Ägypten Konflikt zwischen Religionsgruppen fordert ein Todesopfer

Bei erneuten Zusammenstößen zwischen Muslimen und koptischen Christen in der ägyptischen Stadt Alexandria ist ein Muslim ums Leben gekommen.


Alexandria - Mindestens 43 junge Männer beider Konfessionen wurden nach Polizeiangaben verletzt. Die Zusammenstöße brachen nach einem koptischen Gottesdienst in einer Kirche in der Innenstadt aus. Rund 2.000 Sondereinsatzkräfte der Polizei riegelten die Kirche ab, um weitere Ausschreitungen zu verhindern.

Erst am Samstag wurden bei Zusammenstößen in Alexandria, an denen mehrere hundert Kopten und Muslime beteiligt waren, mindestens 22 Menschen verletzt und 15 festgenommen. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas gegen die Menge ein. Die Gewalt war offenbar eine Reaktion auf Messerangriffe in drei Kirchen, bei denen am Freitag ein Gottesdienstbesucher getötet und mindestens 16 verletzt wurden.

Kirchenvertreter warfen der Regierung vor, die christliche Minderheit nicht ausreichend zu schützen. Sie bezichtigten das Innenministerium außerdem, die Hintergründe der Messerangriffe zu vertuschen. In einer Erklärung ist von Terror gegen die Kopten die Rede. Die Regierung macht einen einzelnen Täter für die Angriffe auf die Gottesdienstbesucher in den drei Kirchen verantwortlich.

Zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung sind koptische Christen. Gewöhnlich leben sie friedlich mit der muslimischen Bevölkerungsmehrheit zusammen. Gelegentlich kommt es allerdings zu religiös motivierten Auseinandersetzungen zwischen den Gruppen. Die Christen klagen außerdem über Diskriminierung im Beruf.

reh/AP



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