Ägypten: Demonstranten zünden Wahlkampfbüros von Kandidat Schafik an

Hunderte Menschen haben in Kairo gegen das Ergebnis der ersten Runde im Präsidentschaftswahlkampf demonstriert. Einige Aktivisten randalierten in der Wahlkampfzentrale des ägyptischen Kandidaten Ahmed Schafik - und zündeten sie an.

Präsidentschaftswahl: Ägypter zünden Zentrale von Kandidat Schafik an Fotos
AFP

Kairo - Unbekannte haben die Wahlkampfzentrale des ägyptischen Präsidentschaftskandidaten Ahmed Schafik angegriffen. Die Demonstranten legten Feuer in den Büros des letzten Regierungschefs unter Diktator Husni Mubarak.

Die Demonstranten werfen dem Präsidentschaftskandidaten vor, dem herrschenden Militärrat zu nahe zu stehen. Wie Sicherheitskräfte und Augenzeugen berichteten, warfen die Angreifer Fenster ein, schleuderten Wahlmaterial aus dem Fenster und zerrissen Wahlplakate, bevor sie das Gebäude in Brand steckten. Verletzt wurde niemand.

Am Montag hatte die Wahlkommission das Ergebnis des Urnenganges vom 23. und 24. verkündet. Demnach werden der Muslimbrüder-Kandidat Mohammed Mursi und Schafik in der Stichwahl am 16. und 17. Juni um das höchste Staatsamt kämpfen. Danach will der seit Mubaraks Sturz regierende Militärrat die Macht abgeben.

Mehrere Hunderte Demonstranten nahmen die Veröffentlichung des Ergebnisses zum Anlass, um in Kairo und Alexandria gegen das Ergebnis der ersten Runde der Präsidentenwahl zu protestieren. Auf dem Tahrir-Platz im Zentrum der Hauptstadt Kairo strömten 500 Demonstranten zusammen und riefen: "Das Volk will das Regime zum zweiten Mal stürzen!"

Ein Sieg Schafiks könnte die Stimmung zum Kochen bringen

Ob Schafik überhaupt zur Stichwahl antreten darf, soll offenbar erst wenige Tage vorher entschieden werden. Aus Justizkreisen wurde bekannt, dass das Verfassungsgericht am 11. Juni darüber entscheiden wird, ob das Gesetz rechtens ist, das die Kandidatur von Mitgliedern der früheren Führung des Landes untersage. Aufgrund dieses Gesetzes hatte die Wahlkommission Schafiks Kandidatur zunächst nicht zugelassen. Der Kandidat hatte aber Ende April mit einem Einspruch Erfolg.

Beobachter rechnen damit, dass sich die Proteste in den kommenden Wochen noch ausweiten könnten. Vor allem ein Sieg Schafiks könnte die Stimmung unter der sogenannten Revolutionsjugend zum Kochen bringen.

kha/dpa/dapd/Reuters

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