Terror in Ägypten Sisi startet auf dem Sinai Großeinsatz gegen IS-Ableger

Seit Jahren liefert sich die ägyptische Regierung mit militanten Islamisten auf dem Sinai Gefechte. Kurz vor den Präsidentschaftswahlen startet Amtsinhaber Sisi nun eine Großoffensive.

Ägyptische Militärfahrzeuge auf dem Weg zum Nordsinai
REUTERS

Ägyptische Militärfahrzeuge auf dem Weg zum Nordsinai


Die ägyptische Regierung hat eine großangelegte Militäroffensive auf der Sinai-Halbinsel gestartet. Dort kämpft die Zentralregierung seit Jahren gegen Dschihadisten. Die Operation umfasst nach Angaben eines ägyptischen Militärsprechers Landtruppen, Marine und Luftwaffe.

Demnach habe es bereits Luftschläge auf Verstecke militanter Islamisten im Norden und im Zentrum der Halbinsel gegeben. Mindestens 20 Islamisten wurden nach Angaben von Sicherheitsbeamten im Norden des Sinai getötet. Neben dem Sinai sollen die Soldaten auch ins Niltal und die westliche Wüste vorrücken.

Anwendung "roher Gewalt" autorisiert

Der Vorstoß richtet sich größtenteils gegen Mitglieder der Vereinigung "Provinz Israel", einem ägyptischen Ableger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Im November hatten Kämpfer mehrere hundert Gläubige bei einemAngriff auf eine Moschee in der Region getötet. Der Anschlag ist der tödlichste in Ägyptens jüngerer Geschichte.

Kurz darauf sprach der ägyptische Präsident Abdel Fattah el-Sisi eine Dreimonatsfrist aus, um die Stabilität im nördlichen Sinai wiederherzustellen. Er autorisierte dabei die Anwendung "roher Gewalt". Zuletzt wurde bekannt, dass die Sisi-Regierung Israel seit Jahren erlaubt, Angriffe auf IS-Gebiete in Ägypten zu fliegen.

Militäroffensive vor den Präsidentschaftswahlen

Die militärische Offensive erfolgt kurz vor den ägyptischen Präsidentschaftswahlen im März. Sisi kandidiert dabei zum zweiten Mal für das Amt - ohne ernstzunehmende Konkurrenz. Er war 2014 mit einem überwältigenden Sieg ins Amt gewählt worden, nachdem er versprochen hatte, den Frieden im Land wiederherzustellen.

Alle Oppositionspolitiker, die eine Chance gegen Sisi hätten, haben sich aus dem Rennen zurückgezogen. Viele beschuldigten die Regierung, Taktiken angewandt zu haben, um Sisi einen leichten Sieg zu verschaffen. Der Amtsinhaber dementiert das.

ans/AP/Reuters



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