptstadt begonnen. Wir haben dann auf die Hilferufe der legitimen Regierung reagiert.

SPIEGEL ONLINE: Und doch fordert der Krieg immer mehr zivile Opfer.

Al-Jubeir: Ich sage es noch mal, wir haben uns diesen Krieg nicht ausgesucht. Die Huthis hatten das Angebot, sich an einer neuen Regierung zu beteiligen, doch sie versuchten eine militärische Übernahme der Macht. Sie sind schuld, dass es einen Krieg gibt, nicht Saudi-Arabien. Die Situation im Jemen ist eine Tragödie, es ist fürchterlich, doch wir tun alles, um humanitäre Hilfe ins Land zu bringen.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie den Krieg denn überhaupt gewinnen?

Al-Jubeir: Die Huthis stehen unter enormen Druck, sie haben schon viele Gebiete verloren, vor allem aber geht ihnen das Geld aus. Sie haben die Zentralbank geplündert und die Rentenkasse, doch heute ist alles leer. Ich hoffe sehr, dass der Krieg dieses Jahr ein Ende findet und wir mit dem Wiederaufbau des Jemen beginnen werden. Saudi-Arabien steht dafür bereit.



insgesamt 145 Beiträge
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Seite 1
Mathesar 19.02.2017
1. Tja...
...eben, der Saudi hat völlig recht. Trump ist kein Irrer und wird insbesondere von der deutschen Qualitätspresse völlig falsch dargestellt. Er arbeitet für sein Volk, schön, wenn man das von unseren Politikern auch sagen könnte....
spon-facebook-1458183583 19.02.2017
2. Und dieser Außenminister
auch nicht. Wenn ich das Interview lese, frage ich mich ob SPON schon auf Bildniveau geht. Das war kein Interview sondern eine Plattform für diesen Trump Fan. Der Typ ist genauso krank wir Trump.
Kanalysiert 19.02.2017
3.
...wie der Kerl, der im Radio hört, es gäbe einen Geisterfahrer auf seiner Autobahn und er schaut sich um und denkt "...einer? Es sind Hunderte...."
leon_2 19.02.2017
4. Ekelhaft
Jedes einzelne gut klingende Wort aus dem Mund dieses Außenministers ist eine Beleidigung für jeden Säkularisten und jeden, der weiß, welche Zustände in Saudi-Arabien herrschen. Der Wahabismus ist das schlimmste Gesicht des Islam.
gelikiel 19.02.2017
5. Trump hat Probleme
aus meiner Sicht leidet er unter einer akuten Belastungsreaktion. Psychoanalytiker nennen diese Symptomatik: inadäquate Realitätswahrnehmung ich hoffe und wünsche mir dass dieser Zustand bald beendet ist.
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