Ägypten 75 Todesurteile gegen Islamisten

Die islamistischen Muslimbrüder hielten in Ägypten 2013 zum gestürzten Präsidenten Morsi. Nun wird ihnen der Prozess gemacht: Mehr als 700 Menschen stehen vor Gericht.

Gericht in Kairo
AP

Gericht in Kairo


Wegen ihrer Proteste nach dem Sturz von Präsident Mohammed Morsi hat ein Gericht in Ägypten 75 Todesurteile gegen Islamisten bestätigt. 31 der verurteilten Muslimbrüder waren während ihrer Verurteilung nicht anwesend, wie das Staatsfernsehen berichtete.

Zuvor hatten die Richter die nicht bindende Meinung des Großmuftis zu dem ursprünglich im Juli gefällten Urteil angehört. Die zum Tod durch den Strang Verurteilten können Berufung einlegen.

Bisher wurde keine Todesstrafe vollstreckt

Im Juli 2013 wurde Präsident Mohammed Morsi, der aus den Reihen der Muslimbrüder kommt, nach Massenprotesten gegen seine autoritäre Herrschaft vom Militär unter dem jetzigen Präsidenten Abdel Fattah el-Sisi gestürzt. Wochenlange Massenproteste seiner Anhänger führten zu dem blutigsten Tag in der jüngeren Geschichte Ägyptens.

Den Morsi-Anhängern vor Gericht werde Aufruf zur Gewalt, Mord und die Organisation illegaler Proteste vorgeworfen. Wegen eines Protestcamps zur Unterstützung Morsis müssen sich 700 Menschen vor Gericht verantworten. Bei der Räumung des Lagers kamen Hunderte Demonstranten ums Leben, laut Amnesty International mehr als 800 Menschen.

Kritik von Menschenrechtsorganisationen

Der Regierung zufolge starben bei den militanten Protesten 43 Polizisten. Der geistliche Führer der Muslimbruderschaft, Mohammed Badie, wurde laut den Justizkreisen zu lebenslanger Haft verurteilt. Seit dem Machtwechsel in Ägypten wurde Tausenden Mursi-Anhängern der Prozess gemacht, zahlreiche wurden zum Tode verurteilt. Bislang wurde keine der Todesstrafen vollstreckt.

Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Prozesse. Unter den Angeklagten befänden sich auch Journalisten und friedliche Demonstranten. Amnesty International bezeichnete das Verfahren als unfair - den Beschuldigten sei das Recht auf eine angemessene Verteidigung verweigert worden.

tin/dpa/Reuters

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