Ägypten-Krise Berlusconi macht sich für Mubarak stark

EU-Spitzenpolitiker drängen auf einen schnellen Wandel in Ägypten, ohne dabei Husni Mubarak zu erwähnen. Silvio Berlusconi sieht das jedoch anders: Der umstrittene Despot werde doch im Westen als "weise" angesehen und müsse deshalb den Übergang führen, fordert Italiens Ministerpräsident.

Berlusconi (beim EU-Gipfel): Unterstützung für Mubarak
AFP

Berlusconi (beim EU-Gipfel): Unterstützung für Mubarak


Brüssel - Silvio Berlusconi lässt mal wieder kein Fettnäpfchen aus. Zum Auftakt des EU-Gipfels in Brüssel brach Italiens Regierungschef ausgerechnet eine Lanze für Husni Mubarak. Er plädierte dafür, dass der umstrittene Präsident den vom Westen geforderten Wandel in Ägypten führen solle.

Berlusconi warnte vor einem überstürzten Machtwechsel in Kairo. "Wir hoffen auf einen Übergang in Ägypten, der mehr Demokratie bringt, mit einem Präsident wie Mubarak, den der Westen und allen voran die USA als weise ansehen", sagte er.

Berlusconi äußert sich damit ganz anders als andere EU-Spitzenpolitiker in den vergangenen Tagen. In deren Äußerungen wurde Mubarak gar nicht erwähnt. Die EU äußert sich auch in der vorbereiteten Abschlusserklärung des Gipfels, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, nicht explizit zum umstrittenen Mubarak. Die EU war zuvor kritisiert worden, zu spät und nicht klar genug zu Ägypten Stellung bezogen zu haben.

Großbritanniens Premier David Cameron sagte in Brüssel, die europäischen Staatenlenker wollten zeigen, dass sie einen "geordneten Übergang" in Ägypten unterstützen. "Falls wir heute auf den Straßen Kairos staatlich unterstützte Gewalt oder das Anheuern von Rowdys sehen, um Demonstranten zu schlagen, dann würde Ägypten und sein Regime jegliche verbleibende Glaubwürdigkeit verlieren...", warnte der britische Regierungschef.

Ähnlich äußerte sich auch Kanzlerin Angela Merkel. Von den Sicherheitskräften des Landes werde erwartet, dass sie an diesem "entscheidenden Freitag" für gewaltfreie und friedliche Demonstrationen der Menschen sorgten.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton berichtete, sie habe am Vorabend mit Vizepräsident Omar Suleiman telefoniert. Dabei habe sie den Eindruck bekommen, dass "er sich in Richtung einer Art nationaler Dialog bewegt". Suleiman habe zugesagt, mit den Oppositionsführern Gespräche zu führen. "Es ist absolut notwendig, dass die Menschen sehen, dass es einen Plan gibt", sagte die Chefdiplomatin der EU.

Der schwedische Premierminister Fredrik Reinfeldt verlangte einen raschen Demokratisierungsprozess von der ägyptischen Regierung. "Das ist keine einfache Sache. Wir wollen sie aber dabei unterstützen." Er fügte hinzu: "Wir wollen, dass sie einen Prozess einleiten. Sie sollen demokratische Wahlen auf den Weg bringen."

Die EU-Staats- und Regierungschefs fordern laut Entwurf der Abschlusserklärung einen "raschen und geordneten Übergang" in dem Land am Nil. Weitere Gewalt müsse unbedingt vermieden werden.

als/dpa



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insgesamt 51 Beiträge
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Seite 1
Coolie, 04.02.2011
1. Ich glaube...
Zitat von sysopEU-Spitzenpolitiker drängen auf einen schnellen Wandel in Ägypten, ohne dabei Husni Mubarak zu erwähnen. Silvio Berlusconi sieht das jedoch anders: Der umstrittene Despot werde doch im Westen als "weise" angesehen und müsse deshalb den Übergang führen, fordert Italiens Ministerpräsident. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,743591,00.html
...Berlusconi hat sich das Hirn schon rausgevögelt.
maipiu 04.02.2011
2. Womit denkt er?
Ganz genau! Und darum kann er auch nicht damit denken sondern mit? Dreimal dürft ihr raten!
sukowsky, 04.02.2011
3. Don Juan Silvio Berlusconi
Berlusconi fürchtet wohl um seine Kapitaleinlagen an die Ägypter, ansonsten schert sich doch Don Juan Silvio um niemandenaußer bei bei den schönen Frauen.
9 x Klug, 04.02.2011
4. .
Ist doch schon super wenn Berlusconi wenigstens nicht meint, der ägyptische Staat sei Mubaraks Privateigentum. Das diesbezügliche Verhältnis zwischen Berlusconi und dem italienischen Staat ist da doch unklarer.
slider 04.02.2011
5. Silvio Berlusconi
In seiner eleganten Schlichiheit sagt Silvio Berlusconi nur, was die anderen EU Heinzis denken, aber sich nicht trauen zu sagen.
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