Präsidentenwahl in Ägypten Staatsmedien melden Riesenmehrheit für Sisi

Ägyptens Staatsmedien melden Vollzug: Staatschef Abdel Fattah al-Sisi ist bei der kritisierten Präsidentenwahl nach ersten Prognosen mit 92 Prozent der Stimmen in seinem Amt bestätigt worden. Allerdings war die Wahlbeteiligung desaströs.

Abdel Fattah al-Sisi
AFP

Abdel Fattah al-Sisi


Bei der Präsidentenwahl in Ägypten ist Staatschef Abdel Fattah al-Sisi nach Angaben der Staatsmedien im Amt wiedergewählt worden. Nach ersten Prognosen habe er 92 Prozent der Stimmen auf sich vereint, hieß es in ihren Berichten. Bei der international kritisierten Abstimmung gab es mit Mussa Mostafa Mussa nur einen weiteren Kandidaten. Er hatte aber seine Unterstützung für Sisi bekundet.

Die Beteiligung an der drei Tage abgehaltenen Wahl war offenbar niedrig. In den ersten zwei Tagen habe sie lediglich bei 21 Prozent gelegen, verlautete aus Kreisen der Wahlbeobachter. Für Mittwoch, den letzten Wahltag, lagen zunächst keine konkreten Schätzungen vor. Doch die Wahllokale schlossen einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur zufolge eine Stunde später als angekündigt.

Kurz zuvor hatte die Wahlkommission noch an die Bürger appelliert, an die Urnen zu gehen. Auch gab es Berichte über Bestechungsversuche. Sisi gilt als klarer Favorit und die Wahlbeteiligung als Gradmesser für seinen Rückhalt in der Bevölkerung.

Sisi war 2014 mit fast 97 Prozent zum Staatschef des nordafrikanischen Landes gewählt worden. Damals hatten weniger als die Hälfte der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben.

Der heute 63-Jährige betrachtet sich als Garant von Stabilität und Sicherheit. Er wertet die Abstimmung als Referendum über seine bisherige Amtszeit. Dieses Jahr hatten sich die aussichtsreichsten Gegenkandidaten im Januar aus dem Rennen zurückgezogen und über Repressalien geklagt.

als/AFP/Reuters



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Seite 1
lesheinen 29.03.2018
1.
Es würde mich nicht wundern, wenn demnächst eine Sisi-Pyramide zu bewundern ist. Den Vorschlag bekommt der Mann glatt durch. Die Wahl war eine Farce, die Wähler sind nicht so blöde, das nicht zu erkennen. Wahlenthaltung ist auch eine Möglichkeit, seine Missbilligung auszusprechen.
mimoun74 29.03.2018
2. Die stille resignierte Mehrheit, vorerst
Die einzigen die zur Wahl gegangen sind waren Staatsbeamte (Polizei,Armee,Lehrer...) und Ihre Familie die vom korrupten System profitieren. Die unterdrückte Mehrheit hat erst mal resigniert. Ob es nun 3 oder 10 Jahre dauert, aber das System der Militärdiktatur Sisis wird wie zuvor Mubarak gestürzt werden. Mit dem Unterschied das die nächste Aufstand zur echten Revolution führen wird welche für die herrschende Elite sehr blutig ablaufen wird. Mit einer halben Revolution wie bei Mubarak werden sich die Ägypter nicht mehr abspeisen lassen.
claudio_im_osten 29.03.2018
3. Militärdiktatoren brauchen keine Wahlen.
Diese dienen ohnehin nur dazu, den wirklichen Charakter ihrer Systeme zu verschleiern. Ich hoffe darauf, dass von den europäischen Ländern niemand diese Regierung anerkennt und vor allem Deutschland nicht auf die Idee kommt, diesem Regime auch noch Waffen zu liefern, mit denen es seine Bevölkerung weiter unterdrücken kann. Mit dem ägyptischen Volk bin ich mir in dieser Hoffnung ganz sicher einig.
Heinrich52 29.03.2018
4.
Zitat von lesheinenEs würde mich nicht wundern, wenn demnächst eine Sisi-Pyramide zu bewundern ist. Den Vorschlag bekommt der Mann glatt durch. Die Wahl war eine Farce, die Wähler sind nicht so blöde, das nicht zu erkennen. Wahlenthaltung ist auch eine Möglichkeit, seine Missbilligung auszusprechen.
Wenn man die Lage in Ägypten kennt weiß man dass die Menschen in den Großstädten sich der westlichen Welt zugewandt fühlen und so auch denen, aber auf dem Lande herrschen noch archaische Zuständet und dort blüht der Islamismus. el. Sis garntiert und verteidigt auch die Rechte der Frau. Da haben die Muslime ihre Schwierigkeiten. Man kann unsere Demokratie nicht nach Afrika oder Asien übertragen.
Farhad 29.03.2018
5. "Riesenmehrheit" mit historisch niedriger Wahlbeteiligung
Mit besten Willen hat man es schwer, sich zu erklären, wie ein Putschist die "Mehrheit" für sich gewinnen kann - geschweige denn die "Riesenmehrheit". Einen echten Herausforderer gab es nicht. So eine (Schein)-Wahl mit derart geringer Wahlbeteiligung von möglicherweise zwischen 30 bis höchstens 40 Prozent deutet Ungutes für die Stabilität von Ägypten an. Die Wirtschaftslage in Ägypten ist miserabel , die Unzufriedenheit sehr hoch. Die Breite der Gesellschaft hat keine Hoffnung für bessere Perspektiven. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Muslimbrüder verstärkt und radikalisiert auftauchen. Das Land hat viele Voraussetzungen für die Entstehung und Anziehung der Extremisten. Hoffentlich wird Ägypten demnächst nicht die Sorgenquelle für die Stabilität und Sicherheit werden.
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