Getötete Touristen in Ägypten Tödlicher Luftangriff auf ein Picknick

Armee, Innenministerium und Reiseveranstalter schieben einander die Schuld für den tödlichen Luftangriff auf eine Urlaubergruppe in der ägyptischen Wüste zu. Das Schicksal mehrerer mexikanischer Touristen ist noch immer unklar.

Weiße Wüste in Ägypten: "Es gab weder Warnschilder, noch Hinweise der Kontrollposten"
AP/dpa

Weiße Wüste in Ägypten: "Es gab weder Warnschilder, noch Hinweise der Kontrollposten"


Vier Geländewagen, begleitet von einer Polizeieskorte - in der Weißen Wüste Ägyptens ist das ein alltägliches Bild. Die Landschaft mit ihren charakteristischen Felsformationen ist ein beliebtes Touristenziel, viele Beduinen verdienen ihre Geld mit geführten Jeep-Touren durch die Wüste.

So auch am vergangenen Sonntag. Eine mexikanische Touristengruppe war mit ihren einheimischen Begleitern in dem Gebiet in der Nähe der Oase Baharija unterwegs. Mit Erlaubnis ihrer Polizeieskorte stoppten die Wagen für ein Picknick, so schildern es Augenzeugen der "New York Times".

Dann habe ein Apache-Kampfhubschrauber, der schon eine ganze Weile in der Gegend gekreist haben solle, das Feuer eröffnet. Dabei wurden nach offiziellen Angaben zwölf Menschen getötet und zehn weitere verletzt, unter ihnen ein Polizist. Einige Urlauber sollen noch versucht haben, sich zu einer Sanddüne zu retten, seien nach Angaben eines Anwohners aber auf der Flucht tödlich getroffen worden. Nach Angaben des mexikanischen Botschafters in Kairo werden noch immer sechs Mexikaner vermisst. Noch ist unklar, ob sie unter den Toten sind.

Das Innenministerium in Kairo teilte mit, die Hubschrauberbesatzung habe die picknickenden Touristen fälschlicherweise für Terroristen gehalten. Die Regierung machte die Reiseführer verantwortlich, sie hätten sich mit den Urlaubern in einem gesperrten Gebiet aufgehalten.

"Dieser Vorfall hat nichts mit der Armee zu tun"

Dem widersprechen andere Reiseveranstalter und Freunde des Touristenführers. Sie veröffentlichen im Internet ein Foto der Reiseerlaubnis. Sie verwiesen darauf, dass die Gruppe von der Touristenpolizei begleitet worden sei und mehrere Kontrollposten passiert habe. Außerdem sei der Luftangriff in einem Gebiet erfolgt, in dem sich häufig Urlauber aufhielten.

"Es gab weder Warnschilder, noch Hinweise der Kontrollposten noch von den Polizisten, die sie begleitet haben", sagte Hassan el-Nahla, Präsident der Vereinigung der Touristenführer.

Auch wenn ein Armeehubschrauber auf die Urlauber feuerte - das Militär macht das Innenministerium für den Fehler verantwortlich. "Wenn es um Touristen geht, ist das Sache es Innenministeriums, nicht unsere", sagte der Sprecher der Streitkräfte, Brigadegeneral Mohamed Samir. Weiter sagte er der "New York Times" wörtlich: "Dieser Vorfall hat nichts mit der Armee zu tun, selbst wenn Armee und Polizei diese Operation gemeinsam durchgeführt haben. Das ist das System dieses Landes und Sie haben nicht das Recht, dies in Frage zu stellen."

syd/AFP



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