Protest gegen ägyptischen Militärrat: Zehntausende demonstrieren auf dem Tahrir-Platz

Die Bilder erinnern an den Arabischen Frühling vor einem Jahr: Auf dem Tahrir-Platz in Kairo haben sich tausende Ägypter versammelt, um gegen die Regierung zu protestieren. Erstmals seit Monaten zeigten sich dabei die politischen Lager wieder vereint.

Protest in Kairo: Aufstand gegen den Militärrat Zur Großansicht
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Protest in Kairo: Aufstand gegen den Militärrat

Kairo - Es war die größte Demonstration seit Monaten: Tausende Ägypter versammelten sich am Freitag auf dem Tahrir-Platz in Kairo und forderten ein Ende der Militärherrschaft. Sie fürchten, die Militärregierung wolle ihre Zeit an der Macht verlängern. Zum ersten Mal seit vielen Monaten standen Demonstranten aus den Reihen der Islamisten wieder gemeinsam mit Liberalen und Jugendgruppen auf dem Tahrir-Platz, um unterschiedliche politische Reformen einzufordern. Aus den Reihen der Demonstranten ertönte die Forderung: "Nieder mit der Militärherrschaft."

Seit dem Sturz des ehemaligen Machthabers Husni Mubarak vor mehr als einem Jahr herrscht in Ägypten politisches Chaos. Dem Militärrat, der das Land übergangsweise regiert, hängt der Vorwurf an, er profitiere von den Wirren und wolle so an der Macht bleiben.

Der Militärrat hatte kürzlich mit einer Verschiebung des Termins für die Präsidentschaftswahl gedroht, falls es vor der Wahl keine neue Verfassung geben sollte. Diese soll am 23. Mai beginnen. Am 21. Juni soll dann der neue Präsident bekannt gegeben werden. Der Militärrat will seine Macht bis zum Juli an das bereits gewählte Parlament und den zu wählenden Präsidenten übertragen. Jedoch wächst das Misstrauen, die Streitkräfte könnten den Prozess manipulieren oder den Fahrplan umstoßen. Die Streitkräfte weisen den Vorwurf zurück.

Im März hatte ein Gericht die Verfassungsgebende Versammlung aufgelöst, nachdem sich Liberale, moderate Muslime und die koptische Kirche aus Protest gegen die islamistische Dominanz in der Versammlung zurückgezogen hatten.

Teile der Opposition riefen zum Protest gegen diejenigen Präsidentschaftskandidaten auf, die Ex-Präsident Mubarak nahestanden. Radikale Salafisten beteiligten sich an der Demonstration auf dem Tahrir-Platz, um gegen den Ausschluss ihres Präsidentschaftskandidaten Hasem Abu Ismail zu protestieren.

ler/dpa/dapd

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1. Es ist interessant
nachdenklich1 20.04.2012
Es gibt Länder mit mächtigen Demonstrationen da kennt man noch nicht einmal den Staatschef der die Demonstranten zusammenschießt und es gibt Länder mit Demos und Rebellentum da regiert in der Regel ein hinreichend bekannter Schlächter.Bei genauer Betrachtung erkennt man schnell, dass die Länder die in westlicher Gefolgschaft agieren in der Regel eine unbekannte Spitze haben. Preisfrage: Wer ist Regimechef von Ägypten, von Bahrein, von Jemen, von Saudiarabien, von Katar etc.? Natürlich kennen wir dagegen alle die Bösewichte von Syrien, Iran und Nordkorea ...Die Medien machen doch einen guten gleichgeschalteten Job...
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