Ägypten Blutige Proteste am Jahrestag der Revolution

Versammlungen zu Ehren der 2011 getöteten Demonstranten sind verboten. Deshalb haben Panzer und Straßensperren die Innenstadt von Kairo blockiert, Proteste auf dem Tahrir-Platz wurden minutenschnell aufgelöst. Dennoch sind mehrere Menschen ums Leben gekommen.


Kairo - Vor genau vier Jahren startete die Revolution in Ägypten - und noch immer sorgt der Jahrestag in der ägyptischen Hauptstadt für Chaos: Das Regime in Ägypten hat seine Macht mit aller Härte demonstriert - und Proteste binnen Minuten aufgelöst.

Dabei sind mehrere Menschen ums Leben gekommen, die genaue Zahl ist jedoch bisher unklar: Drei mutmaßliche Islamisten wurden nach Angaben von Sicherheitsbeamten bei Zwischenfällen im Norden Ägyptens getötet, meldet die Nachrichtenagentur dpa. Am Nachmittag meldet die Nachrichtenagentur AP neun Tote und beruft sich auf Angaben der Polizei, Reuters berichtet sogar von elf Opfern und beruft sich auf Sicherheitskräfte.

Den Anschlag von Islamisten im nordägyptischen Buhaira will die Polizei laut Angaben der Nachrichtenagentur dpa vereitelt haben. Die Extremisten hätten versucht, eine Bombe bei einem Strommast zu platzieren - und wurden dabei getötet. Ein weiterer Extremist sei in der Hafenstadt Alexandria erschossen worden. Nach offiziellen Angaben war es ein mit einem automatischen Gewehr bewaffnetes Mitglied der Muslimbruderschaft.

Anlass für die Unruhen ist der Jahrestag der Revolution von 2011, die zum Sturze des Langzeitherrschers Hosni Mubarak führte. Gleichzeitig feiert Ägypten am 25. Januar offiziell landesweit den "Tag der Polizei". Versammlungen zu Ehren der 2011 getöteten Demonstranten wurden aus Sicherheitsgründen verboten.

Bei den Protesten gegen Mubarak wurden vor vier Jahren mehr als 800 Menschen getötet. Der Diktatur musste in der Folge zurücktreten, ein Verfahren gegen ihn wegen Mitschuld am Tod der Demonstranten wurde jedoch eingestellt.

Eine Demonstrantin war bereits am Samstag unter ungeklärten Umständen in Kairo umgekommen. Angehörige werfen dem Regime vor, die Frau erschossen zu haben. Zur Trauerfeier am Sonntag kamen dann Hunderte. Sicherkräfte riegelten den Tahrir-Platz und Teile der Innenstadt mit Panzern und Straßensperren ab. Die 32-jährige Shaima al-Sabagh sei mit Schrotkugeln erschossen worden, teilten Aktivisten mit. Polizisten hätten die Schüsse abgefeuert, um den Marsch gewaltsam aufzulösen.

"Da waren keine 20 Menschen unterwegs und sie trugen nur Blumen", sagte Khaled Daud von der vom Nobelpreisträger Mohammed ElBaradei gegründeten Verfassungspartei am Sonntag. Zudem seien zum Zeitpunkt der Schüsse nur die Demonstranten und die Polizei auf der Straße gewesen: "Niemand sonst kann geschossen haben außer der Polizei."

Das Innenministerium hingegen machte nicht näher definierte "Bewaffnete" verantwortlich. Die Kairoer Staatsanwaltschaft versprach, die bei der Auflösung des Trauermarsches beteiligten Beamten zu befragen.

vek/dpa/Reuters/AP

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rwk 26.01.2015
1. Al Sisi..
..hat Recht, wenn er diese Demos verbietet. Es geht ja nicht um das Demonstrieren als solches, sondern wird von Islamisten und Morsileuten benutzt um Krawall zu stiften. Die Militärdikdatur bekommt das Land immer besser in den Griff und ein Aufschwung ist nur so auch möglich. Mit unserem Demokratiegedusel kann das natürlich nicht in Einklang kommen - nur wir sind eben nicht bei uns und es herrschen andere Werte. Sicher ist aber, dass eine Militärdikdatur einer Islamistendikdatur vorzuziehen ist.
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