Ägypten Gericht hebt Strafen für Al-Jazeera-Reporter auf

In Ägypten wird der Prozess gegen drei Journalisten des TV-Senders Al Jazeera neu aufgerollt - die Haftstrafen gegen die Männer wurden annulliert. Ihnen wird vorgeworfen, die Muslimbruderschaft unterstützt und Lügen verbreitet zu haben.


Kairo - Das oberste Gericht Ägyptens hat die langjährigen Haftstrafen von drei Journalisten des Fernsehsenders Al Jazeera aufgehoben und ein neues Verfahren angeordnet.

Bis zu einer erneuten Anhörung müssten die drei Mitarbeiter des arabischen Senders aber weiterhin hinter Gittern bleiben, sagte Verteidiger Mostafa Nagy. Zuletzt war spekuliert worden, dass Präsident Abdel Fattah el-Sisi die drei begnadigen oder ausweisen lassen könnte. Die Verurteilung zu sieben bis zehn Jahren Gefängnis hatte im Sommer international Kritik ausgelöst.

Die Anklage hatte den Journalisten vorgeworfen, die als Terrorgruppe eingestuften Muslimbrüder unterstützt und Lügen über die Regierung verbreitet zu haben. Bei den Verurteilten handelt es sich um den australischen Korrespondenten Peter Greste, den Kairoer Al-Jazeera-Bürochef Mohamed Fahmy - einen Kanadier mit ägyptischen Wurzeln - sowie den ägyptischen Sendeleiter Baher Mohammed. Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" hatte nach dem Urteil von einem "Tiefschlag für die Pressefreiheit" gesprochen.

Die drei Männer waren im Dezember 2013 festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft warf ihnen vor, mit Lügen die nationalen Interessen verletzt zu haben. Außerdem hätten sie eine Gruppe von 17 Ägyptern mit Geld, Ausrüstung und Informationen versorgt. Mit der Gruppe war offensichtlich die Muslimbruderschaft gemeint, die seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi immer wieder zu Protesten aufgerufen hatte.

Nach dem Sturz Mursis waren die Muslimbrüder in Ägypten zur Terrorgruppe erklärt und verboten worden. Das Golfemirat Katar, das auch Al Jazeera finanziert, unterstützt dagegen die Organisation weiter. Seit dem Sturz Mursis sind die Beziehungen zwischen den Regierungen in Doha und Kairo angespannt.

anr/dpa/Reuters



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