Ägypten Armee ernennt Feldmarschall Sisi zum Präsidentschaftskandidaten

Erst ließ er sich noch schnell zum Feldmarschall ernennen, dann zum Präsidentschaftskandidaten küren: Ägyptens Armeechef Abd al-Fattah al-Sisi greift nun auch formell nach der Macht in Kairo. Der Sieg bei der Wahl im Frühjahr wird ihm nicht zu nehmen sein.

Feldmarschall Sisi (mit Sonnenbrille): Einstimmiges Votum der Armeeführung
AFP/ Egyptian Ministry of Defence

Feldmarschall Sisi (mit Sonnenbrille): Einstimmiges Votum der Armeeführung


Kairo - Ägypten wird bald wieder von einem Mann des Militärs regiert. Das Oberkommando der ägyptischen Streitkräfte hat die Präsidentschaftskandidatur von Armeechef Abd al-Fattah al-Sisi einstimmig gebilligt.

Die Armeeführung stimmte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Mena am Montag auch dem Ausscheiden Sisis aus dem Militärdienst zu. Das ist eine Voraussetzung für die Kandidatur, weil sich formal nur Zivilisten um das höchste Staatsamt bewerben dürfen. Noch am Montag soll Sisi offiziell erklären, dass er bei der Wahl antreten wird.

Kurz zuvor war Sisi zum Feldmarschall befördert worden, das ist der höchste Rang in der ägyptischen Armee. Der Ernennung ist damit die letzte Ehrung vor seinem Wechsel in eine politische Laufbahn als Zivilist.

Der Sieg ist Sisi sicher

Schon jetzt zieht Sisi als Armeechef und Verteidigungsminister die Fäden im Hintergrund, Präsident Mansur und Premierminister Hasim al-Beblawi gelten nur als Marionetten des Militärs. Die Armee hatte die zivile Regierung nach dem Putsch gegen den frei gewählten, islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Juli vergangenen Jahres installiert.

Der Termin für die Präsidentenwahl ist noch unklar. Sie soll 30 bis 90 Tage nach Verabschiedung der neuen Verfassung stattfinden. Das neue Grundgesetz trat am 18. Januar in Kraft - demnach müsste der Wahltermin zwischen 17. Februar und 18. April liegen. Erst nach der Abstimmung über einen neuen Präsidenten sollen Parlamentswahlen stattfinden.

Am Samstag erinnerte Ägypten an den Beginn des Aufstands gegen Diktator Husni Mubarak am 25. Januar 2011. Auf der staatlich gelenkten Jubelfeier auf dem Tahir-Platz riefen Tausende Ägypter Sisi dazu auf, bei der Präsidentschaftswahl anzutreten. Gleichzeitig demonstrierten in verschiedenen Orten des Landes Tausende Gegner des Militärs. Bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften wurden etwa 50 Menschen getötet.

Der Sieg bei der Präsidentenwahl ist Sisi gewiss. Die Staatsmedien trommeln seit Monaten unablässig für den Armeechef. Dessen kompromissloser Kurs gegen innenpolitische Gegner ist derzeit im Volk populär.

Einen ernsthaften Gegenkandidaten muss Sisi nicht fürchten. Die Muslimbrüder sind inzwischen als terroristische Vereinigung verboten worden, auch liberale Oppositionelle sind in den vergangenen Wochen reihenweise hinter Gitter geschickt worden.

syd/dpa/AFP

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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
rwk 27.01.2014
1. War vorzusehen,
dass Al Sisi kandidiert. So wird sich eine neue Militärdikdatur ergeben was - meiner Auffassung nach - die optimale Regierungsform im arab. Raum ist und bleibt. Unser Gefasel von Demokratie ist völlig unangebracht da die Denkweise in einem Staat mit Islam als Staatsreligion nicht der Unseren entspricht. Es ist nicht vorgesehen, dass ein Kollektiv regiert sondern ein "Starker Mann, Caïd oder Raïs". Religion und Staat sind im Islam untrennbar und in dem Fall ist es für den kleinen Mann von Vorteil wenn die Armee am Ruder ist und nicht die Islamisten denn Letztere nehmen dem Volk die Luft zum freier atmen. Die Militärs dagegen lassen einen grossen Teil für das Volk übrig und ermuntern so ebenfalls den Tourismus, denn der bringt Geld und das brauchen und wollen auch die auf Privilegien bedachten Militärs. Die Islamisten hausieren mit strammer Religion, die nicht jedem Moslem passt!
cum infamia 27.01.2014
2. Da hätte
.. auch gleich Herr Mubarak an der Macht bleiben können und das Volk hätte sich viel Aufregung und Tote gespart !
chrisgoebel 27.01.2014
3. Nur Schafe
wählen ihre Schlächter,oder Ägypter.
chagall1985 27.01.2014
4. Mann was ist das tragisch
Zitat von sysopAFP/ Egyptian Ministry of DefenceErst ließ er sich noch schnell zum Feldmarschall ernennen, dann zum Präsidentschaftskandidaten küren: Ägyptens Armeechef Abd al-Fattah al-Sisi greift nun auch formell nach der Macht in Kairo. Der Sieg bei der Wahl im Frühjahr wird ihm nicht zu nehmen sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/aegypten-armee-macht-abd-al-fattah-al-sisi-zum-praesidentenkandidaten-a-945820.html
Jahre des Kampfes und des Protestes und der Gefahr bzw. Aufopferung um von Mubarak bei einer Militärregierung zu landen. Geschichte im Zeitraffer die zu Tränen rührt.
ein anderer 27.01.2014
5. ...
Schade um die sehr gut vorbereitete Revolution gegen Mubarak. Wieviele Aktivisten der Ersten Stunde schütteln jetzt den Kopf über ihre Mithilfe an dieser Konterrevolution? Und wieviele können ihren Kopf jetzt nur noch hinter Gittern schütteln weil Sisi jede Opposition mit Gefängnis bestraft?
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