Am Flughafen in Kairo Deutscher in Ägypten festgenommen

Sameh Seror wollte seine Mutter in Ägypten besuchen. Doch der deutsche Staatsbürger kam nur bis zum Flughafen Kairo. Dort fingen ihn Sicherheitskräfte ab - die folgenden Stunden wird er nicht vergessen.

Flughafen von Kairo (Symbolbild)
AP

Flughafen von Kairo (Symbolbild)


Eigentlich wollte Sameh Seror nur über das Wochenende nach Ägypten reisen, um bei seiner Mutter vorbeizuschauen. Doch der Trip endete in einer Zelle im Flughafen von Kairo. Nach seiner Landung am Morgen des vorvergangenem Samstags um 2.15 Uhr wurde er an der Passkontrolle beiseite genommen, drei Stunden lang verhört und anschließend in einer Zelle im Flughafen von Kairo festgehalten.

Später ging es für ihn mit dem nächsten Flieger zurück nach Frankfurt. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es, der Vorfall sei dort bekannt. Die ägyptische Botschaft in Berlin hat hingegen nach eigenen Angaben keine Erkenntnisse dazu.

Sameh Seror ist ausschließlich deutscher Staatsbürger. Er hatte 2010 bei seiner Einbürgerung seine damalige ägyptische Staatsbürgerschaft abgegeben, wie es das deutsche Recht vorsieht. Das heißt: Anders als bei Doppelstaatsbürgern darf Ägypten ihn nicht wie einen Einheimischen behandeln.

"Wie im Gefängnis"

Es ist wohl das erste Mal, dass mit einem Deutschen in Ägypten so umgegangen wird. Bei der Einreise habe Sameh Seror seine Handys abgeben müssen, das Diensthandy und sein privates, mit niemandem sprechen und sein Gepäck nicht anrühren dürfen, erzählt er. Nach dem Verhör sei er, als Nichtraucher, zu acht weiteren Festgehaltenen in ein verrauchtes, vergittertes Zimmer gebracht worden.

"Das war wie im Gefängnis, mit Etagenbetten, richtig dreckig, als wäre es nie geputzt worden", sagt Sameh Seror. "Es waren acht Leute darin, manche seit sechs Monaten, ohne zu wissen, warum." Er sei knapp neun Stunden in dem Raum festgehalten worden, bis er von den Sicherheitsbeamten direkt zum Gate eines Fliegers zurück nach Frankfurt gebracht wurde. Die komplette Zeit, rund zwölf Stunden lang, habe er nichts zu essen oder zu trinken bekommen.

Bis heute weiß Sameh Seror nicht, warum er nicht einreisen durfte. Doch er hat eine Vermutung. "Ich bin in Deutschland aktiv für Menschenrechte und Demokratie in Ägypten. Wahrscheinlich haben die Ägypter das mitbekommen." Er sei jedoch in keiner Partei und auch kein Mitglied der in Ägypten inzwischen als Terrororganisation eingestuften Muslimbruderschaft. Wenn seine Einschätzung zutreffen sollte, würde dies bedeuten, dass Ägypten selbst im Ausland ein Auge auf Kritiker des heutigen Präsidenten und Ex-Militärgeheimdienstchef Abdel Fattah el-Sisi behält.

Französin stand auf "schwarzer Liste"

Jeder Staat hat das Recht, ausländischen Besuchern die Einreise zu verweigern, beispielsweise weil sei die öffentliche Ordnung gefährden könnten oder weil sie illegal arbeiten wollten. Die USA weisen vor allem aus letzterem Grund immer wieder Deutsche ab. Ägypten scheint vor allem aus politischen Gründen die Einreise zu verwehren. Im Mai wurde Nina Hubinet, eine französische Journalistin, am Flughafen von Kairo festgehalten und abgeschoben - sie wollte in Ägypten Freunde besuchen, doch die Einreisebeamten teilten ihr mit, sie stünde auf einer "schwarzen Liste", wohl wegen ihrer Berichterstattung.

Demo für die Aufklärung des Mordes an Giulio Regeni
DPA

Demo für die Aufklärung des Mordes an Giulio Regeni

Mit den eigenen Staatsbürgern gehen die ägyptischen Sicherheitskräfte brutaler um. Internationale Menschenrechtsorganisationen berichten immer wieder über Folter in Haft bis hin zum Tod.

Im Februar 2016 wurde dagegen sogar ein italienischer Staatsbürger umgebracht, Giulio Regeni. Sein Mord wurde nie aufgeklärt, allerdings warf Italiens Staatsanwaltschaft dem ägyptischen Sicherheitsapparat vor, Regeni im Visier gehabt zu haben. Seit September 2017 ist auch Ibrahim Metwally Hegazy verschwunden, der ägyptische Anwalt, der den Fall übernommen hatte. Metwally wurde am Flughafen von Kairo festgenommen. Seitdem fehlt von ihm jede Spur.



insgesamt 6 Beiträge
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Jürgen Thiede 13.08.2018
1. Nicht unbeantwortet lassen
Warum gehen wir mit Staaten, die unsere Staatsbürger so behandeln, nicht nach dem Muster des Magnitsky Act (Global Magnitsky Human Rights Accountability Act) um? Keine Visa für Verantwortliche der Willkürherrschaft und Sperrung ihrer Konten in der EU. Sonst gehen die Menschenrechtsverletzungen à la Erdogan immer weiter.
mens 13.08.2018
2. No Go States
Es gibt Länder in die würde ich kein Fuß setzten, selbst wenn man mich dafür bezahlen würde und die Pyramiden schwebten. Die *Visit XY-Land-Kampagnen* können sich diverse Tourismus-Ministerien an ihren Sonnen-Hut stecken (Golfstaaten:für einen Kuss im Hotel in den Knast. Türkei: als Geisel Erdogans. Mexiko: Drogenhölle als Touristenparadies). Die Liste ist Endlos, aber es gibt trotzdem genug Länder auf dem Erdball, die nicht mit einer derartigen Folklore aufwarten. Solange in gewissen Staaten so mit Menschen umgegangen wird, sollte man sich diese ersparen. Schlimm genug, dass Menschen, die familiär Bindungen haben, gezwungen sind sich diesen Systemen auszusetzen. Dort Urlaub machen – Never!
tommix68 13.08.2018
3. #3 Ich kann nur sagen...
... ich war oft in der Türkei... ebenso oft in Ägypten. Was dem deutschen dort widerfahren ist finde ich dramatisch, aber genaue hintergründe kennen wir nicht. Aber eins ist sicher: so wie dieses Jahr würde ich jederzeit eher nach Ägypten reisen, als in die Türkei.
kuac 14.08.2018
4.
Zitat von tommix68... ich war oft in der Türkei... ebenso oft in Ägypten. Was dem deutschen dort widerfahren ist finde ich dramatisch, aber genaue hintergründe kennen wir nicht. Aber eins ist sicher: so wie dieses Jahr würde ich jederzeit eher nach Ägypten reisen, als in die Türkei.
Sie sind ja kein Deutscher Ägyptischer Herkunft. Ausserdem kritisieren Sie auch womöglich den Sisi nicht. Also, kein Problem.
markus_wienken 14.08.2018
5.
Diese Geschichte zeigt klar auf, dass es auch immense Vorteile haben kann, sich für eine Staatsbürgerschaft zu entscheiden...insbesondere wenn die frühere zu einem Nicht-Rechtsstaat gehörte.
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