Ägypten Armee räumt Tahrir-Platz

Diese Woche beginnt in Kairo der Prozess gegen den gestürzten ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak. Von den Revolten dürfte dann zumindest auf ihrem zentralen Schauplatz nur noch wenig zu sehen sein: Die letzten Demonstranten wurden vom Tahrir-Platz vertrieben.

REUTERS

Kairo - Der Tahrir-Platz, Zentrum und Symbol der landesweiten Proteste in Ägypten, ist geräumt: Am Montag hat die ägyptische Armee mehrere hundert Demonstranten von dem Platz in Kairo vertrieben, die in den vergangenen Wochen hier campiert hatten. Augenzeugenberichten zufolge verlief der Einsatz weitgehend gewaltfrei, obwohl die Militärpolizisten Schüsse in die Luft abgaben. Dutzende Menschen seien festgenommen und weggebracht worden.

Viele hätten versucht, in eine Moschee zu flüchten. Diese sei ebenfalls von der Armee umzingelt worden. Mehrere Demonstranten sollen Augenzeugen zufolge bei dem Vormarsch der Sicherheitskräfte verletzt worden sein.

Seit Anfang Juli hatten Vertreter von Demokratie- und Oppositionsbewegungen den während der Massenproteste bekannt gewordenen Platz besetzt gehalten, um ihren Forderungen nach Reformen Nachdruck zu verleihen. Die Demokratisierung Ägyptens schreitet ihnen nicht schnell genug voran. Allerdings hatten die maßgebenden Gruppierungen am Sonntag beschlossen, die Dauerblockade während des Fastenmonats Ramadan auszusetzen. Nach ihrem Abzug blieben noch rund 200 bis 300 Besetzer zurück, meist Angehörige von Opfern der Justiz des im Februar gestürzten Regimes.

Die Armee wurde zwei Tage vor Beginn des Prozesses gegen Husni Mubarak aktiv. Ab diesem Mittwoch müssen sich der gestürzte Präsident, seine beiden Söhne und Ex-Innenminister Habib al-Adli vor Gericht verantworten. Ihnen werden tödliche Gewalt gegen Demonstranten und Amtsmissbrauch vorgeworfen. Mubarak, der im Badeort Scharm el-Scheich im Krankenhaus liegt, hat nach Informationen des Staatsfernsehens den Empfang der Vorladung zur Gerichtsverhandlung bestätigt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums ist der 83-Jährige transport- und verhandlungsfähig.

can/dpa/Reuters



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2010sdafrika 01.08.2011
1. Nach der Revolution kommen die Islamisten
Ob Ägypten oder Tunesien - in beiden Staaten organisiert sich die islamistische Szene äußerst schnell und ziemlich aggressiv, zumal diese teilweise für Unruhen sorgen. Im postrevolutionärem Zeitalter befürchte ich nachteilige Aspekte für die Zukunft beider Länder: http://2010sdafrika.wordpress.com/2011/07/27/tunesien-vom-irak-und-von-algerien-lernen/.
caecilia_metella 01.08.2011
2. Prophezeiung
Zitat von 2010sdafrikaOb Ägypten oder Tunesien - in beiden Staaten organisiert sich die islamistische Szene äußerst schnell und ziemlich aggressiv, zumal diese teilweise für Unruhen sorgen. Im postrevolutionärem Zeitalter befürchte ich nachteilige Aspekte für die Zukunft beider Länder: http://2010sdafrika.wordpress.com/2011/07/27/tunesien-vom-irak-und-von-algerien-lernen/.
Das glaube ich nicht. Falls jetzt nicht das Ende der Welt kommt, wird es ruhiger und gesitteter zugehen. Die Wahrheit gewinnt wieder an Raum, 1. weil ein gemeinsamer Ursprung von allem in allen Religionen ganz ähnliches spricht, auch wenn sie z.T. arg kompliziert und verzweigt sind, 2. weil Lügen eben nicht mehr geglaubt werden (s.1, anderes formuliert).
panzerknacker51, 01.08.2011
3. So sind sie nun einmal
Das Gebaren der Herren Militärs hat sich nicht geändert. Der Pharao ist gestürzt. Die "Königsmörder" machen so weiter wie bisher. Wieso auch nicht? Sie haben es nicht anders gelernt...
blademaster 01.08.2011
4. Untergang
Zitat von 2010sdafrikaOb Ägypten oder Tunesien - in beiden Staaten organisiert sich die islamistische Szene äußerst schnell und ziemlich aggressiv, zumal diese teilweise für Unruhen sorgen. Im postrevolutionärem Zeitalter befürchte ich nachteilige Aspekte für die Zukunft beider Länder: http://2010sdafrika.wordpress.com/2011/07/27/tunesien-vom-irak-und-von-algerien-lernen/.
Vom ,,Westen'' als arabischer Frühling tituliert,ist das was hier jetzt passiert,nur der Anfang vom Untergang-die islamistischen Kräfte werden auch hier in Ägypten die Oberhand gewinnen,wie in Somalia,Afghanistan-viel Spass noch!!!
roterkorsar 02.08.2011
5. Revolution verloren
Zitat von sysopDiese Woche beginnt in Kairo der Prozess gegen den gestürzten ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak. Von den Revolten dürfte dann zumindest auf ihrem zentralen Schauplatz nur noch wenig zu sehen sein: Die letzten Demonstranten wurden vom Tahrir-Platz vertrieben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,777827,00.html
[QUOTE=sysop;8413980]Diese Woche beginnt in Kairo der Prozess gegen den gestürzten ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak. Von den Revolten dürfte dann zumindest auf ihrem zentralen Schauplatz nur noch wenig zu sehen sein: Die letzten Demonstranten wurden vom Tahrir-Platz vertrieben. Nun zeigt sich, dass eine Revolution, bei welcher nicht auch die Polizei und die Armee vertrieben werden, keine Revolution ist.
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