Krise in Ägypten Ex-Diktator Mubarak aus Gefängnis entlassen

Ägyptens Ex-Diktator Husni Mubarak ist nicht mehr in Haft: Ein Rettungshubschrauber hat den 85-Jährigen aus einem Gefängnis in Kairo abgeholt und ihn in ein Krankenhaus im Stadtteil Maadi gebracht. Dort soll er unter Arrest gestellt werden.

Ahmed Abd El-Latif

Kairo - Der frühere ägyptische Präsident Husni Mubarak ist am Donnerstag aus dem Gefängnis in Kairo entlassen worden. Einige Dutzend Anhänger des Ex-Präsidenten warteten vor dem Gefängnistor, um ihm zuzujubeln. Ein Rettungshubschrauber mit der Aufschrift "Flying hospital" holte ihn ab. Mubarak wurde nach Maadi, einem Kairoer Stadtteil südlich am Nil, gebracht, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Reporter Matthias Gebauer. Etwa 40 Elitesoldaten seien vor Ort gewesen.

Der Helikopter landete in der Nähe eines Militärkrankenhauses in Maadi, in dem Mubarak bereits früher behandelt worden war. Der Ex-Präsident, weißes T-Shirt, beige Hose, weiße Lederslipper und schwarze Sonnenbrille, wurde in einen Krankenwagen umgeladen und in das Hospital gefahren.

Dort soll der 85-Jährige nun unter Arrest gestellt werden. Mubarak soll an Herzproblemen leiden und war schon mehrfach im Krankenhaus zur Behandlung.

Ein Gericht in Kairo hatte am Mittwoch die Freilassung Mubaraks angeordnet. Die Regierung ordnete jedoch kurz darauf Hausarrest für Mubarak an, um neue Unruhen zu vermeiden. Dabei berief sie sich auf den Ausnahmezustand, der nach den jüngsten Straßenschlachten zwischen der Polizei und den im Juli entmachteten Islamisten verhängt worden war.

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Ägypten: Per Hubschrauber aus dem Gefängnis
Wegen der Tötung von Demonstranten während des Aufstandes im Jahr 2011 wurde Mubarak zwar zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein Berufungsgericht ordnete jedoch ein neues Verfahren an. Die zulässige Dauer der Untersuchungshaft ist inzwischen abgelaufen.

Mubarak war fast 30 Jahre lang Präsident Ägyptens. Nach Massenprotesten hatte ihn das Militär im Februar 2011 zum Rücktritt gezwungen. Vor allem das Königshaus von Saudi-Arabien soll sich in Kairo mehrfach für die Freilassung des ehemaligen Staatschefs starkgemacht haben. Saudi-Arabien hat der neuen Übergangsregierung großzügige Finanzhilfen zugesichert. Während des Aufstands gegen Mubarak waren im Januar 2011 Hunderte Menschen getötet worden.

Der Prozess gegen den Ex-Präsidenten wegen der Tötung von mehr als 800 Demonstranten wird am kommenden Sonntag fortgesetzt.

Für Freitag werden neue Proteste und Auseinandersetzungen in Ägypten befürchtet. Bei Unruhen sind in den vergangenen Wochen seit dem Sturz der islamistischen Regierung des gewählten Präsidenten Mohammed Mursi viele hundert Menschen ums Leben gekommen.

heb/mgb/Reuters/dpa/AFP

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abdilava@yahoo.de 22.08.2013
1. Abdi
Schöne spiele – Ich hoffe alle Lebenden sind Glücklich!
Casparcash 22.08.2013
2. .
was mich wirklich besorgt, ist nicht unbedint die tatsache, dass mubarak freigelassen wurde, denn an die macht wird er bestimmt nicht mehr kommen und gerechtigkeit muss er wohl in dem alter in einem anderen leben erfahren müssen. besorgniserregend hingegen ist, dass seine anhänger offensichtlich wieder genug macht besitzten, um diese freilassung durchzusetzen. die demokratie in ägypten: zerdrückt zwischen radikalen auf allen seiten. weimarer verhätnisse, nur eben auf ägyptisch.
Leserbrief 22.08.2013
3. Realpolitik
Allemal der vernünftigtste unter den verfügbaren Staatsmännern. Auf sein Erfolgskonto gehen Jahrzehnte Frieden und erfolgreiche Repression der Islamisten. In einer Umgebung, wo es soviele durchgeknallte Individuen gibt, eine beachtliche Leistung. Mubarak hat leider die Annäherung an Israel verpasst. Beide Länder hätten starke Wirtschaftsbeziehungen entwickeln können - und Ägypten könnte sich dann heute selbst versorgen.
pmf2013 22.08.2013
4. Das Volk wollte es so...
'Die Geister, die ich rief, werde ich nun nicht mehr los' (Zitat aus dem Zauberlehrling). Es wurde das Militaer zu Hilfe gerufen, um Mursi loszuwerden, nun ist ebenjenes faktisch an der Macht. Das war vorrauszusehen, nur nicht vom aegyptischen Volk. Echte Demokratie braucht eben Geduld, nur hat man die nicht in diesen Laendern. Ein Prozess, der z.B. in Europa hunderte von Jahren gedauert hat. Mursi war zwar nicht erste Wahl, aber man haette ihm durchaus mehr Zeit einraeumen muessen. Jetzt traegt man in Aegypten die wirklichen -militaerischen- Fruechte des arabischen Fruehlings, der eigentlich so hoffnungsvoll begonnen hatte.
ein-berliner 22.08.2013
5. Pharao Husni I
Zitat von sysopREUTERSÄgyptens Ex-Diktator Husni Mubarak ist frei: Ein Rettungshubschrauber holte ihn aus einem Gefängnis in Kairo ab und brachte den 85-Jährigen in ein Krankenhaus im Stadtteil Maadi. Dort soll er unter Arrest gestellt werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/aegypten-ex-diktator-mubarak-aus-gefaengnis-entlassen-a-918062.html
# Der Errettungshubschrauber? Schon erstaunlich, die erste Pharaomumie die aus ihren Tüchern wieder lebend ausgewickelt wird. Noch erstaunlicher, das Gehirn wurde scheinbar noch nicht entfernt und steht weiter zur Verfügung. In Agypten geschehen Wunder über Wunder, nur die Doppelkrone fehlt noch. Baut ihm endlich seine Pyramide, der passende Fluch kommt später!
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