Eskalation in Kairo Dutzende Ägypter sterben bei Straßenschlachten

Bei Straßenschlachten zwischen Muslimbrüdern, ihren Gegnern und Sicherheitskräften sind in Ägypten mehr als 50 Menschen gestorben. Hunderte wurden verletzt, als am 40. Jahrestag des Beginns des Jom-Kippur-Krieges die Gewalt eskalierte.


Kairo - Ein neuer Gewaltausbruch erschüttert Ägypten: Bei Zusammenstößen von Islamisten, deren Gegnern und Sicherheitskräften starben am Sonntag mindestens 51 Menschen. Das berichtet die staatliche Nachrichtenagentur unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Mehr als 240 Menschen wurden verletzt.

Anhänger des abgesetzten Präsidenten Mohammed Mursi aus der islamistischen Muslimbruderschaft sowie Unterstützer der Armee, die Mursi im Sommer gestürzt hatte, hatten zu Kundgebungen aufgerufen. Anlass war der 40. Jahrestag des Jom-Kippur-Krieges mit Israel.

Mehrere Viertel in Kairo glichen Kampfzonen. Die Straßenkämpfe dauerten stundenlang an. Mursis Unterstützer warfen unter anderem Brandbomben auf Polizisten; diese antworteten mit Schüssen und Tränengas. In vielen Straßen lagen Trümmer.

In Kairo wurden allein 24 Menschen getötet, im nahen Gizeh 15 weitere. Auf dem zentralen Tahrir-Platz der Hauptstadt waren Tausende Unterstützer der Armee anlässlich der Feierlichkeiten zusammengekommen. Ursprünglich hatten Islamisten dort eine Großkundgebung geplant. Sicherheitskräfte stellten sich zwischen die politischen Lager.

Rund um den Platz lieferten sich Anhänger der Muslimbrüder und Sicherheitskräfte anschließend stundenlang Kämpfe. Die Polizei nahm nach Angaben staatlicher Medien mehr als 400 Anhänger der Muslimbrüder fest. Das Innenministerium warf ihnen unter anderem Randale vor. Die Muslimbruderschaft forderte auf ihrer Internetseite eine internationale Untersuchung der Vorfälle.

Das Militär hatte Mursi am 3. Juli nach Massenprotesten abgesetzt. Hunderte Muslimbrüder wurden inhaftiert. Die Islamistenorganisation ist inzwischen verboten.

In Ägypten war es bereits am Samstag zu Gewalt gekommen: Bei einem Feuergefecht zwischen Soldaten und Aufständischen wurden nach Mena-Angaben vier Menschen erschossen. Bewaffnete hatten laut der Meldung einen Armeeposten auf einer Verbindungsstraße zwischen Kairo und der Suezkanal-Stadt Ismailia attackiert. Die Angreifer seien getötet, in ihrem Fahrzeug Sturmgewehre gefunden worden.

ulz/dpa/AP

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insgesamt 13 Beiträge
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spon-facebook-10000176689 07.10.2013
1. Unverständlich
Ich versteh das nicht so ganz. Ich dachte immer, man kann nur bei einer Straßenschlacht sterben, wenn man auch hin geht. Sorry aber Demonstration ist die eine Seite. Es so zu extremisieren, dass man selbst dabei das Risiko eingeht sein Leben zu verlieren ist die andere Seite und fällt in den Bereich "Eigenverantwortung" Es ist wie in Syrien. Ob hier einfache Ägypter demonstrieren oder Islamisten ist für uns doch gar nicht erkennbar. Eins ist aber glaube ich Fakt: Ein normaldenkender Mensch würde doch die so lange demonstrieren bis sein Leben in Gefahr gerät der er sonst durch jenen Fanatismus ebenfalls zum Extremisten (welcher Religion auch immer angehörig ist da völlig egal) gerät.
captain2309 07.10.2013
2. Sektierer
Beiträge die sich hier für die Legitimierung und Rückkehr des Islamisten Mursi stark machen, haben wohl mit Absicht vergessen, mit welcher Art von Zustimmung und Wählerschaft diese letztlich an die Macht kamen. Es will doch keiner leugnen wollen, dass mit massivster Beeinflussung und Indoktrination auf die làndliche Bevölkerung zugegangen wurde. In den Grossstàdten hatten die Islamisten keine Mehrheiten. Von Beginn an war es Ziel der Steinzeitler, die traditionelle Stabilität multireligiösen Bürgertums aufzubrechen und gegeneinander aufzubringen. Es ist absolut illusionär anzunehmen, dass sich aus einer verfestigten Macht der Konservativen jemals ein demokratischer, multireligiöser Staat bewahrt hätte. Die scheinheiligen Beteuerungen und gleichzeitg massiven Umbauten in Richtung eines Shariastaates waren voll im Gange. Dank sei einigen wachen und realistischen Köpfen, die diesen Wahnsinn verhinderten. Dass die Todessehnsüchtigen Bildungsverweigerer sich nicht kampflos ergeben werden, war zu erwarten. Letztlich wird aber die moderate Zivilgesellschaft siegen.
spon-facebook-1353271999 07.10.2013
3. optional
Die Anhänger der Bruderschaft haben niemals friedlich demonstriert, sie haben immer öffentliche Einrichtungen bis hin zu den Straßen, auf denen sie kampiert haben, zerstört. Sie haben angekündigt dies weiterhin zu tun und das Land zu zerstören und das sogar öffentlich! Die Regierung hat davor gewarnt und die MB tun es trotzdem. Und zu den Wahlen und die Absetzung des MB Präsidenten, Der abgesetzte Präsident hat mit seiner Partei Ägypten „erobert“ es wurde schnell klar, dass er keins seiner Versprechen halten würde. Die Partei der Bruderschaft hat demokratische Wahl als „gewählte Diktatur“ verstanden und ihre Gegner mundtot gemacht, sehr oft im Sinne des Wortes.
freidimensional 07.10.2013
4. Wie soll das gehen?
[QUOTE=Wahrheit2011;13919293]Warum nimmt der Westen den Putsch (vor ein paar Monaten) einfach so hin? Dieser Putsch war illegal und darf nicht so technokratisch als "Absetzung des ägyptischen.....[/QUOTE Wenn offenbar die Mehrheit der real existierenden Ägypter das taffe Militärregime bevorzugen, dann herrscht ja irgendwie das Volk. Sollte es anders sein, also dass die frommen Muslime als Minderheit der Mehrheit ihre bigotten Vorstellungen aufzwingen?
002614 07.10.2013
5. Verstehe ich das richtig?
Da gehen die Ägypter hin und feiern den 40. Jahrestag des Jom-Kippur-Krieges gegen Israel und dann fallen sie gegenseitig über sich her und töten sogar? - Leider erfährt man in fast allen Artikeln nur immer die Anzahl der Toten.
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