Proteste in Ägypten Demonstrant in Kairo erschossen

Der Aufruf zum Gewaltverzicht durch Muslimbrüder und Opposition hat wenig bewirkt. Am Freitag wurde ein Demonstrant in Kairo getötet, über 50 Menschen wurden verletzt. In Port Said skandierten Demonstranten: "Mursi ist der Feind Gottes."

Präsidentenpalast in Kairo: Heftige Proteste gegen die Regierung Mursi
DPA

Präsidentenpalast in Kairo: Heftige Proteste gegen die Regierung Mursi


Kairo - In Ägypten haben erneut Tausende Menschen gegen die Regierung von Präsident Mohammed Mursi demonstriert. Bei Zusammenstößen in Kairo wurde ein Demonstrant erschossen, mindestens 53 Personen wurden verletzt, sagte der Vizechef des Gesundheitsamts, Ahmed al-Ansari.

In der Hauptstadt hatten zudem Jugendliche bei Einbruch der Dunkelheit mehr als 20 Brandsätze auf Mursis Präsidentenpalast geworfen und ein Feuerwerk an der Außenmauer des Geländes gezündet. Ein Dach innerhalb des Komplexes geriet dabei in Brand. Die Sicherheitskräfte gingen mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Hunderte Demonstranten vor.

Der Nachrichtensender Al-Arabija berichtete zudem von Zusammenstößen von Aktivisten und der Polizei vor der britischen Botschaft in der Nähe des Tahrir-Platzes im Zentrum der Stadt. Auch in anderen Städten gab es Demonstrationen. In Port Said am Suez-Kanal zogen Männer in schwarzen Trauergewändern durch die Straßen und skandierten: "Mursi ist der Feind Gottes". Auch in der Hafenstadt Alexandria, in Ismailia und in Kairo gab es Protestmärsche gegen Mursi.

Die Gewalt war eskaliert, nachdem ein Gericht 21 Todesurteile gegen Fußballfans wegen der tödlichen Krawalle in Port Said im vergangenen Jahr verhängt hatte. Die Gewalt war am Samstag kurz nach Bekanntwerden des Richterspruchs gegen die Fußballfans ausgebrochen. Seitdem kamen rund 60 Menschen bei Protesten gegen Mursi ums Leben.

Erst am Donnerstag hatten die Muslimbrüder, die Mursi unterstützen, und Oppositionsgruppen in einer gemeinsamen Erklärung zum Gewaltverzicht aufgerufen. Oppositionsführer Mohamed ElBaradei schrieb später bei Twitter: "Wir haben das Mubarak-Regime mit einer friedlichen Revolution zu Fall gebracht, und wir sind entschlossen, dieselben Ziele genau so wie damals zu erreichen, ganz gleich, wie groß die Opfer oder die barbarische Unterdrückung sind."

max/Reuters/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
criticus nixalsverdruss 01.02.2013
1. Da hat ...
Zitat von sysopDPADer Aufruf zum Gewaltverzicht durch Muslimbrüder und Opposition scheint nicht gewirkt zu haben.Am Freitag haben Jugendliche den Präsidentenpalast in Kairo mit mehr als 20 Brandsätzen angegriffen. In Port Said skandierten Demonstranten: "Mursi ist der Feind Gottes." http://www.spiegel.de/politik/ausland/aegypten-jugendliche-werfen-ueber-20-brandsaetze-auf-praesidentenpalast-a-881075.html
... Herr Mursi sich wohl sauber zwischen allen Stühlen platziert. Mein Mitleid hält sich in Grenzen. Mit Mursi, nicht mit Ägypten, dass möglicherweise auch den Auseinandersetzungen zwischen unversöhnlichen religösen und politischen Lagern zum Opfer fällt, weil ein Präsident nur seine Macht und keine politische Moderation im Kopf hat.
denkmalnach2 01.02.2013
2. Die bewaffneten und maskierten Schergen der Muslimbrüder...
... haben heute Abend einen Mann auf der Straße nackt ausgezogen und auf ihn, der wehrlos am Boden lag eingetreten und geschlagen und später wohl auf ihn geschossen und hingerichtet. Das hat ein Kameramann aufgenommen und wurde tausende Male auf den arabischen Sendern gezeigt (natürlich nicht katargesponserte Al-Jazeera, liebes SPON...) . Es zeigt: Das System Mursi ist genauso, wenn nicht noch schlimmer, als das System Mubarak. Das Sündenregister dieses Mannes ist mittlerweile so himmelschreiend groß, dass er dringend dem Gerichtshof für Menschenrechte in Den Haag übergeben werden muss!
cour-age 01.02.2013
3. Moderator
Zitat von criticus nixalsverdruss... Herr Mursi sich wohl sauber zwischen allen Stühlen platziert. Mein Mitleid hält sich in Grenzen. Mit Mursi, nicht mit Ägypten, dass möglicherweise auch den Auseinandersetzungen zwischen unversöhnlichen religösen und politischen Lagern zum Opfer fällt, weil ein Präsident nur seine Macht und keine politische Moderation im Kopf hat.
ah... ein Moderator muss unabhängig sein. Mursi aber ist Befehlsempfänger, und dem Chef der Muslimbrüder zum Gehorsam verpflichtet...
lebmah 02.02.2013
4. Aufstand!!!
Ägypten braucht eine zweite Revolution .Diese muslimbruderschaft ist nur an Macht interessiert!!Sie werden von Katar unterstützt und sind gegen die Regeln der Demokratie!!
egyptwoman 02.02.2013
5. optional
Mursi macht das was er immer macht, er versteckt sich mal wieder, statt mal Klartext zu reden, wobei ihm auch kaum noch einer zuhört oder wissen will was er zu sagen hat. Zu oft hat er Versprechungen gemacht und diese nicht eingehalten. Er ist und bleibt ein Lügner und manche westliche Länder lassen sich von ihm Sand in die Augen streuen. Allein das Verhalten in Dtl und seine Statements dort, er sagte etwas ohne etwas zu sagen. Kritik prallt an ihm ab oder er reagiert unwirsch, weil dieser Mensch einfach nicht kritikfähig ist. Es ist unbestritten das es jeder neue Regierungschef hier schwer haben würde und auch in nächster Zukunft haben wird, doch wenn die Menschen wenigstens mal ein Stück weit sehen würden das etwas passiert damit es in diesem Land aufwärts geht, würde man ihm auch die Chance geben. Die Leute hier wissen das es nicht von heut auf morgen alles besser werden kann, doch was seit Amtsantritt passiert ist ist alles andere als vorwärts, nein es geht immer mehr bergab und außer leeren Floskeln und die Schuld immer auf die anderen schieben kann Herr Mursi nichts, und sowas will studiert haben und hat nen Doktortitel der ja auch immer bei jeder Gelegenheit genannt werden muss. Bleibt Mursi und vor allem die MB weiterhin an der Macht kleben, wird es auch in Zukunft nicht bergauf sondern immer mehr bergab gehen und in dem Fall geht das Land auf einen Bürgerkrieg zu. Ich glaub die einzigen die diesen Irrsinn im Moment noch stoppen könnten ist das Militär, das sagen selbst die einheimischen hier.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.