Kairo - Bei Straßenschlachten zwischen Demonstranten und Polizisten im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt Kairo sind Dutzende Menschen verletzt worden. Mehrere hundert Demonstranten warfen mit Steinen auf die Sicherheitskräfte, die mit Tränengas gegen die Menge vorgingen. Die Auseinandersetzungen hielten bis in die Nacht hinein an. Nach Angaben eines Krankenhaussprechers wurden mindestens 60 Demonstranten und zehn Polizisten verletzt.
Die Demonstration fand anlässlich des Jahrestags der Proteste statt, die tödlich endeten: Im November 2011 hatten in der Nähe des Tahrir-Platzes zahlreiche Menschen gegen den damals herrschenden Militärrat und für eine zivile Regierung demonstriert. Die Polizei ging unter anderem mit scharfer Munition gegen die Demonstranten vor, mehr als 40 Menschen wurden getötet.
Die Proteste vom Montag richteten sich dagegen, dass die Polizisten nicht zur Verantwortung gezogen wurden. Viele Demonstranten trugen Bilder der Getöteten, andere forderten, dass das vor einem Jahr verübte Unrecht bestraft werden müsse.
Zu den gewalttätigen Ausschreitungen kam es, als die Demonstranten versuchten, eine Betonmauer einzureißen. Die Barriere wurde vor einem Jahr gebaut, um Demonstranten daran zu hindern, vom Tahrir-Platz zum Hauptquartier der Sicherheitskräfte in Kairo zu gelangen.
Der Militärrat hatte nach dem Sturz des früheren Staatschefs Husni Mubarak im Februar 2011 die Macht in Ägypten übernommen. Nach den Unruhen vom November versprach die Armee eine Übergabe der Macht an den neuen ägyptischen Präsidenten. In das Amt wurde im Juni Mohammed Mursi gewählt. Im Oktober kam es zu den heftigsten Auseinandersetzungen zwischen Anhänger und Gegner des Staatschefs seit der Wahl.
sun/dapd/dpa/AFP
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