Ägypten Entführung von US-Touristen auf dem Sinai endet glimpflich

Schon wieder sind in Ägypten Urlauber entführt worden: Am Donnerstag wurden nahe dem Badeort Nuweiba zwei US-Bürger verschleppt - und wenig später wieder freigelassen. Die Vorfälle überschatten die Entscheidung des Militärrats, den seit 30 Jahren geltenden Ausnahmezustand aufzuheben.


Al-Arisch - Eine Gruppe bewaffneter maskierter Männer hat auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel kurzzeitig zwei amerikanische Touristen entführt. Die beiden Männer kamen durch die Vermittlung der Behörden und lokaler Stammesführer nach einigen Stunden wieder frei. Das berichtete ein Sicherheitsbeamter in der Provinz Süd-Sinai am Donnerstag. Der Vorfall habe keinen terroristischen, sondern einen kriminellen Hintergrund gehabt.

Die beiden Urlauber sind nach Angaben des Beamten am frühen Morgen in der Nähe des Badeortes Nuweiba gezwungen worden, aus ihrem Auto auszusteigen. Die Entführer verschwanden dann mit den Touristen in den Bergen des Sinai. Erste Informationen deuten darauf hin, dass Angehörige eines kürzlich verhafteten Drogenschmugglers aus der Umgebung die Urlauber benutzen wollen, um den Inhaftierten freizupressen.

Seit dem Sturz von Präsident Husni Mubarak im Februar 2011 hat sich die Sicherheitslage in Ägypten deutlich verschlechtert. Vor allem auf dem Sinai, wo die Sicherheitskräfte und lokale Beduinenstämme seit Jahren im Clinch liegen, entgleitet der für ihre Korruption berüchtigten Polizei immer mehr die Kontrolle. Schon mehrfach waren in den vergangenen Monaten Touristen als Faustpfand benutzt worden.

Militärrat hebt Ausnahmezustand in Ägypten auf

In der südlichen Stadt Luxor, wo der Tourismus die wichtigste Einnahmequelle ist, hielten Unterstützer des islamistischen Präsidentschaftskandidaten Mohammed Mursi am Mittwochabend eine Wahlkampfveranstaltung ab. Sie beteuerten, die Bewegung der Muslimbrüder, zu der Mursi gehört, wolle im Falle seiner Wahl keine Gesetze erlassen, die dem Tourismus schaden könnten. Viele Hoteliers und Restaurantbesitzer treibt die Sorge um, dass die islamistischen Parteien, die im Parlament jetzt die Mehrheit haben, Alkohol und das Tragen von Bikinis verbieten könnten. Die Branche befürchtet, dass solche Gesetze zu einem deutlichen Rückgang der Touristenzahlen führen werden.

Die Vorfälle auf dem Sinai überschatten die Entscheidung des Militärrats in Kairo, nach über drei Jahrzehnten den Ausnahmezustand in Ägypten aufzuheben. Die Armee werde aber auch nach der Aufhebung der Notstandsgesetze weiter "die nationale Verantwortung zum Schutz der Sicherheit" tragen, hieß es in einer Erklärung des Obersten Militärrates, die am Donnerstag von der amtlichen Nachrichtenagentur Mena verbreitetet wurde. "Der Ausnahmezustand ist heute beendet worden", hieß es im öffentlichen Fernsehen.

Der Ausnahmezustand war im Jahr 1981 nach der Ermordung des damaligen Präsidenten Anwar al-Sadat verhängt. Nach der Machtübernahme der Armee infolge des Sturzes von Mubarak wurden die Notstandsgesetze nochmals ausgeweitet, unter anderem auf Streiks und die Verbreitung falscher Informationen. Die Notstandsgesetze ermöglichten unter anderem willkürliche Festnahmen und Militärprozesse.

Ursprünglich hatte der Militärrat versprochen, die Gesetze vor der Parlamentswahl, die seit November in mehreren Etappen stattfand, abzuschaffen. Dann sollten sie zum ersten Jahrestag des Aufstands gegen Mubarak aufgehoben werden. Der Beginn der Revolte, die am 11. Februar 2011 zum Sturz des langjährigen Staatschefs führte, jährte sich am 25. Januar. Nun kam die Aufhebung zwischen den beiden Durchgängen der Präsidentschaftswahl; die Stichwahl findet am 16. und 17. Juni statt.

vme/dpa/afp

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mr_spock 31.05.2012
1.
Zitat von sysopSchon wieder sind in Ägypten Urlauber entführt worden: Am Donnerstag wurden nahe des Badeorts Nuweiba zwei US-Bürger verschleppt. Die Vorfälle überschatten die Entscheidung des Militärrats in Kairo, den seit 30 Jahren geltenden Ausnahmezustand aufzuheben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,836278,00.html
Wer verhindert denn, dass Ägypten mehr Soldaten und Polizisten auf den Sinai schickt? Wer das Eine nicht will, muss das Andere ertragen!
panzerknacker51, 31.05.2012
2. Abenteuerlich dumm
Zitat von sysopSchon wieder sind in Ägypten Urlauber entführt worden: Am Donnerstag wurden nahe des Badeorts Nuweiba zwei US-Bürger verschleppt. Die Vorfälle überschatten die Entscheidung des Militärrats in Kairo, den seit 30 Jahren geltenden Ausnahmezustand aufzuheben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,836278,00.html
Urlaub in Ägypten? Wie doof ist das denn - offensichtlich gibt's noch Einfaltspinsel, die keine Zeitung lesen; oder vielleicht wollten die auch einfach nur den Frühling genießen ...
pamiri 31.05.2012
3. gar nicht dumm
ägypten ist ein wunderschönes land, warum sollte es dumm sein sich das land anzuschauen? ok, auf der sinai gibt es zur zeit probleme mit kriminellen, aber ansonsten, was spricht gegen ägypten? (ps: die einfachen "kleinen" leute in ägypten, die leiden richtig darunter dass die touristen ausbleiben, die hotels stehen leer, die händler bleiben auf ihren waren sitzen. da gegen das land zu poltern - und das ohne argumente - ist ziemlich schwach) waoh, 30 jahre ausnahmezustand. da wird ja die ausnahme zur regel :)
volker68 31.05.2012
4. optional
@mr_spock: Das ist klar begrenzt. Der Sinai ist eine sogenannte entmilatsrisierte Zone. Die MFO (Multinational Forces and Observers) überwacht das im Rahmen des Friedensabkommens von Camp David.
Chris70 31.05.2012
5. Wirklich...
...abenteuerlich dumm finde ich Ihre Aussage! Sollten sich tatsächlich 10 Millionen Touristen (2011) auf ihren geistigen Gesundheitszustand untersuchen lassen, nur weil Sie die Hosen voll haben? Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt. Sie sollten zwischen Auswirkungen des sog. arabischen Frühlings in Kairo und einer Privatfehde zwischen einer Bedouinenfamilie und lokalen Polizeibonzen unterscheiden. Von Ersterem hört und sieht man in den Touristenorten rund ums Rote Meer nichts. Letzteres ist seit Menschengedenken so.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.