Nach Mord an Christen Ägypten fliegt Vergeltungsangriffe gegen IS in Libyen

Die Attacken richteten sich gegen Camps und Waffenlager des "Islamischen Staats": Ägypten hat nach eigenen Angaben Luftangriffe in Libyen geflogen - als Reaktion auf ein Video mit der angeblichen Ermordung von 21 koptischen Christen.

Ägyptens Präsident Sisi (2. v. r./Anfang Februar): "Lasst alle wissen, dass Ägypten sich verteidigen kann"
AFP

Ägyptens Präsident Sisi (2. v. r./Anfang Februar): "Lasst alle wissen, dass Ägypten sich verteidigen kann"


Kairo - Ägyptens Präsident Abdel Fattah el-Sisi hat seinem Land sieben Tage Staatstrauer verordnet - gleichzeitig schwor er Rache für den angeblichen Mord an 21 ägyptischen Geiseln durch die Miliz "Islamischer Staat" (IS). Wenige Stunden nach der Veröffentlichung eines entsprechenden Hinrichtungsvideos hat die Luftwaffe seines Landes nun tatsächlich erste Angriffe geflogen.

Nach Angaben des Militärs zielten die Attacken auf Lager, Ausbildungsstätten und Waffenverstecke des IS in der Nähe der libysch-ägyptischen Grenze. Über mögliche Opfer ist noch nichts bekannt. "Lasst alle wissen, dass sich Ägypten verteidigen kann", zitiert der staatliche Rundfunk aus einer Mitteilung der Streitkräfte.

Damit räumt Ägypten zum ersten Mal offiziell Militäroperationen in dem Nachbarland ein, das seit Monaten von Unruhen und dem Aufstieg militanter Gruppen erschüttert wird.

In dem Internet-Clip des IS ist zu sehen, wie insgesamt 21 Gefangene von vermummten Tätern enthauptet werden. Bei den Opfern soll es sich um eine Gruppe koptischer Christen aus Ägypten handeln, die seit dem Jahreswechsel in Libyen als vermisst gelten.

Die koptisch-orthodoxe Kirche bestätigte die Bluttat. Demnach waren die koptischen Christen als Gastarbeiter in Libyen und "gerade auf dem Heimweg nach Ägypten, als ihr Bus von den Terroristen aufgehalten wurde", bestätigte der Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Anba Damian, der "Bild"-Zeitung

USA nennen Mord "feige und verabscheuungswürdig"

Das Video der IS-Terrorgruppe hatte weltweit für Bestürzung gesorgt. So bezeichnete die US-Regierung die Tat als "feige" und "verabscheuungswürdig". "Die Barbarei des IS kennt keine Grenzen", hieß es in einer am Sonntagabend (Ortszeit) veröffentlichten Erklärung. Das Verbrechen unterstreiche erneut die dringende Notwendigkeit einer politischen Lösung im Konflikt in Libyen, "von dessen Fortsetzung nur Terroristengruppen wie der IS profitieren", erklärte das Weiße Haus.

Die Mitglieder des Uno-Sicherheitsrats nannten die Tat "abscheulich". Sie unterstreiche die Brutalität des IS, hieß es in einer Mitteilung des Gremiums.

Der fünfminütige Film unter dem Titel "Eine in Blut geschriebene Nachricht an die Nation des Kreuzes" wurde online verbreitet. Erstmals richtet sich der IS damit in einem seiner Tötungsvideos direkt an Christen. Die auf Islamisten spezialisierte Beobachtergruppe Site hält das Video für authentisch. Das Enthauptungsvideo ist die erste als Film veröffentlichte Gräueltat des libyschen Ablegers der ursprünglich in Syrien und im Irak kämpfenden IS-Miliz.

jok/Reuters/AP



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